Publiziert am: Freitag, 2. Oktober 2015

Töff-Einsteiger nicht benachteiligen

MOTORRADKATEGORIEN – Schweizer Vorschriften betreffend die Leistung von Motorrädern in der «Kategorie A beschränkt» sollen an die EU-Vorschriften angepasst werden. Das macht aus Sicht des sgv nicht bloss in Sachen Sicherheit Sinn.

Das Bundesamt für Strassen ASTRA schlägt eine Änderung der Verkehrsregelverordnung vor, welche eine einfache Anpassung an die EU-Vorschriften ermöglicht. Dabei geht es um die Erhöhung der Leistung bei der Führerausweiskategorie «A beschränkt» (EU-Klasse A2) für Motorräder. Der Schweizerische Gewerbeverband sgv begrüsst diese Anpassung an die EU-Vorschriften bezüglich der «Kategorie A beschränkt». Der Führerschein «Kat. A beschränkt» soll künftig Motorräder mit einer Leistung bis maximal 35 kW umfassen. Er soll wie bis anhin mit 18 Jahren erworben werden können.

«MIT DER ANPASSUNG WERDEN NACHTEILE FÜR KUNDEN UND HÄNDLER BESEITIGT.»

Die Motorradkategorie A ist zweistufig: Ab 18 Jahren kann die beschränkte Kategorie A erworben werden, ab 25 Jahren die unbeschränkte. Nach zwei Jahren klagloser Fahrpraxis auf einem Motorrad der beschränkten Kategorie A wird der Führerausweis der unbeschränkten Kategorie A bereits vor dem 25. Altersjahr erteilt. Dies wird auch weiterhin so bleiben.

Hingegen beträgt im geltenden Recht die höchstzulässige Motorleistung für Motorräder der beschränkten Kategorie A 25 kW. Demgegenüber können in der EU mit 18 Jahren Motorräder mit einer Leistung von maximal 35 kW (Klasse A2) geführt werden. Die Motorradindustrie hat sich auf die Produktion von 35-kW-Einstiegsmodellen verlegt. Es werden keine neuen 25-kW-Maschinen mehr angeboten werden können. Zur raschen Behebung dieses für Gewerbetreibende im Motorradgewerbe rechtsunsicheren Zustands soll eine einfache Anpassung an die EU-Vorschriften ermöglicht werden. Die Leistungsgrenzen werden an jene der EU angepasst und sollen neu 35 kW bzw. 0,20 kW/kg betragen.

Rechtssicherheit 
für Händler und Kunden

Für diese Anpassung spricht erstens die Marktsituation. Die in Europa und weltweit produzierenden Fahrzeughersteller richten ihre Produk­tion auf die grossen Märkte in Europa, Asien und Amerika aus. Eine Herstellung spezieller Typen für die Schweizer lohnt sich nicht.

Zweitens geht es darum, Rechtssicherheit für Kunden und Händler zu schaffen. Um weiterhin neue 25-kW-Motorräder anbieten zu können, sind die schweizerischen Importeure gezwungen, Fahrzeuge mit grösserer Leistung zu drosseln. Damit würden sie vom nächsten Jahr an gegen geltende Vorgaben (Antimanipulationsvorschriften) der EU verstossen, denn die ab 1. Januar 2016 geltenden Vorschriften (Euro-4-Normen) verbieten jegliche Abänderung an Fahrzeugen, speziell im Bereich der Leistung.

Gleich lange Spiesse mit der EU

Drittens werden Nachteile für die Kundinnen und Kunden beseitigt. Unabhängig von den geltenden Vorschriften betreffend Führerscheinerwerb in der Schweiz dürfen EU-Bürger mit den in den entsprechenden EU-Ländern erworbenen Führerscheinen auf Schweizer Strassen verkehren. Somit entsteht eine Ungleichbehandlung, die beseitigt werden muss. Leidtragende wären die Schweizer Kunden und Kundinnen, da es keine neuen Modelle mit 25 kW mehr zu kaufen gibt, die von den Herstellern in dieser Variante produziert und homologiert werden. Damit Neueinsteiger ein Modell kaufen können, welches mit den neuesten Sicherheitsanforderungen ausgerüstet ist, müssten die Importeure bestehende Modelle mit 35 kW oder mehr auf 25 kW drosseln und sie homologieren lassen, was mit finanziellem und zeitlichem Aufwand verbunden ist.

Mehr Sicherheit beim Fahren

Viertens gibt es dank technologischer Entwicklungen mehr Sicherheit für die Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer. Gemäss Euro-4-Normen müssen ab 2016 neue Motorräder/Roller mit mehr als 125 cm3 mit ABS ausgestattet sein. Junge Neueinsteigende in der Schweiz, die nach zwei Jahren auf ein grosses Motorrad umsteigen wollen, könnten unter den aktuellen Vorschriften davon faktisch nicht profitieren. Viele moderne Motorräder verfügen auch über Traktionskontrollen und weitere elektronische Hilfsmittel, die für zusätzliche Sicherheit sorgen. Diese sollen auch den Schweizer Motorradfahrenden zur Verfügung stehen.

Insgesamt macht in diesem Fall die Anpassung ans geltende EU-Recht Sinn und führt zu einem Kosten- und Regulierungsabbau.

Dieter Kläy, Ressortleiter sgv