Publiziert am: 22.08.2014

Starke Lobby für die Lehre

Botschafter – Kantonale Gewerbeverbände und Berufsverbände setzen sich an vorderster Front für die Stärkung der Berufsbildung ein.

Die kantonalen Gewerbeverbände verstehen sich als Botschafter für die duale Bildung. Dabei lancieren sie wichtige Anlässe wie Berufsschauen, Projekte und Wettbewerbe usw. Sie betreiben aber auch wertvolle Lobbyarbeit für die politischen Anliegen in der Berufsbildung. «Die Berufslehre ist Basis für ein lebenslanges Lernen und eröffnet dem Nachwuchs eine Vielzahl von Berufsperspektiven», betont Urs Berger, stellvertretender Direktor der Wirtschaftskammer Baselland.

Gleichwertigkeit hat Priorität

Ein besonderes Anliegen ist der Wirtschaftskammer die gerechte Verteilung der Ausbildungskosten und die adäquate Berücksichtigung der Berufsbildung in der Bildungsfinanzierung. Dazu Berger: «Die finanzielle Unterstützung bzw. Entlastung von ausbildenden Betrieben muss ebenso gewährleistet sein wie die Einbindung möglichst vieler Betriebe in die Ausbildungsverantwortung.» Dringenden Handlungsbedarf sieht Berger in den progymnasialen Abteilungen. Diese Schüler sollten besser über den dualen Bildungsweg und seine Karrierechancen informiert werden. «Auch bei den Eltern besteht in dieser Beziehung Aufklärungsbedarf. Zudem sollte der duale Bildungsweg auch im Ausland besser anerkannt werden», ist Berger überzeugt. «Dass mit einer Lehre – und der Möglichkeit der Berufsmatur – alle Karrierewege offen stehen, ist in den Köpfen vieler Eltern und Lehrer leider noch zu wenig verankert», gibt auch David Weber vom Gewerbeverband Basel-Stadt zu bedenken. Erfreulich sei hingegen, dass der überwiegende Teil der Lernenden sehr motiviert sei und sein Chance mit diesem Ausbildungsweg erkannt hätte.

Politischen Handlungsbedarf bezüglich der Berufsbildung erkennt auch Florian Tanner, Präsident des Verbands für Werbetechnik + Print VWP: «Die aktuelle Diskussion über die Kosten der Weiterbildung ist dringend. Eine Weiterbildung zum Werbetechniker mit eidgenössischem Diplom in der Berufsschule kostet rund 1900 Franken. Gemessen an den Kosten von 630 Franken für ein Vollzeitstudium an der ETH ist diese Diskrepanz unerträglich.» Die Aktualisierung der Grundbildung sei ein stetig fortlaufendes Projekt. Diese Aussage unterstützt Daniel Heusser, Geschäftsführer bei BodenSchweiz: «Es muss unbedingt endlich gelingen, akademische Studiengänge und die höhere Berufsbildung vergleichbar darzustellen. Es muss möglich sein, miteinander und nicht gegeneinander zu arbeiten.» Bruno Schöllkopf, Präsident des Verbands Schweizerischer Radio-, TV- und Multimediafachhandel VSRT, ist überzeugt, dass in Zukunft vor allem auch den Lehrbetrieben ganz besondere Aufgaben zukommen: «Die Führung von Lernenden ist eine verantwortungsvolle und höchst anspruchsvolle Aufgabe, die neben enormem Einfühlungsvermögen auch kommunikative Fähigkeiten und wirkungsvolle Instrumente erfordert.»

«Es muss möglich sein, miteinander und nicht gegeneinander zu arbeiten.»

Dazu dienen neue, attraktivere Bildungsinhalte und Weiterbildungsmöglichkeiten. Sein Angebot laufend ausbauen will auch BodenSchweiz: «Als Verband versuchen wir, Trends und Wünsche zu spüren und innovative Lösungen anzubieten. Dabei ist neben einem guten Netzwerk die Bereitschaft zu Weiterentwicklung wichtig», stellt Heusser fest. Diese Adaptionen seien sehr wichtig, denn nur so könne dazu beigetragen werden, dass die Jugendlichen noch motivierter seien und erkennen würden, welch hohen Stellenwert die Berufsbildung einnehme.

CR/stj