Publiziert am: 01.06.2018

Temporär arbeiten nimmt zu

SWISSTAFFING – Präsident Georg Staub und Direktorin Myra Fischer-Rosinger ziehen 
im Jubiläumsjahr des Verbandes der Personaldienstleister Schweiz Bilanz: Der Arbeitsmarkt 
befindet sich in stetem Wandel. Flexible Arbeitsformen werden immer gefragter.

Schweizerische Gewerbezeitung: swissstaffing feiert dieses Jahr das 50-Jahr-Jubiläum. Wie hat sich die Temporärbranche in den letzten Jahren entwickelt?

Georg Staub: Die Temporärarbeit hat sich in den letzten 50 Jahren einen Platz in der Arbeitswelt erobert, der nicht mehr wegzudenken ist. Die konsequente Fokussierung auf ihre beiden Kunden, die Menschen, welche eine Beschäftigung suchen, und die Firmen, die einen Bedarf nach schnell verfügbaren Mitarbeitern haben, ist ein Erfolgsmodell. Es wurde möglich, weil der Bedarf bei hoher Zufriedenheit der Beteiligten abgedeckt werden konnte.

«Die Branche hat längst gelernt, dass sie sich anpassen muss.»

Was bedeutet Temporärarbeit 
für KMU?

Myra Fischer-Rosinger: Das HR-Management gehört nicht zum Kerngeschäft eines Unternehmens, ausser beim Personaldienstleister. Deshalb unterstützen Personal­dienstleister mit ihren mannigfaltigen Dienstleistungen (Temporärarbeit, Fest­stellenvermittlung, Lohnadministration, HR-Beratung) gerade auch KMU optimal, damit sich diese auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

In welchen Branchen wird vor allem temporär gearbeitet?

Myra Fischer-Rosinger: Das starke Wachstum der Temporärarbeit ist Ausdruck eines zunehmenden Flexibilitätsbedürfnisses der Unternehmen und Mitarbeitenden in fast allen Branchen. So gibt es Temporärarbeitende im Baugewerbe, in der Industrie, im Transportwesen, im Gesundheitswesen, in der Gastronomie, in der Informatik, in der Verwaltung usw. Der Anteil Temporärarbeitender variiert aber von knapp 1 bis über 10 Prozent je nach Branche.

Flexible Arbeitsformen werden auch in der Schweiz immer mehr zum Thema. Welche Rolle spielt vor diesem Hintergrund die Temporärarbeit?

Georg Staub: Die Temporärarbeit steht als Begriff in diesem Zusammenhang nur als Platzhalter für nicht traditionelle Beschäftigungsformen in der Arbeitswelt. Die Branche hat längst gelernt, dass sie sich anpassen muss. Von der traditionellen Spitzenabdeckung in der Produktion über das Management der Ich-AG, der Plattformarbeit bis hin zur Sicherstellung des Alters in 
Würde bietet sie heute tragfähige Modelle. Tragfähig ist, was Stabilität und Flexibilität garantiert.

«Die frage wird sein, mit welchem mix aus Mensch und Maschine künftig rekrutiert wird.»

Die Linke behauptet, die soziale Sicherheit der Arbeitnehmenden gerate durch die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts unter Druck. Teilen Sie diese Befürchtung?

Georg Staub: Es geht uns als Gesellschaft, unabhängig von unserer politischen Einstellung, alle an, wie wir dem Wandel des Stellenwertes der Arbeit im menschlichen Leben begegnen. Die Bedürfnispyramide bleibt konstant. Ihre Abdeckung politisch zentral. Furcht und rückwärtsgerichtete Utopien sind keine Ratgeber.

«Personaldienst­leister unterstützen auch KMU optimal.»

Was ist derzeit die grösste Herausforderung für die Schweizer Personaldienstleister?

Myra Fischer-Rosinger: Die Plattformwirtschaft stellt das traditio­nelle Geschäfts­modell der Personaldienstleister in Frage. Es ist spannend zu verfolgen, wie etliche Personaldienstleister ihr Geschäft modernisieren und gänzlich neue Player am Markt entstehen. Die Frage wird sein, mit welchem Mix aus Mensch und Maschine künftig rekrutiert wird.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Temporärbranche?

Georg Staub: Wie gesagt, für die Branche sind zwei Bedürfnisse zentral. Diejenigen der Menschen, die sich gegen Entlöhnung in einen Prozess einbringen wollen. Dies erfolgt dann optimal, wenn das Angebot an Wissen und Können die Bedürfnisse der Betriebe, ihre Prozesse gewinnoptimiert zu gestalten, erfüllt. Digitaler Analpha­betismus ist ein No-Go.

Interview: Corinne Remund

www.swissstaffing.ch

www.die-temporaerarbeit.ch

WECHSEL IM PRÄSIDIUM

Von Georg Staub 
zu Leif Agnéus

Der Jubiläumstag von swissstaffing findet am 26. Juni im Kursaal Bern statt. Er besteht aus der 
Generalversammlung sowie einem Jubiläumsteil mit Input­referaten und einem Podium zum Thema «Flexibilität und Stabilität».

Das Haupttraktandum an der GV ist die Wahl des Präsidenten. Georg Staub tritt nach 27 Jahren (1991–2018) als Vorstandsmitglied, langjähriger Ver­bands­direktor und Präsident von swissstaffing zurück. Seinen Visionen und Taten hat swissstaffing und die gesamte Temporärbranche vieles zu verdanken: Eine eigene AHV- und Familienausgleichskasse, die KTG-Branchenlösung sowie die Einführung des allgemeinverbindlichen Gesamtarbeitsvertrages Personal­verleih GVP.

Sein designierter Nachfolger ist Leif Agnéus. Er ist ein versierter Kenner der Branche. Seine langjährige und weitreichende Erfahrung erwarb er sich national wie international u.a. in verschiedenen führenden Funktionen bei Kelly Services, europäischen Gremien und als Vorstandsmitglied von swissstaffing. Mehrsprachig kommuniziert er in der Schweiz auch perfekt über den Röstigraben hinweg. Seit Februar 2017 agiert er als CEO von Manpower Schweiz. CR