Publiziert am: Freitag, 22. August 2014

«Stärken der Lehre erkennen»

MICHAEL STOCKER – Der Gesamtprojektleiter von SwissSkills Bern 2014 hat sich das Ziel von 200 000 Besuchern gesetzt. Er will jeden für die Bedeutung der Berufsbildung sensibilisieren.

Schweizerische Gewerbezeitung: Die ersten nationalen Berufs­meisterschaften beginnen am 
17. September. Wo stehen Sie 
mit den Vorbereitungen?

n Michael Stocker: Wir sind auf Kurs, und in rund einem Monat werden wir die SwissSkills Bern 2014 feierlich eröffnen. Ein Moment, auf den wir uns alle freuen!

Diese weltweit grösste Veranstaltung in der Berufsbildung bedeutet auch eine immense organisatorische und infrastrukturelle Herausforderung. Wie behält man hier den Überblick?

n Mit einer guten Projektstruktur und kompetenten Mitarbeitenden.

Welches waren die logistischen Knackpunkte bei der Organisation der SwissSkills Bern 2014?

n Die Grösse des Anlasses, seine Einmaligkeit und die Tatsache, dass jeder der 130 Berufsverbände, welche Wettkämpfe oder Demonstrationen durchführen, andere Bedürfnisse hat. Die Gartenbauer brauchen Kies, Erde, Steine, Holz und Wasser, die Kaufleute Büroarbeitsplätze, Informatik, Präsentationsanlagen usw. Diese unterschiedlichen Ansprüche unter einen Hut zu bringen, ist eine grosse logistische Herausforderung, zumal wir nur bedingt auf die Erfahrungen vorangehender gemeinsamer Berufsmeisterschaften zurückgreifen können. Um alle Herausforderung zu meistern, haben wir während der vier Wettkampftage rund 300 Mitarbeitende im Einsatz.

«Wir wollen, dass möglichst viele Leute hinschauen.»

Sie rechnen mit 200 000 Besucherinnen und Besuchern. Wie wollen Sie so viele Leute nach Bern holen?

n Das Ziel ist ambitiös, aber realistisch. Wir haben primär in Berufsbildungskreisen informiert. Dort ist die Botschaft angekommen. Jetzt forcieren wir die Kommunikation, um das grosse Publikum zu erreichen. Ent-scheidend wird sein, dass die Fans der Berufsbildung – also auch die Lehrpersonen an den Berufsfachschulen und die Verantwortlichen der Berufsverbände – mithelfen und in ihrem Umfeld mobilisieren. Vom 17. bis 21. September wird die Berufsbildung im Schaufenster der Nation stehen. Wir wollen, dass möglichst viele Leute hinschauen und die Stärken dieses Systems erkennen. Diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen.

Ihre Hauptzielgruppe sind Schüler im Berufswahlalter. Eigentlich müssten Sie von diesen richtig überrannt werden …

n Die SwissSkills Bern 2014 sind ein idealer Anlass für Schülerinnen und Schüler ab der 6. Klasse und für Jugendliche im Berufswahlalter – denn zum ersten Mal finden alle Berufsmeisterschaften gleichzeitig und an einem Ort statt, in Bern. In rund 70 Berufen werden Meister-schaften ausgetragen, 1000 junge Berufstalente kämpfen um Medaillen. Weitere 
60 Berufe stellen sich mit Berufs­demonstrationen vor. Zudem finden Lernende an den SwissSkills Bern 2014 viele Anregungen und Informationen für ihre berufliche Weiterentwicklung. Das ist einzigartig. Deshalb lohnt sich der Besuch für Schulklassen – aber auch für Eltern, welche bei der Berufswahl ihrer Kinder eine zentrale Rolle spielen, und für alle, die einen vertieften Einblick in die Berufsbildung und die Berufsmeisterschaften erhalten wollen. Sie werden erleben, wie attraktiv die Berufsbildung ist bzw. erkennen, welche vielfältigen Karrieremöglichkeiten sie bietet.

«Berufsverbände und Organisationen der Arbeitswelt sind wichtige Partner.»

Wie werden Sie von den Berufs­verbänden unterstützt?

n Die Berufsverbände und Organisationen der Arbeitswelt sind wichtige Partner. Sie konzipieren und organi-sieren für ihre Berufe die Wettbewerbe, führen diese durch und bewerten die Teilnehmenden. Zudem bieten sie mit Berufsdemonstrationen einen spannenden Einblick in die Berufswelt. Auch in kommunikativer Hinsicht heisst es daher für alle: Gemeinsam erreichen wir mehr.

Auf welche Höhenpunkte dieser nationalen Leistungsschau dürfen sich die Besucher freuen?

n Ein erster Höhepunkt ist die Eröffnungsfeier in der Post-Finance-Arena. Ab Donnerstag, 18. September, finden dann die Wettkämpfe statt – die Berufsmeisterschaften. Sie sind für mich das eigentliche Highlight. Weitere Glanzlichter sind die vielen Informationsstände mit Livevorführungen und die zwei Sonderschauen «Höhere Berufsbildung und Weiterbildung» sowie «Kleinstberufe».

Was wird den Besucherinnen und Besuchern im Rahmen der Sonderschau «Höhere Berufsbildung und Weiterbildung» geboten?

n Die Sonderschau ist auf einer Fläche von rund 100 Quadratmetern als «Stadt der Höheren Berufsbildung» aufgebaut. Es gibt neun Quartiere, die neun Berufsfeldern entsprechen. Die Besucherinnen und Besucher wandern auf den Spuren von sechs fiktiven Biografien durch die Bildungsstadt. Sie lernen so die verschiedenen Möglichkeiten der höheren Berufsbildung und Weiterbildung kennen und entdecken die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems.

Und was bietet die Sonderschau zu den Kleinstberufen?

n In dieser Sonderschau stellen sich rund 20 Kleinstberufe mit Livedemonstrationen vor, etwa die Hufschmiede, die Seilbahnerinnen oder die Korbflechtwerkgestalter.

Gibt es auch eine Schlussfeier?

n Selbstverständlich. Am Sonntag, 21. September, finden in der Post-Fi-nance-Arena die Siegerehrungen und die Übergaben der Medaillen statt. Darauf freue ich mich besonders.

Wird man auch im Herzen der Stadt Bern etwas von diesem nationalen Grossanlass spüren?

n Ja. Auf dem Bundesplatz wird das House of SwissSkills stehen, ein markanter Kubus. Dort finden kleinere Events statt. Und auf dem Waisenhausplatz sind Skulpturen ausgestellt, die von den Berufsverbänden gestaltet wurden und Berufe darstellen. Zudem werden die Berner Hauptgassen während des Anlasses beflaggt sein.

«in Bern wird das 
gesamte Spektrum der Berufsbildung präsent sein.»

Was bringt dieser Höhepunkt im «Jahr der Berufsbildung» der Wirtschaft und den Lehrbetrieben?

n Mit den SwissSkills Bern 2014 wird ein einmaliges Schaufenster zur Berufsbildung geboten. Bei den Meisterschaften werden die besten jungen Berufsleute ausgezeichnet, mit Demonstrationen werden Berufe vorgestellt – und dies alles live und kompakt. In Bern wird das ganze Spek­trum der Berufsbildung präsent sein. Diese Berufsmeisterschaften sind daher eine optimale Plattform für Unternehmen und Lehrbetriebe, um sich und ihren Einsatz für die Ausbildung junger Berufsleute zu präsentieren.

Auf dem politischen Parkett geht es momentan vor allem darum, die höhere Berufsbildung zu fördern und die Öffentlichkeit für Gleichwertigkeit von akademischem und berufsbildendem Weg zu sensibilisieren. Können diese nationalen Berufsmeisterschaften hier helfen, den Weg zu ebnen?

n Ich bin überzeugt, dass wir mit den SwissSkills Bern 2014 die zahlreichen Akteure in Gesellschaft und Politik – aber auch jeden Einzelnen – für die Bedeutung der Berufsbildung sensibilisieren können. Deshalb lohnt sich der Besuch der SwissSkills Bern 2014 für alle.

Interview: Corinne Remund

ZUR PERSON

Aus eigener 
Erfahrung

Michael Stocker (1971) ist im bernischen Münchenbuchsee aufgewachsen, wo er auch heute lebt. Nach einer kaufmännischen Grundausbildung hat er sich zum Marketingplaner und zum Betriebsökonomen FH weitergebildet. Er kennt somit die duale Berufsbildung aus eigener Erfahrung. Bevor 
er die Gesamtprojektleitung der SwissSkills Bern 2014 übernahm, war er in verschiedenen Funktionen im Messe- und Eventwesen tätig.