Publiziert am: Freitag, 22. Januar 2016

Sinnvoller Zusatz für Firmenautos

Versicherungsberatung – In Firmen mit Lieferdiensten ist es wichtig, dass Fahrzeuge genug versichert sind. Denn je mehr Personen ein Auto benutzen, desto grösser ist die Unallgefahr.

M.G. aus W.: «Ich führe einen florierenden Blumenladen und unterhalte seit einiger Zeit einen gut ausgebauten Hauslieferdienst. Meine Kunden beanspruchen eine Zustellung von Blumen und Kränzen vor allem für Hochzeiten oder Trauerzeremonien. Deshalb habe ich mir einen Kleinwagen angeschafft, um meine Kreationen und Arrangements zeitgerecht auszuliefern. Diese Lieferungen erfolgen durch diverse verschiedene Mitarbeitende. Ich möchte die Versicherungsprämien für diesen kleinen Lieferwagen möglichst tief halten. Laut meinem Berater bestehen zwei Sparmöglichkeiten: eine Zusatzprämie für einen Kürzungsverzicht bei Grobfahrlässigkeit oder eine Null-Promille-Klausel, mit welcher ich die Prämie etwas reduzieren kann. Ich bin verunsichert und unschlüssig – was empfehlen Sie mir?»

Sehr geehrte Frau G.: Ein Zusatzschutz für den Grobfahrlässigkeits-Verzicht ist sinnvoll, weil sich die Versicherung im Voraus bereit erklärt, auf eine Leistungskürzung bei Grobfahrlässigkeit (GF) zu verzichten. Dieser Zusatzschutz kostet je nach Gesellschaft ein paar zehn Franken, kann aber relativ günstig gravierende finanzielle Folgen eines Unfall­ereignisses lindern. Denn eine Grobfahrlässigkeit kann schnell passieren. Gemäss anerkannter Rechtsprechung stellt fast jede gravierende Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG eine grobe Fahrlässigkeit gemäss Versicherungsvertragsgesetz dar. Als grobe Fahrlässigkeit zählt etwa eine Missachtung des Rotlichts oder ein Überfahren einer Stoppstrasse.

Kein Freipass

Die GF-Zusatzversicherung ist sicher empfehlenswert, aber kein Freipass. Wer bewusst durch seine grobfahrlässige Fahrweise Risiken in Kauf nimmt, riskiert weitreichende Leistungskürzungen. Schwere Verkehrsdelikte wie das Fahren mit stark überhöhter Geschwindigkeit (vgl. die neuen Art. 90 Ziff. 3 und 4 SVG zum Rasertatbestand) oder in nicht fahrfähigem Zustand (Alkohol über die gesetzliche 0,5-Promille-Grenze, Drogen, Medikamentenmissbrauch) deckt keine Zusatzversicherung. Hier sind die Versicherer gemäss den Massnahmen des Bundes («via sicura») verpflichtet, Regresse durchzuführen.

Null-Promille-Klausel ist heikel

Oft ist es schwierig, den Grundsatz «wer trinkt, fährt nicht» konsequent einzuhalten. Je nach den zeitlichen Verhältnissen kann bereits ein einziges Glas zu viel sein. Eine Null-Promille-Grenze kann schon beim Konsumieren von geringen Alkoholmengen überschritten werden. Da Alkoholwerte im Blut sehr unterschiedlich abgebaut werden, können Restbestände von Alkohol im Blut manchmal sogar noch am Folgetag nach­gewiesen werden. Da in Ihrem Fall mehrere Mitarbeitende das Geschäftsfahrzeug fahren, ist diese Klausel nicht zu empfehlen. Die geringe Prämienreduktion wiegt das Risiko nicht auf, dass weder Sie noch Ihre Mitarbeitenden einen Null-Promille-Wert garantieren können.