Publiziert am: 18.03.2016

So wichtig sind die (alten) Gebäude

ENERGIESTRATEGIE 2050 – Der Gebäudepark ist eine der wichtigsten Stellschrauben für das Gelingen der Energiestrategie 2050. Mit dem Steuersystem wird sie ordnungpolitisch korrekt umgesetzt. Das Gebäudeprogramm dagegen ist bloss eine Subvention.

Der Endspurt naht. Die Energiestrategie 2050 wurde vom Nationalrat fertig beraten und geht jetzt zurück an den Ständerat. Die grosse Kammer hat weitere Korrekturen angebracht. Auch die Steuerlösung ist wieder drinnen. Doch sie ist kontrovers.

Das ist die Steuerlösung

Was muss man sich unter dieser «Steuerlösung» vorstellen? Mit leichten Anpassungen der Steuergesetze sollen Investitionen in die Energie­effizienz der Gebäude attraktiver ­gemacht werden. Zum einen soll die Erhöhung der Gesamtenergieeffizienz belohnt werden. Dabei ist es egal, ob sie durch energetische Gebäudesanierungen oder durch Ersatzneubauten erfolgt. Wichtig ist, dass das Gebäude am Ende weniger Energie verbraucht.

«DIE STEUERLÖSUNG HAT MEHR WIRKUNG ALS DIE DIREKTE SUBVENTION.»

Der zweite Teil dieser Steuerlösung will solche Investitionen über vier Jahre abzugsfähig machen. Damit wird der entsprechende Investitionszyklus respektiert.

Mitnahme- und andere Effekte

Doch was ist nun der Unterschied zwischen dieser Lösung und dem Gebäudeprogramm? Während das Gebäudeprogramm eine Subvention ist, ist die Steuerlösung ein Anreiz. Im Klartext: Die Gebäudeeigentümer müssen selbst Geld in die Hand nehmen, müssen das Geld ausgeben und erhalten es auch nicht zurück. Sie können lediglich die Investitionen steuerlich abziehen.

Läuft das nicht aufs Gleiche hinaus? Nein! Denn das Gebäudeprogramm ist eine direkte Subvention. Als solche ist sie viel grosszügiger und kreiert den viel stärkeren Anreiz, Geld vom Staat abzuholen. Der grosse – und durchaus restriktive – Unterschied ist der: Das Gebäudeprogramm verteilt Geld für Massnahmen; die Steuerlösung erleichert Gesamtenergiekonzepte.

Löcher mit Pflastern stopfen?

Das Gebäudeprogramm ist nämlich in seiner heutigen Form eine Subvention von einzelnen Bau- und Ausbaumassnahmen im Gebäude. Ob sie insgesamt Sinn machen, d.h., ob sie die Energieeffizienz des Gebäudes tatsächlich erhöhen, wird nicht primär überprüft. Zusammen mit dem Geld-zurück-Mechanismus führt das zu recht hohen Mitnahmeeffekten. Bildlich ausgedrückt stopft man hier Löcher mit Pflastern...

Die Steuerlösung hingegen setzt eine gesamtenergetische Betrachtung des Gebäudes voraus. Nur Gesamtlösungen sind steuerlich absetzbar. Und weil diese Lösungen finanziell bedeutender sind, brauchen die Investoren einen grösseren Amortisationshorizont.

Hohe Wirkung im Ziel

Der Ständerat kennt die Lösung schon. Doch in der ersten Lesung wurde sie von der kleinen Kammer abgelehnt. Die Furcht vor Steuerausfällen war zu gross. Doch sie ist nicht begründet. Das Steuersystem ist restriktiver als die direkte Subvention. Und dank hoher Wirkung im Ziel senkt die Steuerlösung die allgemeinen Kosten.

Der Gebäudepark ist eine der wichtigsten Stellschrauben für das Gelingen der Energiestrategie 2050. Mit dem Steuersystem wird sie ordnungspolitisch korrekt umgesetzt.

Henrique Schneider,

Ressortleiter sgv