Publiziert am: Freitag, 4. Mai 2018

Selber aus dem Sumpf gezogen

WÄHRUNGSSCHWANKUnGEN – Das Verhältnis des Frankens zum Euro pendelt wieder um 1.20. Die Wirtschaft hat seit 2015 Produktivität und Innovation gesteigert – ohne «Industriepolitik».

Es wurde Zeter und Mordio geschrien, von «blutigen Bremsspuren» war die Rede. Einige wollten nach dem 15. Januar 2015 gar eine Schweizer «Industriepolitik» lancieren. Die Wirtschaft hat die Pessimisten Lügen gestraft; die Unternehmen sind heute produktiver und wettbewerbsfähiger als je zuvor.

Das Austauschverhältnis zwischen Franken und Euro scheint dieser Tage um die 1.20er-Marke zu schwingen. Dieser Kurs war nicht nur der Unterkurs, den die Schweizerische Nationalbank bis Anfang 2015 künstlich gehalten hatte. Er ist auch die sogenannte «faire Bewertung» des Frankens im Vergleich zum Euro – ein Konsens unter Volkswirtinnen und Volkswirten, nicht eine echte Theorie.

Zur Erinnerung: Seit dem Jahr 2011 verlor der Euro an Wert gegenüber dem Schweizer Franken. Von der 
Höhe von fast 1.50 sank er auf unter 1.20. Die SNB entschied im September 2011, den Mindestkurs einzuführen. Um die Deflation zu bekämpfen, wie sie sagte. Im Januar 2015 kam sie von dieser Politik ab. In der Folge kratzte der Kurs beinahe die Parität, stabilisierte sich dann um die 1.10er-Marke – und erholte sich nun auf 1.20.

Die Gründe sind unklar

Warum machte der Kurs Franken-Euro solche Kapriolen? Wie bei den meisten Geldphänomenen ist es schwer, einen klaren Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zu erkennen. Der Euro ist nicht stabil, die Eurozone basiert auf Schulden und deren Umverteilung, europäische Länder sind fiskalisch nicht diszipliniert, und die Europäische Zentralbank verwässert die Währung immer weiter. Das alles erklärt eine Euroschwäche.

Die Schweiz ist stabiler und disziplinierter und damit ein sicherer Geldhafen. Und vor allem war die Schweiz lange viel kapitalproduktiver als die Eurozone, was Geld anlockte. Jetzt, da sie eine vergleichsweise geringe Kapitalproduktivität ausweist, ist sie nicht mehr so interessant. Das Geld wandert ab, und so wertet sich der Franken gegenüber dem Euro ab. So die plausibelste Erklärung für die Vorgänge der letzten sieben Jahre.

Produktivität gut – alles gut

All diesen ökonomischen Unwägbarkeiten zum Trotz: Ob politische Parteien, Unternehmen oder Verbände – immer wieder erklang der Ruf nach direkten Subventionen für die Wirtschaft, gepaart mit den abenteuerlichsten Endzeitszenarien. Sogar der Bundesrat liess sich dafür begeistern. Auf Druck des Schweizerischen 
Gewerbeverbands sgv wurde die drohende «Industriepolitik» gestoppt.

Was die Untergangspropheten vergessen haben: In Zeiten der Not kann sich nur die Wirtschaft selber helfen – durch die Steigerung ihrer Produktivität. Industriepolitik bewirkt genau das Gegenteil. Sie macht Firmen weniger effektiv und effizient und damit weniger gut gewappnet, um mit Herausforderungen umzugehen.

Die Geschichte des Schweizer Frankens ist eine kontinuierliche Aufwertung. Und jene der Schweizer Wirtschaft ist eine kontinuierliche Steigerung von Produktivität und Innovation. Genau das haben die Firmen auch jetzt gezeigt. Und genau das werden sie weiterhin zeigen – wenn man sie denn lässt.

Sc