Publiziert am: 09.08.2019

Schritt in mögliche Selbstständigkeit

UNTERNEHMERTUM AN DER SCHULE – Das Berufsbildungszentrum BBZ in Olten lancierte im Frühling das Pilotprojekt «Unternehmerisches Denken und Handeln». Nebst einer Weiterbildung für Lehrpersonen konnten sich dabei 24 Lernende unternehmerische Kompetenzen aneignen. Ziel ist es, künftig dieses Unterrichtsmodul im Lehrplan an der Berufsfachschule zu implementieren.

«Neu und mutig», so beschrieb Christine Davatz, Vizedirektorin des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv und Verantwortliche für die Berufsbildung, die Geschäftsideen, welche die Berufslernenden im Frühling am BBZ Olten präsentierten. Der Jury, bestehend aus Christine Davatz, Stefan Ruchti, Vorsteher des Amtes für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen, und Aline Scherz, Lehrerin Allgemeinbildung BBZ Olten, entschied sich für drei Geschäftsmodelle, die allesamt Nachhaltigkeitsaspekte in den Vordergrund stellten.

Auf Platz 1 kam das Projekt ­«Pelelectric». Die Idee, kinetische Energie dank Piezoelementen in Strom umzuwandeln, zeigte auf, dass auch zu Hause Strom ökologisch produziert werden kann. Rang zwei ging an die Idee «Leather Craft». Mit Hilfe von Upcycling sollen alte Lederprodukte ein zweites Leben bekommen. Bronze ging an das Geschäftsmodell von «Micro Clean». Durch die Nutzung spezieller Filter, die zum Einsatz kommen, bevor Schmutzwasser das Haus verlässt, soll Mikroplastikpartikeln der Kampf angesagt werden.

Entstanden waren die Ideen im Rahmen der viertägigen Ausbildung «Unternehmerisches Denken und Handeln», an der 24 Bekleidungsgestalterinnen und -gestalter sowie Automatikerinnen und Automatiker teilnahmen. Die Lernenden eigneten sich Wissen zu Themen wie Geschäftsmodell, Lean Startup, Marketing oder Unternehmensfinanzierung an und wendeten das Gelernte direkt für die Entwicklung einer eigenen Idee an. Zwölf Lehrpersonen, die am Programm teilnahmen, erlebten mit, wie das Thema im ­allgemeinbildenden Unterricht ABU vermittelt wird.

Durchgeführt wurde die Weiterbildung von Susan Müller, Assistenzprofessorin an der Universität St. Gallen, Fritz Oser, Professor an der Universität Fribourg, und Eveline Gutzwiller, Gast-Professorin an der Universität Duisburg-Essen. Die Weiterbildung war Teil des Projektes «Unternehmerisches Denken und Handeln an Berufsfachschulen der Schweiz – Ökonomische, soziale und ethische Dimensionen». Ziel des Pilotprojektes ist es, das Erlernen unternehmerischer Kompetenzen im ABU zu verankern. Der ABU spielt eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der Lernenden zu eigenständigen Persönlichkeiten. Während des Projektes werden Weiterbildungen der Lehrpersonen in den Kantonen Bern, Solothurn, ­Tessin und Wallis durchgeführt. Der sgv unterstützt das Projekt. Die Finanzierung erfolgt durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI.

Die Wichtigkeit des Unternehmertums wurde während der Abschlussveranstaltung von Remo Ankli, Bildungsdirektor Kanton Solothurn, betont. KMU seien für den Schweizer Wohlstand zentral, und das gute wirtschaftliche Ökosystem für die Unternehmen könne mit solchen Unterrichtsmodulen weiter gestärkt werden. Neben den unzähligen anstehenden Nachfolgeregelungen seien auch neue, innovative Firmen wichtig.

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Wichtig ist das Projekt «Unternehmerisches Denken und Handeln» auch aus pädagogischen Gründen: Die Lernenden entwickeln Ideen und die damit zusammenhängende Kreativität, sie verarbeiten unternehmerisches Wissen, sie verstehen besser, wie Unternehmen funktionieren und welchen Stellenwert sie in der Gesellschaft haben. Ausserdem lernen sie die Schwierigkeiten kennen, die mit einer Gründung einhergehen, inklusive der Gefahren des Scheiterns. Es geht um einen ganzen Strauss von generischen Kompetenzen, die hier aufgebaut und aktualisiert werden.

Handwerk hat goldenen Boden

Georg Berger, Direktor des BBZ Olten und Präsident der Schweizerischen Direktorinnen- und Direktorenkonferenz der Berufsfachschulen, unterstrich, dass Handwerk auch in der Zeit der Digitalisierung goldenen Boden habe. Mit dem Wissen, wie ein Unternehmen gegründet werden könne, sei ein wichtiger Schritt in die mögliche Selbstständigkeit gemacht. Das Ziel sei nun, dieses Unterrichtsmodul im Lehrplan des allgemeinbildenden Unterrichts zu implementieren, damit einst jährlich 70 000 Lernende unternehmerische Kompetenzen erwerben können.

pd/CR

www.bbzolten.so.ch