Publiziert am: Freitag, 4. Mai 2018

«Steuern ermöglichen meine Zukunft»

Die Meinung

Als ob dieser Titel nicht alleine schon gewöhnungsbedürftig wäre: Die EU braucht diesen Satz als Motto für ein interaktives Rollenspiel für junge Menschen. Es heisst «Taxlandia». Seine Botschaft: Je höher die Steuern, desto besser geht es den Menschen. So weit, so absurd. Doch es wird noch absurder. Denn die Ausgangslage lautet: «Sie sind nun in Taxlandia, einem winzigen europäischen Staat mit wunderschönen Bergen und klarem, blauem Himmel. Einst ein touristisches Ziel, als die Wirtschaft blühte, und ein Land mit minimen Steuern, befindet sich Taxlandia nun in einer noch nie da gewesenen Krise. Viele Unternehmen sind weggezogen, und der Tourismus hat nachgelassen. Letztes Jahr hat die Regierung erklärt, eine Steuererhöhung sei als Gegenmassnahme zur Krise geplant. Bald formierte sich eine inoffizielle Steuerrebellion.»

Wer sich ans Spiel heranwagt, wirkt als Premierminister von Taxlandia. Die Gewinnerstrategie ist aber schnell klar: Die Steuern müssen rauf. Die Bevölkerung muss erzogen werden, hohe Steuern zu lieben. Rebellen, die Steuererhöhungen ablehnen, müssen als asozial abgestempelt werden. Die allgemeine Botschaft ist schon im Motto formuliert: Nur (!) hohe Steuern garantieren die Zukunft von Taxlandia und seiner ­Bevölkerung. Aber es wird noch besser. Die ­allerbeste Spiel­strategie ist, den Steuersatz auf 65 Prozent zu setzen. Dann erhält der Spieler am meisten Punkte. Und die Zufriedenheit der Bevölkerung von Taxlandia beträgt sage und schreibe 100 Prozent. Beim Steuersatz von sieben Prozent dagegen sind nur etwa ein Fünftel der Taxländerinnen und Taxländer zufrieden.

Was am Spiel stört, ist nicht, dass die Menschen angeblich hohe Steuern lieber haben als tiefe. Die erstaunliche Ähnlichkeit von Taxlandia und der Schweiz ist auch unschön, aber noch erträglich. Dass Spielende nichts über die Gründe der Krise in Taxlandia erfahren können, sondern ihnen indirekt suggeriert wird, die tiefen Steuern seien an sich schuld, kann man noch entschuldigen. Der wirkliche Hohn des Spiels ist: Es entlarvt die Denkweise der EU-Bürokraten. Was einst ein freier Markt werden sollte, ist heute ein Regulierungskartell. Es ist auch auf dem besten Weg dazu, ein Hochsteuersyndikat zu werden. Es verlangt von den Ländern, mehr als die Hälfte des Verdienstes der Bürgerinnen und Bürger abzuzwacken. Dann verlangt es auch noch blinden und absoluten Gehorsam. Wer in Taxlandia gegen hohe Steuern motzt, wird bestraft. Was sagt das wohl über die Zukunft der EU aus?

Der Schweizer Steuerwettbewerb ist ein Wachstumstreiber. Kantone disziplinieren sich gegenseitig und werden mit guter Standortpolitik innovativer. Aber der Steuerwettbewerb ist auch menschlich fair. Er führt zu tieferen Steuersätzen. Dadurch dürfen die Einzelnen die Früchte ihrer Arbeit behalten. Damit nehmen sie Verantwortung für ihr Leben in die eigene Hand.

Der Schweizer Steuerwettbewerb erhöht auch die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger. Sie können an der Urne entscheiden, wie viel sie bezahlen. Und wenn sie einzelne Projekte für gut befinden – siehe Gotthard-Basistunnel oder der Verkehrsfonds –, dann haben sie die Möglichkeit, Gelder dafür zu sprechen. Oder auch, dagegen zu sein. Das nennt man Demokratie. Tiefe Steuern, Wettbewerb und Individualverantwortung – das baut die ­Zukunft auf solidem Fundament. Die Schweiz hat es erfolgreich vorgezeigt. Wann wird die EU folgen?