Publiziert am: 13.12.2019

Taube Ohren hören wieder

SWISSSKILLS – Nachdem sich die SwissSkills-Chefetage lange Zeit verweigert hat – und nach der Intervention von Bildungsminister Guy Parmelin – werden Rhythmus und Durchführungsort nun bald seriös diskutiert. Dank des sgv und seiner Unterstützer im Parlament.

Berufsmeisterschaften und Berufsmessen: Beide sind wichtig – für den Berufswahlprozess angehender Lehrlinge wie auch für die einzelnen Branchen, die ihre Berufe bekanntmachen wollen. 2014 fanden die nationalen Berufsmeisterschaften erstmals konzentriert an einem Ort statt. SwissSkills Bern 2014 wurden zum Grosserfolg, gleich wie die vier Jahre später ebenfalls in Bern durchgeführten nationalen Berufsmeisterschaften. Beide Grossanlässe trugen entscheidend zur Stärkung der Berufsbildung bei.

Skepsis bei Berufsverbänden

Doch schon vor der Austragung 2018 signalisierten diverse Berufsverbände gegenüber dem Schweizerischen Gewerbeverband sgv – er hatte SwissSkills einst massgeblich mitgeprägt –, dass eine Durchführung eines solchen Grossanlasses alle zwei Jahre sie an ihre Grenzen bringe. Dies sowohl in Sachen Organisation als auch in finanzieller Hinsicht – und nicht zuletzt wegen der Konkurrenzierung der regionalen Berufsmessen. Zudem kam der Wunsch auf nach einer Rotation beim Austragungsort. Im Namen seiner Mitglieder hatte der sgv diese Überlegungen auch dem zuständigen Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) kundgetan.

In Kenntnis der Einwände namhafter Organisationen der Arbeitswelt (OdA) liess das SBFI 2018 dennoch verlauten: Der Zwei-Jahres-Rhythmus soll beibehalten werden. Schlimmer noch: Der Bund zahlt Subventionen, um eine Durchführung alle zwei Jahre zu ermöglichen. Und wer für SwissSkills 2020 Subventionen will – konkret: eine Unterstützung von 40 000 Franken –, der müsse sich verpflichten, auch 2022 mitzumachen.

Fake News aus dem SBFI

Diese Anmassung seitens des SBFI rief die Politik auf den Plan. In einer Interpellation monierte die Thurgauer SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr «sachfremde Ungleichbehandlungen unter den OdA» und fragte nach, wie eine finanzielle Benachteiligung jener Berufe gerechtfertigt werden könne, «die es sich nicht leisten können, alle zwei Jahre kostspielige Meisterschaften auszutragen».

Gutjahrs Rats- und Parteikollegin Verena Herzog doppelte mit einer Motion nach und forderte den Bundesrat auf, die Stiftung SwissSkills dazu zu bewegen, «dass künftig SwissSkills als Grossanlass ‹nur› alle vier Jahre stattfinden». Der Bundesrat sprach sich gegen die Annahme des Vorstosses aus, stellte aber in Aussicht, das Thema weiter zu diskutieren.

In der Zwischenzeit hatte das SBFI seinen Lapsus offenbar erkannt – und versucht, ihn nach Möglichkeit unter dem Deckel zu halten. Erst nachdem der sgv verlangt hatte, die Falschinformation aus dem SBFI müsse gegenüber den OdA schriftlich korrigiert werden, kam Bewegung in die Sache – wenn auch vorerst nur intern an einer SwissSkills-Tagung. Dort wurde kürzlich klar: Wer für SwissSkills 2020 «Fördergelder» vom Bund in Anspruch nehmen will, muss sich nicht verpflichten, auch 2022 mitzumachen.

Variantendiskussion ab April 2020

Bleibt die Frage nach Rhythmus und Ort der Durchführung. Swiss Sills-Präsident Reto Wyss – der Luzerner Regierungsrat ist seit Sommer 2019 nicht mehr Bildungs-, sondern Finanzdirektor – war trotz mehrmaliger Intervention des sgv nicht bereit, diese wichtigen Themen zu erörtern. «Als überzeugte Verfechter der Verbundpartnerschaft haben wir deshalb bei Bildungsminister Guy Parmelin interveniert und eine externe Abklärung verlangt», sagt sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler. Das Resultat soll im April 2020 vorliegen. «Danach wird es Zeit, in aller Ruhe Varianten zu diskutieren, was den Durchführungsort und den richtigen Rhythmus betrifft.»

Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist nun getan: Bundesrat Parmelin hat korrigierend eingegriffen und will – unter Einbezug aller relevanten Stakeholder – klären, ob SwissSkills künftig tatsächlich alle zwei oder doch besser «nur» alle vier Jahre durchgeführt wird.

Gerhard Enggist

Meist Gelesen