Publiziert am: Freitag, 16. Oktober 2015

Selbst im Idealfall total überlastet

GOTTHARD-SANIERUNGSTUNNEL – Verladeprovisorien entpuppen sich als Illusion: Sie könnten nicht einmal das heutige Verkehrsaufkommen bewältigen. Ohne 2. Röhre droht ein Dauerstau.

«Auf der A2 Chiasso Richtung Gotthard zwischen Quinto und Airolo fünf Kilometer Stau wegen Verkehrsüberlastung. Zeitverlust bis zu 55 Minuten.» Wer kennt sie nicht, die täglichen Staumeldungen? Einmal ist es schlicht eine Überlastung des ­Verkehrs, dann wieder ein Pannenfahrzeug im 17 Kilometer langen, nicht richtungsgetrennten, 35-jährigen Stras­sentunnel, das den Verkehrsteilnehmern ihre Zeit stiehlt. Daran haben sich LKW- und Buschauffeure, aber auch einheimische Pendler und Touristen auf der Durchfahrt – wenn auch äusserst ungern – gewöhnen müssen.

Ohne 2. Röhre droht Dauerstau

Was aber auf die Schweiz zukommt, müsste der Gotthardstrassentunnel tatsächlich saniert werden, ohne dass eine Sanierungsröhre den Verkehr aufnehmen kann, stellt dieses Szenario locker in den Schatten. Heute weist der Gotthard-Strassentunnel eine Kapazität von 900 Personenwagen pro Stunde und Fahrtrichtung auf. Die von den Gegnern einer zweiten Röhre verlangte Verladelösung ist nicht darauf ausgerichtet, das heutige Verkehrsaufkommen bewältigen zu können und böte selbst im Idealfall zu wenig Kapazitäten. Ein Autoverlad zur Überbrückung der Sanierung des Gotthard-Strassentunnels ohne Sanierungsröhre könnte in jede Richtung nur 
600 PW pro Stunde durch den Gotthard transportieren – und wäre damit hoffnungslos überlastet. In Richtung Süden wäre dies an 158 Tagen während insgesamt 1086 Stunden und in Richtung Norden an 149 Tagen während 1025 Stunden der Fall. Es gäbe zudem Tage, an denen diese Kapazität während bis zu 20 Stunden überschritten würde! Die genannten Berechnungen basieren auf den Zahlen 2013 der «Zählstelle 150» im Gotthardtunnel. Für die heutige Situation mit Strassentunnel werden die Stunden gezählt, an denen das Gesamtverkehrsaufkommen die theoretische Kapazität von 900 Fahrzeugen pro Stunde überschreitet. Für die Situation mit Verladeprovisorium werden die Stunden gezählt, an denen das PW-Aufkommen die Verladekapazität von 600 PW pro Stunde überschreiten würde.

Bis zum Zusammenbruch

Die Schweizer «Norm 640 017a» beschreibt, was passiert, wenn die ­theoretische Kapazität überschritten wird: Dabei ist auf einer Verkehrsanlage die Nachfrage grösser als die grösstmögliche Verkehrsstärke, d.h. die Leistungsfähigkeit. Dies bedeutet: Die Verkehrsströme fliessen nur noch auf sehr geringem Niveau. Es bilden sich wachsende Fahrzeugkolonnen. Die Verkehrsanlage ist überlastet. Und schliesslich bricht der Verkehr zusammen. Mit einem JA zur Sanierungsröhre können wir dies verhindern.

BERICHT SEITE 7