Publiziert am: Freitag, 15. Dezember 2017

Stromer für Stadt und Land

AKTUELLER TEST – In rund 20 Jahren werden die allermeisten Fahrzeuge teil- oder vollelektrisch fahren. Einen grossen Schritt in diese Richtung macht Opel mit dem neuen Ampera-e.

Das kompakte Fahrzeug vor uns erinnert mit seiner Keilform an sportliche Kraftzwerge. Dabei sind die schwarzen Elemente in der Front bloss geschlossene Kunststoffeinheiten, denn der Ampera-e benötigt keine Kühlluft. Zudem ist das Auto zwar auffallend gestylt, aber nicht so schräg wie gewisse andere Elektromobile. Der Innenraum besticht durch seine Haptik und ist auf den ersten Blick recht konventionell. Drucktasten und Drehschalter überall – das heisst, die Bedienung entspricht durchaus den heutigen Gepflogenheiten. Es muss weder mit dem Auto gesprochen werden, noch führt es Funktionen nach einer Ges­tenbewegung aus. Aber der Ampera-e ist vollgestopft mit modernster Technik, welche auch ein hohes Mass an elektronischer Kompetenz bietet. Ein stromsparender Tempomat ist ebenso an Bord wie die schnelle Opel On-Star-Verbindung zum Callcenter. Eine leicht erhöhte Sitzposition mit guten Platzverhältnissen und einen Kofferraum mit 381 bis 1274 Liter Fassungsvermögen bietet der Ampera-e. Beim Beladen muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Ladekabel immer griffbereit sind, man weiss ja nie.

Fast 400 Kilometer Reichweite

Lautlos, aber mit grosser Vehemenz setzt sich der Ampera-e nach dem Druck auf den Startknopf in Bewegung. Über 200 PS zerren an der Vorderachse, die allerdings gutmütig ­reagiert. Die Beschleunigung ist innerorts mit einem Sportwagen ver­gleichbar. Allerdings sinkt bei entsprechender Fahrweise der Stromvorrat rapide, was den Fahrer veranlasst, gefühlvoll mit dem Pedal umzugehen. Beim Abwärtsfahren, im Gleitmodus und beim Bremsen wird wiederum Strom produziert, der die Reichweite spürbar verlängert. Zum Verzögern und gleichzeitig Rekuperieren (Batterieladen) besitzt der Opel eine Taste am Lenkrad. Diese famose Einrichtung macht nach einiger Übung das Bremspedal praktisch überflüssig, denn die Verzögerung ist frappant. Erst nach weit über 300 km muss der Ampera-e an die Steckdose. Es sei denn, kalte Temperaturen sorgen dafür, dass der Stromvorrat schneller zur Neige geht, weil Volllicht, Heckscheibenheizung und Scheibenwischer zusätzlich Strom benötigen. Wird der Stromvorrat einmal knapp, kann die Reichweitenanzeige in den Mittelpunkt des Geschehens treten. Allerdings zeigt sie im Falle des Opel nur bis ungefähr 30 Kilometer die Distanz an; nachher, dann wenn es wichtig wäre, steht da nur noch zu lesen «wenig Strom». Gut, dass der Ampera-e aber in aller Regel durchhält. Der Ladevorgang über die normale Steckdose dauert einige Stunden. Deshalb ist es für ein Unternehmen sinnvoll, sich eine eigene Schnellladestation zuzulegen, da kann sogar über Mittag wieder viel Reichweite gewonnen werden. Wie die Bilder zeigen, lässt sich der Ampera-e vorzüglich beschriften, beste Reklame für eine Firma, die ihr umweltfreundliches Leitbild auch auf den Fahrzeugen zur Schau tragen will.Roland Hofer

WISSENSWERTES

Opel Ampera-e

Motor: 
Elektromotor, permanent erregt

Leistung (kW/PS): 
149/203 ab 1/min

Drehmoment (Nm): 
370 ab 1/min

Kraftübertragung: 
Automatisch stufenlos/Vorderrad

Fahrleistungen: 
Spitze 150 km/h, 0–100 km/h 7,3 Sek.

Verbrauch (EU-Norm): 17 kWh (Benzinäquivalent 1,85 l/100 km)

Batterie: 288 Zellen, 
Lithium-Ionen, 60 kWh, 420 kg

Reichweite: 320 bis 520 km 
je nach Aussentemperatur

Masse (LxBxH): 
4170×1775×1590 mm

Gewicht leer/gesamt: 
1690/2120 Kilo

Laderaum: 
381 bis 1274 Kubikdezimeter

Preis: ab 41 900. Fr.; 
Testwagen 41 900 Fr.