Publiziert am: 21.10.2016

Tempolimit einhalten genügt nicht

VERSICHERUNGSRATGEBER – In der aktuellen Jahreszeit ist es als Verkehrsteilnehmer besonders wichtig, seinen Vorsichtspflichten nachzukommen. Eine angepasste Fahrweise minimiert nicht nur das Unfallrisiko, sondern schützt auch vor Leistungskürzungen.

B.T. aus K: Als Elektroinstallateur bin ich viel mit dem Firmenfahrzeug unterwegs. Mein Chef ermahnt meine Arbeitskollegen und mich jeweils, dass wir im Herbst besonders vorsichtig fahren sollen, da die Strassen durch das gefallene Laub und die Feuchtigkeit oft rutschig sind. Mir ist nicht ganz klar, was er mit besonders vorsichtig meint. Genügt es nicht, mich einfach an das angegebene Tempolimit zu halten? Falls doch mal etwas passieren sollte, wird der Schaden doch sicher von der Fahrzeugversicherung übernommen?

Sehr geehrter Herr T.: Grundsätzlich stimmt das: Die Fahrzeugversicherung übernimmt einen allfälligen Schaden. Die Motorfahrzeughaftpflichtversicherung kommt für Schäden an Dritten auf und die Vollkaskoversicherung für Schäden am eigenen Auto auf.

Höchstgeschwindigkeiten gelten für günstiges Wetter

Aber auch die Aussage Ihres Chefs ist korrekt. Es genügt nicht, nur die angegebene Höchstgeschwindigkeit einzuhalten. Das Strassenverkehrsgesetz (SVG) schreibt vor, dass jeder Verkehrsteilnehmer sein Fahrzeug stets so beherrscht, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Die Geschwindigkeit ist jederzeit den Umständen anzupassen, 
namentlich den Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung sowie den 
Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen. Deshalb gilt die angegebene Höchstgeschwindigkeit nur bei günstigen Verhältnissen und nicht bei nasser oder laubbedeckter Fahrbahn.

Bei unangepasster Fahrweise 
drohen Leistungskürzungen

Angenommen, Sie fahren bei laubbedeckter Fahrbahn innerorts mit 45 km/h auf einem Zebrastreifen einen Fussgänger an, da Ihr Fahrzeug aufgrund des längeren Bremsweges auf der rutschigen Strasse zu spät zum Stillstand kommt: Dann kann Ihre Versicherung Sie wegen grobfahrlässigem Verhalten belangen – im Sinne von Art. 14 Abs. 2 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) und Art. 65 Abs. 3 SVG. Das heisst, dass die Versicherung in der Motorfahrzeughaftpflicht- wie auch in der Vollkaskoversicherung einen Teil ihrer Leistungen zurückverlangen kann. In der Praxis wird die Versicherung ihre Leistung für den Vollkaskoschaden direkt kürzen und Ihnen nur einen prozentualen Anteil auszahlen.

Es ist wichtig, seine Geschwindigkeit nicht nur dem angegebenen Tempolimit anzupassen, sondern auch den tatsächlichen Verhältnissen. Nasse oder laubbedeckte Fahrbahn, Nebel, aber auch unübersichtliche Strassenabschnitte oder spielende Kinder am Strassenrand sind alles Gründe, um die Geschwindigkeit zu drosseln. So setzen Sie sich erst gar nicht dem Risiko von Leistungskürzungen aus. Zudem minimieren Sie damit das Unfallrisiko und schützen Ihre Mitmenschen.