Publiziert am: Freitag, 20. Februar 2015

«Reichtum ist neutral»

PAULUS-AKADEMIE ZÜRICH – Unter dem Titel «Ist Wohlstand unmoralisch?» diskutierten Podiumsgäste in der Zürcher Schreinerei Paul Kleger AG das Verhältnis von Kirche und Wirtschaft.

Die Kirche auf der einen, die Wirtschaft auf der anderen Seite? Wie passen Wohlstand und Reichtum mit der katholischen Religion zusammen? Weshalb ist das Verhältnis zwischen diesen beiden Parteien oft angespannt? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler, der Professor für Allgemeine und Schweizer Geschichte der Neuzeit an der Universität Fribourg Volker Reinhardt und der Leiter des Sozialinstituts der Katholischen Arbeitnehmer/innen-Bewegung KAB Thomas Wallimann an einer Podiumsdiskussion der Paulus-Akademie in Zürich.

Armut erstrebenswert?

«Verzicht auf Reichtum bedeutet Heiligkeit. Wer arm ist, ist Gott näher. Schon immer war diese Theorie in der katholischen Kirche verbreitet. Und doch wollte in Tat und Wahrheit niemand arm sein», begann Reinhardt seine Ausführungen. Kardinäle und Päpste hätten Kunstsammlungen gekauft und in prunkvolle Bauwerke investiert. Reichtum habe im Humanismus generell dann als akzeptabel gegolten, wenn er für Bildung eingesetzt und auch selbst erworben, also nicht geerbt worden sei.

Diese These unterstützte Wallimann: «Kapital darf nicht um des Kapitals Willen angehäuft werden. Es muss in einer Gesellschaft allen gut gehen. Sobald dies nicht mehr so ist, entsteht Kritik.»

Kirchliche Gleichheit nicht auf

Gesellschaft übertragbar

Grundbesitz gehöre Gott, so Wallimann weiter. Daher solle jede Art von Besitz auch allen gehören. Das Prinzip der Umverteilung sei also unumgänglich. «Reichtum ist grundsätzlich neutral», konterte Bigler. Die Frage sei lediglich, wie der Einzelne damit umgehe. «Das Konzept der kirchlichen Gleichheit ist aber nicht auf die Gesellschaft übertragbar. Jeder Mensch hat einen anderen Background, andere Lebenskonzepte und Ziele. So entstehen unterschiedliche Lebensläufe.»

Schliesslich zitierte der sgv-Chef aus dem Alten Testament: «Eine nachlässige Hand macht arm, aber eine fleis­sige Hand macht reich.» Es könne also nicht das Ziel sein, dass alle gleich viel hätten. Lohn beispiels­weise sei ein Anreiz, Leistung zu erbringen.