Publiziert am: Freitag, 24. April 2015

Schweizer Präzision weltweit

ORGELBAU KUHN AG – Das 150-jährige Unternehmen im zürcherischen Männedorf ist auf allen Gebieten des Orgelbaus tätig. 
Das KMU betreibt sein Kunsthandwerk auf höchstem Niveau und hat sich international einen Namen gemacht.

Seit über 2000 Jahren werden Orgeln gebaut. Auch die Orgelbau Kuhn AG setzt sich täglich mit der jahrhundertealten Orgelbaukunst auseinander und leistet einen wichtigen Teil zu deren Bewahrung. Das ehemalige Familienunternehmen im zürcherischen Männedorf hat sich zur Aufgabe gemacht, die Interessen der Kirchenmusik, des Konzertbetriebes, der Architektur und des Orgelbaus uneigennützig und respektvoll gegeneinander abzuwägen. Seit Generationen setzt sich das KMU intensiv mit dem Orgelbau auseinander. «In den vergangenen 150 Jahren hat sich der Orgelbau künstlerisch und technisch stark gewandelt. An unserer Firmenphilosophie jedoch hat sich im Grunde genommen nichts verändert: Wie unsere Vorgänger wollen wir das Kunsthandwerk Orgelbau auf höchstem Niveau betrieben», betont Geschäftsführer Hans-Peter Keller. Er leitet zusammen mit Gunter Böhme – Intonateur und Bereichsleiter Klang & Restaurierung – das Unternehmen. Gegründet wurde die Firma 1864 von Orgelbauer Johann Nepomuk Kuhn. Er vererbte das florierende Unternehmen seinem Sohn. Dieser hatte keine Nachkommen. Als weitsichtig denkender Unternehmer wandelte er 1925 seine Firma in eine Aktiengesellschaft um. Heute ist die Orgelbau Kuhn AG ein moderner Handwerkbetrieb mit rund 40 Mitarbeitenden.

Höchste Qualitätsansprüche

In der Branche zählt das Unternehmen zu den grossen Firmen, die auch international tätig sind. «Dank dieser Grösse sind wir in der Lage, praktische alle Orgelteile in Männedorf herzustellen», so Keller. «Wir sind so auf allen drei Gebieten des Orgelbaus tätig und können mit gut ausgebildeten Spezialisten ein breitgefächertes Angebot abdecken.» Dies ist denn auch ein wichtiges Qualitätsmerkmal der innovativen Firma. Dazu Keller: «Wir gewährleisten unsere Qualität vor allem damit, dass wir nur hervorragende Mitarbeiter – gelernte Orgelbauer und Schreiner – beschäftigen, die mit grossem Verantwortungsbewusstsein erstklassige Arbeit leisten, welche die hohen Bedürfnisse unserer Kundschaft nachkommen.» Um die hohen Qualitätsanspruche zu gewährleisten und auch weiter auszubauen, werden Qualitätskontrollen durchgeführt. «Entscheidend ist für uns jedoch das persönliche Engagement jedes einzelnen Mitarbeiters», verweist Keller auf die Firmenphilosophie.

«Dank unserer 
Grösse stellen wir alle Orgelteile in 
Männedorf her.»

Die drei Geschäftsbereiche des KMU bestehen aus Orgelneubau, Restaurierung und Orgelpflege. Im Orgelbau gilt es, für Kirchen oder Konzertsäle neue Instrumente zu planen, zu bauen und zu installieren. «Jede Orgel ist eine Einzelanfertigung, welche klanglich und gestalterisch auf den jeweiligen Raum sorgfältig abgestimmt ist», betont Keller, der auch Leiter des Bereichs Technik & Gestaltung ist. Auf diesem Gebiet sowie auch in der Restaurierung ist das KMU international tätig. «Wir bauen pro Jahr zwei bis vier neue Orgeln und restaurieren bedeutende historische Instrumente nach erkannten denkmalpflegerischen Grundsätzen.» Das dritte Standbein ist die Orgelpflege. Sie umfasst Stimmungen, Reparaturen und Revisionen.

Der starke Franken als 
grosse Herausforderung

Das Unternehmen generiert einen Umsatz von jährlich 6 Millionen Franken und beschäftigt rund 40 Mitarbeitende, darunter zwei Lernende. Gut ausgebildeter Nachwuchs ist sowohl für die Zukunft des traditionellen KMU als auch generell für die Erhaltung dieses Kunsthandwerkes äusserst zentral. Hingegen bedauert Keller: «Wie in anderen handwerklichen Berufen ist es auch im Orgelbau in letzter Zeit tendenziell schwieriger geworden, talentierte junge Leute für den Beruf zu begeistern.»

«Wir bauen pro Jahr zwei bis vier neue
Orgeln.»

In der Schweiz gibt es rund zehn Orgelbaufirmen, die neue Orgeln bauen und in der Lage sind, historische Orgeln fachgerecht zu restaurieren. Das weitsichtige Unternehmen grenzt sich mit einem eigenständigen, unverwechselbaren Stil im Orgelneubau von der Konkurrenz ab. «Im Bereich Orgelpflege verfügen wir über ein gut ausgebautes Netz von spezialisierten Aussendienstmitarbeitern, welche in verschiedenen Regionen der Schweiz wohnen. Dadurch sind wir in der Lage, Stimmungen und Wartungsarbeiten kostengünstig anzubieten, weil die Reisezeiten kurz sind», erklärt Keller. Nebst der Konkurrenz hat die im Ausland tätige Firma noch mit anderen Herausforderungen zu kämpfen. Zu den grössten Hürden gehört dabei der momentan eindeutig überbewerte Schweizer Franken. «Seit der Finanzkrise 2008 sind unsere Preise im Ausland – wegen der für uns ungünstigen Entwicklung der Wechselkurse – extrem stark gestiegen. Dies schwächt unsere Konkurrenzfähigkeit im Ausland», sagt Keller und ergänzt: «Eine neue Orgel ist stets eine Einzelanfertigung, die für einen bestimmten Kirchenraum oder Konzertsaal konzipiert wird. Der Preis einer neuen Orgel setzt sich aus rund 80 Prozent Lohnkosten und 20 Prozent Materialkosten zusammen. Das zeigt, dass unser Spielraum gering ist, von günstigen Materialeinkäufen im Ausland zu profitieren.» Das Unternehmen verfügt nicht nur über besondere Fähigkeiten in seinem kunsthandwerklichen Metier, sondern greift auch in wirtschaftlich schwierigen Situationen zu kreativen Lösungen. «Wir versuchen, den Nachteil des starken Frankens mit aussergewöhnlicher Qualität wettzumachen», so Keller. Dazu wurde 2012 die Werkstatt grundlegend umgebaut und erneuert. Dadurch konnten die Arbeitsabläufe wesentlich rationalisiert werden.

«Qualität und GUTE Ausbildung als Rezept gegen den starken Franken.»

«Gleichzeitig haben wir viel in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter investiert. Mit diesen Massnahmen konnten wir die Wettbewerbsnachteile als Bewohner der «Hochpreisinsel Schweiz» teilweise ausgleichen», sagt Keller. Sein Ziel ist es, das Unternehmen so zu führen, «dass wir auch in Zukunft spannende Arbeitsplätze anbieten können und für unsere Kunden stets kompetente und zuverlässige Partner sind».

Corinne Remund

INTERNATIONALER ORGeLBAU

Schweizer Kunsthandwerk rund um den Globus

Die Orgelbau Kuhn AG hat auch im internationalen Markt die Nase vorn. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts erlebte der Orgelbau eine Hochkonjunktur. Theodor Kuhn konnte sogar ins Ausland expandieren und gründete mehrere Filialen in Frankreich, die allerdings aufgrund der Weltwirtschaftskrise dann wieder schliessen mussten. Seit den 1970er-Jahren konnte das Unternehmen seinen Anteil an Neubauten und Restaurierungen im Ausland stetig steigern. «Einerseits ist in der Schweiz eine gewisse Sättigung des Marktes festzustellen, andererseits hat sich der internationale Bekanntheitsgrad und unser guter Ruf während der letzten Jahrzehnte im Ausland gefestigt», freut sich Geschäftsführer Hans-Peter Keller. Das Schweizer KMU hat in den letzten Jahren zahlreiche Neubauten und Restaurierungen in weltbekannten Kirchen, Gotteshäusern und Konzertsälen rund um den Globus ausgeführt. Highlights sind beispielsweise die Fertigstellung der Konzertsaalorgel für die Royal Academy of Music in London und der neuen Kuhn Orgel in Heidelberg, die Restaurierung eines grossen Instrumentes in der Staatsoper Wien sowie die Restaurierung und Neukonzeption der Orgel im Nidarosdom in Trondheim in Norwegen. Letzteres war der grösste Auftrag der Firmengeschichte. Dass das Ausland ein wichtiger Markt für das Unternehmen ist, zeigen Referenzobjekte in Augsburg, Lüneburg, Wien, Heidelberg, Seoul, Cambridge, Essen, Kawasaki, Eidvoll, Treviso, Porto, München, Lübeck, Hamburg usw.

CR