Publiziert am: Freitag, 16. Juni 2017

Schwedens Modell des Snus

TABAKPRODUKTE – «Bern» setzt gemahlenen Tabak auf die Liste und ruft die Wissenschaft zu Hilfe. Wünschenswerter wäre eine moderne Gesetzgebung nach skandinavischem Vorbild.

Im Jahr 2017 leben 1,7 Milliarden Raucher auf dieser Welt. Während allgemein anerkannt wird, dass Massnahmen zur effektiven Reduzierung der schädlichen Folgen des Tabakmissbrauchs auf die Gesundheit erforderlich sind, legt die Politik neuen Tabakprodukten, die wesentlich weniger schädlich sind als Zigaretten, immer neue Steine in den Weg. Obwohl der schwedische Mundtabak Snus dieses Ziel der öffentlichen Gesundheit voranbringt, wird er in der Schweiz ohne triftigen Grund und auf der Basis wissenschaftlich nicht fundierter Behauptungen sanktioniert.

«Bern» versucht, uns die Sicht zu vernebeln, indem Snus und Tabak in dieselbe Schublade gesteckt werden. Eine solche Behandlung ist jedoch völlig ungerechtfertigt. Die Frage drängt sich auf: Wie lange müssen wir noch auf eine angepasste Gesetzgebung warten?

Weniger Raucher, 
weniger Krebs

Häufig ist zu lesen, dass die Tabakprodukte mit geringem Risiko ein Sprungbrett für die Nutzung schädlicherer Produkte darstellen. Diese Behauptung ist wissenschaftlich unbegründet. Sehen wir uns das Beispiel Schweden an. Mit nur sieben Prozent Rauchern (Eurobarometer Mai 2017) ist die Lage in Schweden wesentlich besser als in der Schweiz, wo trotz einer repressiven Politik und einem der höchsten Tabakpreise der Anteil der Raucher bei 25 Prozent liegt. Zahlreiche Studien zeigen, dass der Konsum von Snus zu einer beträchtlichen Reduktion der Anzahl der Raucher geführt hat. Beim grössten Anteil der Nutzer dieser Produkte handelt es sich im Übrigen um frühere Raucher.

Die schwedischen Alternativen zum Rauchtabak (vgl. Kasten) haben die Anzahl Raucher reduziert und auch dazu geführt, dass das Land die geringste Rate an Krebsfällen in Verbindung mit Tabak verzeichnet – selbst in Bezug auf Krebserkrankungen in der Mundhöhle. Dieser schwedische Erfolg ist eindeutig dem Snus zu verdanken. Das Ziel einer Gesundheitspolitik sollte demnach nicht darin bestehen, einen Kreuzzug gegen Tabakprodukte und alle seine Derivate zu führen, sondern die Konsequenzen für die Gesundheit der Verbraucher zu reduzieren, indem weniger schädliche Alternativen frei auf dem Markt angeboten werden.

Heute befinden sich solche nikotinhaltigen Produkte im Aufwind. Dies hat spontan aufgrund eines neuen Bewusstseins der Bevölkerung stattgefunden, und nicht aufgrund von staatlichen Anreizen. Dieses Potential muss genutzt werden, um die Nutzung solcher Produkte zu fördern und sie nicht auszubremsen.

Risiken stark reduziert

Die grosse Mehrheit der Raucher kann (noch) nicht auf Nikotin verzichten. Genauso wie elektronische Zigaretten reduziert Snus die Risiken erheblich; es wäre kontraproduktiv, diese Produkte streng zu reglementieren, indem die Werbung dafür verboten wird oder ein Steuerzuschlag darauf erhoben wird. Die Eidgenössischen Räte haben ein Zeichen in die richtige Richtung gesetzt und den Gesetzesentwurf über die Tabakprodukte an den Bundesrat zurückgewiesen; und zwar mit dem klaren Auftrag, einen liberaleren und weniger restriktiven Gesetzesentwurf vorzulegen, der eine differenzierte Regulierung für Produkte wie den Snus enthält.

In wirtschaftlicher Hinsicht, aber auch vor dem Hintergrund der öffentlichen Gesundheit geht es nun darum, dieser rechtlichen Unsicherheit entgegenzuwirken und rasch eine moderne Gesetzgebung zu schaffen, die den Verkauf von elektronischen Zigaretten und von Snus erlaubt.

Hélène Noirjean, 
Ressortleiterin sgv

DAS IST SNUS

Bei Snus handelt es sich um einen fein gemahlenen Tabak, der zum Konsum üblicherweise zwischen das Zahnfleisch und die Oberlippe geschoben wird. Es gibt ihn mit verschiedenen Aromen, und er wird als feuchte Masse oder in kleinen porösen Säckchen, ähnlich wie Tee, angeboten. Sein Verkauf ist in der Schweiz seit 1995 verboten, obwohl der Import für den Eigengebrauch rechtlich zulässig ist.

In Schweden existiert dieses Produkt seit 1822 als weniger schädliche Alternative zum Rauchtabak. Die Schweden sind heute die grössten Verbraucher von Snus, mit ungefähr einer Million Konsumenten. Einer von fünf Männern kosumiert regelmässig Snus. No