Publiziert am: Freitag, 24. März 2017

Richter und Zensor ohne Mandat

FINANZANLAGEN – Es ist fahrlässig, wie der Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen SVVK auf dem Buckel der Versicherten Richter über Gut und Schlecht spielt und Regulierungen über die Hintertür einführt.

Die Absicht wirkt edel, der Name 
allerdings etwas sperrig: Verein für verantwortungsbewusste Kapital-
anlagen SVVK. Schön – doch der Schein trügt: Was der Verein tut, 
ist das genaue Gegenteil einer verantwortungsbewussten Anlagepolitik.

Land der Vereine

Die Schweiz ist ein Land der Ver-
eine. Und das ist gut so. Doch es 
ist problematisch, wenn Vorsorge-einrichtungen im Dunstkreis des Staates sich zusammenschliessen, um der Wirtschaft zu diktieren, was «verantwortungsbewusste Kapital-anlagen» sind. Das ist nämlich das Ziel des SVVK. Als Verein öffentli-cher Einrichtungen masst er sich 
an, Richter und Zensor über «gute» und «schlechte» Unternehmen zu sein.

«VERZICHT AUF RENDITE – DAS SOLL VERANTWORTUNGSBEWUSST SEIN?»

Seine Mitglieder sind unter anderem der AHV-Fonds, die Pensionskassen des Bundes, der Post, SBB, Swisscom oder etwa die SUVA. Eigentlich müssten sie die ihr anvertrauten Gelder im Sinne der Versicherten verwalten. Verantwortungsvoll würde dem-
nach bedeuten, in solide Unter-
nehmen und Anlagen mit guten 
Renditen zu investieren. Stattdessen bezahlen sie einen Verein, welcher Regulierung durch die Hintertüre betreibt.

Legal reicht nicht

Denn für den SVVK genügt es nicht, dass Firmen legalen Aktivitäten nachgehen. Sie müssen irgendwelchen «normativen» Kriterien genügen. Welche dies sind, legt alleine der Verein fest. Ein Beispiel jüngs-
ter Empfehlung: Die Mitglieder des Vereins – alles staatsnahe Institute – sollen nicht mehr Aktien der Firma Lockheed Martin halten. Grund: 
Das Unternehmen stellt Rüstungs-güter her.

«OFFENBAR GENÜGT ES IN DER SCHWEIZ NICHT MEHR, GESETZE EINZUHALTEN...»

Was der SVVK dabei vergisst: Ers-tens werden diese Rüstungsgüter oder Komponenten davon unter 
anderem eingesetzt, um die Schweiz zu schützen. Zweitens fertigt das 
Unternehmen auch zivile Produk-
te. Drittens – und am wichtigsten: Lockheed Martin arbeitet legal. 
Nun, offenbar genügt es in der Schweiz nicht mehr, Gesetze einzuhalten.Ist es also bloss eine Frage 
der Zeit, bis auch Schweizer Ma-
schinenproduzenten ausgeschlossen werden?

Rendite? Nein, danke...

Doch es kommt noch dicker. Viele Vorsorgewerke und ähnliche Institute legen indexnah an. Das bedeutet, die Institute nehmen vordefinierte Branchenzusammensetzungen und bilden diese in ihren Investitionsentscheiden ab. Das sind besonders passive und konservative Anlagestrategien, die günstig und ertragsreich sind. Durch den «Entscheid» am Vereinstisch des SVVK wird auch das nicht mehr möglich. Mit dem Ergebnis: Die Vermögensverwaltungskosten schnellen in die Höhe. Auf Rendite wird verzichtet. Das wiederum ist das Gegenteil von verantwortungsbewusst.

Dem soll nun ein Riegel geschoben werden. Der Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi hat eine Motion eingereicht, welche das Mitwirken staatlicher Institute am SVVK untersagt. Recht hat er: Es ist eines Rechtstaates unwürdig, über seine Versicherungen und Vorsorgewerke die Wirtschaft regulieren zu wollen. Es ist vor allem fahrlässig, auf dem Buckel der Versicherten Richter über Gut und Schlecht spielen zu wollen. Die Versicherten haben Besseres verdient.

Henrique Schneider,
Stv. Direktor sgv