Publiziert am: Freitag, 21. März 2014

Späte Lehre als Chance

AUSBILDUNGSZUSCHÜSSE – Ausbildungszuschüsse ermöglichen Arbeitslosen das Nachholen ­einer Grundausbildung. Das Ziel ist die Verbesserung ihrer Platzierungschancen auf dem Markt.

Dank Ausbildungszuschüssen können Arbeitslose ohne abgeschlossene Ausbildung, die mindestens 30 Jahre alt sind, eine Berufslehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis absolvieren. Die Massnahmen zum Nachholen einer Grundausbildung oder der Verbesserung ihrer Qualifikationen werden vom RAV angeboten. Das gilt insbesondere für Personen, die die Lehrabschlussprüfung – manchmal ganz knapp – nicht schafften, oder auch für Lernende, die ihre Ausbildung wegen Schwierigkeiten abgebrochen haben. Angesprochen werden ferner Jugendliche, die nach der Grundschule auf jede Ausbildung verzichteten und in späteren Jahren realisieren, dass es sehr schwierig ist, ohne Qualifikation eine Stelle zu finden.

Auch Personen, deren berufliche ­Bildung überholt ist, können Ausbildungszuschüsse beantragen. Dies, wenn ihr Beruf keine Perspektiven mehr bietet, oder wenn sie während längerer Zeit ihren erlernten Beruf nicht praktiziert haben.

Motivierte Lehrlinge

Diese Gelegenheit einer «späten Ausbildung» ist eine echte Chance. Es gilt, sie zu packen, auch wenn es eine starke Motivation braucht. Denn es ist nicht leicht, mit über 30 Jahren wieder die Schulbank zu drücken. Trotzdem ist die Mehrheit der Teilnehmenden höchst motiviert und engagiert sich voll in der neuen Ausbildung. Diese Begeisterung ist unerlässlich, müssen doch die Unterstützten ihren Ausbildungsplatz bei einem Unternehmen selber suchen.

Dank dieser Beharrlichkeit können sie so bei Bewerbungen oft mit den jüngeren Kandidaten gleichziehen. Sie sind sogar im Vorteil, weil sie reifer und ausgeglichener sind und vor allem entschlossener, diese Gelegenheit zu nutzen. In gewissen Fällen stellen Arbeitgeber Lernende an, die ihr Metier bereits beherrschen, aber noch nicht qualifiziert sind, was für das Unternehmen einen Vorteil darstellt.

Das bestätigt auch der Bildungsverantwortliche einer Uhrenfabrik im waadtländischen Vallée des Joux: «Wenn man jung ist, muss man manchmal der elterlichen Wahl folgen. Aber mit 30 Jahren ist es eine individuelle Entscheidung, die nach reichlicher Überlegung gefällt wird und Mut sowie Beharrlichkeit erfordert. Es ist ein dreijähriges Engagement, das sich für einen Betrieb, der einem älteren Auszubildenden eine Chance gibt, meistens vollumfänglich rentiert.»

Lohn wie im letzten Lehrjahr

Während der ganzen Dauer der Ausbildung bezahlt der Arbeitgeber den gleichen Lohn, den ein Lehrling in der Branche im letzten Jahr der Grundbildung erhält. Bis zu einer Obergrenze von 3500 Franken gleicht die Arbeitslosenversicherung die Differenz aus. Über die Gewährung der Ausbildungszuschüsse entscheidet nach der Einreichung eines Gesuchs der verantwortliche RAV-Sachbearbeiter.

Christoph Medevielle,

Arbeitsamt Kanton Waadt