Publiziert am: 06.11.2015

Temporärarbeit -– ein Bedürfnis

swissstaffing – Die Branche der Personaldienstleister wächst jährlich – so wandeln sich auch die Verbandsaufgaben. Die 
grössten Hürden für die Branche sind die neue Zuwanderungspolitik mit dem Fachkräftemangel sowie der starke Franken.

Temporäres Arbeiten ist aus dem Schweizer Arbeitsmarkt nicht mehr wegzudenken. Jedes Jahr vermitteln Personaldienstleister 300 000 Arbeitssuchenden eine Stelle, dabei generieren sie rund 7 Milliarden Franken. Weil Temporärarbeitende flexibel und gut qualifiziert sind, setzen sie viele Schweizer Unternehmer gezielt bei Auftragsspitzen ein und federn so den steigenden Kosten- und Zeitdruck ab. «So gesehen leistet Temporärarbeit einen wichtigen Beitrag dazu, dass der Wirtschaftsstandort Schweiz international wettbewerbsfähig bleibt», betont Direktorin Myra Fischer-Rosinger. Für viele Menschen sei eine temporäre Stelle das Sprungbrett in die Arbeitswelt, jeder fünfte Lehrabgänger beginne seine Laufbahn temporär. Doch nicht nur für die Jungen sei dies ein wichtiger Einstiegskanal, der Anteil der über 50-Jährigen steigere sich (13 Prozent) stetig. «Die Branche ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen – acht Prozent pro Jahr», so Fischer-Rosinger. Auffallend sei, dass das Qualifikationsniveau der temporär Arbeitenden ansteige und sich den Strukturen der Wirtschaft anpasse. «70 Prozent sind gut qualifizierte Fachkräfte, knapp ein Drittel der Temporärarbeitenden sind als Hilfskräfte im Einsatz.»

«Für Einige Branchen ist Temporärarbeit überlebenswichtig.»

Die Branche nehme eine wichtige Brückenfunktion ein und bringe Arbeitslose in den Arbeitsmarkt. «70 bis 80 Prozent bleiben dann auch im Arbeitsmarkt», konkretisiert Fischer-Rosinger. Immer mehr Arbeitnehmende wünschten sich eine flexible Arbeitsstelle. Aber auch bei den Arbeitgebern entspräche diese agile Arbeitsart einem grossen Bedürfnis: «Besonders hoch ist der Anteil an Temporärarbeitenden – rund 10 Prozent – in der Exportindustrie und Bauwirtschaft. Für diese Branchen ist Temporär­arbeit überlebenswichtig», stellt die Verbandsdirektorin fest. Aber auch die Medizinal- und chemische Industrie sowie die Nahrungsmittelbranche seien darauf angewiesen.

Sozialpartnerschaft bekräftigen

Ein wichtiger Meilenstein des Verbandes ist der GAV Personalverleih, der schon vier Jahre alt ist. «Dies war ein langer Prozess. Dank der Allgemeinverbindlichkeit können alle Temporärarbeitenden in der Schweiz von den Vorteilen des GAV profitieren. Dazu zählen neben Minimallöhnen grosszügige Sozialleistungen und Weiterbildungsleistungen. Sie bieten den flexiblen Arbeitskräften soziale Sicherheit und Perspektiven und lassen dabei die Flexibilität der Unternehmen intakt», betont Fischer-Rosinger. Die Volkswirtin freut sich, dass der GAV dieses Jahr für die Periode 2016–18 erneuert werden konnte. Eine wichtige Errungenschaft und Teil des Gesamtarbeitsvertrages Personalverleih ist temptraining, der Fonds für Weiterbildung. «Ziel und Zweck von temptraining ist es, die Arbeitsmarktfähigkeit von Temporär­arbeitenden zu erhalten und zu fördern», betont Fischer-Rosinger. Der Fond stehe jedem, der mindestens einen Monat temporär gearbeitet hat, zur Verfügung. «Die Leistungen sind sehr grosszügig – bis zu 5000 Franken Kursgelder werden vergeben. Der Fonds ist sehr beliebt, wir haben pro Woche bis zu 200 Weiterbildungsgesuche», ergänzt Fischer-Rosinger.

Weiterbildung ist eine Kernaufgabe von swissstaffing und auch für die Personaldienstleister sehr wichtig. Ab Frühling 2016 hat die Branche deshalb erstmals einen eigenen eidgenössischen Fachausweis: HR Fachmann/HR Fachfrau mit Profil C. Unter dem Kapitel «Innovative Projekte» läuft auch eine neue Jobplattform, die swissstaffing in Kooperation mit Partner, am 1. Dezember auf den Markt bringt. «Dieses Produkt soll unsere Mitglieder unterstützen und den Stellensuchenden lückenlos alle offenen Stellen online präsentieren», erklärt Fischer-Rosinger.

Wirtschaftsverträgliche 
Kontingentierung

2015 ist für die Temporärbranche ein besonders schwieriges Jahr. Mit dem starken Franken wehte bereits zu Beginn ein kühler Wind. «Unsere Branche funktioniert prozyklisch. Wir spüren jede Konjunkturveränderung stärker», so Fischer-Rosinger. Die Aufhebung des Euromindestkurses habe so bereits im Februar auf die Temporärbranche durchgeschlagen. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Geschäftstätigkeit um zehn Prozent zurückgegangen. Sorge bereitet dem Verband auch das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative. Damit wird das Thema Fachkräftemangel zugespitzt. «Dieser Entscheid trifft unsere Branche besonders stark. Die geplante Kontingentierung erschwert den Unternehmern den Zugang zu dringend benötigten Fachkräften drastisch», gibt Fischer-Rosinger zu bedenken. «Die Personaldienstleister organisieren normalerweise das Personal für einen Temporäreinsatz innerhalb von 48 Stunden. Mit dem neuen Regime ist dies nicht mehr möglich, weil die Kontrolle und Bewilligungsvergabe durch die Behörden deutlich mehr Zeit beansprucht.»

«Wir brauchen kurze und einfache Rekrutierungsprozesse.»

Und die Politologin ergänzt: «Die Temporärbranche nimmt eine wichtige Pufferfunktion wahr. Sie hilft der Wirtschaft, saisonale oder konjunkturelle Schwankungen abzufangen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Dafür brauchen die Personaldienstleister kurze und einfache Rekrutierungsprozesse.» swissstaffing will deshalb auch bei der Umsetzung der Zuwanderung mitreden und mitbestimmen: «Wir setzen uns dafür ein, dass die Verfassungsbestimmung möglichst wirtschaftsverträglich umgesetzt wird», fordert Fischer-Rosinger. Eine weitere Hürde sei zudem die Untergrabung der Sozialpartnerschaft durch kantonale Regulierungen wie Mindestlöhne oder Normalarbeitsverträge.

Positive Prognose

Die Verbandsdirektorin sieht jedoch mittel- und langfristig noch viel Potenzial für die Branche: «Das Bedürfnis der Wirtschaft nach Flexibilität und somit nach Temporärarbeitenden wird weiter zunehmen. Wir sind da gut positioniert.» Allerdings, was den technologischen Wandel im Bereich Job- und Kandidatensuchmaschinen angehe, da müsse die Branche umdenken und sich weiterentwickeln. Fischer-Rosinger möchte vor allem ein Ziel erreichen: «Wir haben heute eine sehr breite Palette an zum Teil noch jungen Dienstleistungen, die wir weiterentwickeln können.» Ein wichtiges Anliegen von swissstaffing ist auch das selbstbestimmte Arbeiten. «Wir wollen den Weg der Sozial­partnerschaft weitergehen und uns mit anderen Branchen vernetzen, um mit den richtigen Allianzen den liberalen Arbeitsmarkt zu sichern», bringt es Fischer-Rosinger auf den Punkt. Corinne Remund

SWISSSTAFFING

Kompetenz- und Servicezentrum

1968 wurde der Schweizerische Verband der Unternehmungen für Temporärarbeit und private Arbeitsvermittlung SVUTA gegründet. Dieser fusionierte mit dem Verband der Feststellenvermittler vps und wurde darauf zum Verband der Personaldienstleister der Schweiz vpds umbenannt. Durch die Fusion öffnete sich der Verband auch für Vermittler und HR-Beratungsunternehmungen. Seit 2006 heisst der Verband swissstaffing. Mit dem neuen Namen wurde er professionalisiert. Heute ist er das Kompetenz- und Servicezentrum der Schweizer Personaldienstleister. Als Arbeitgeberverband vertritt swissstaffing die Anliegen seiner Mitglieder gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Der Verband pflegt den Kontakt mit allen Akteuren und bringt seine Erfahrungen zu arbeitsmarktrelevanten Themen in diversen Fachgremien ein. swissstaffing setzt sich aktiv für das Image der Temporärarbeit ein. Der breite Dienstleistungsmix des Verbandes umfasst Öffentlichkeitsarbeit, Lobbying, das Erarbeiten von Studien und Statistiken sowie Infomationsveranstaltungen und Weiterbildungen für Personaldienstleister. Ein eigener Rechtsdienst, Pensions- und Ausgleichskasse, Qualitätssicherung durch das Qualitätslabel swissstaffing-SQS sowie Tools zur Arbeitssicherheit sind weitere wichtige Errungenschaften im Dienste der Mitglieder. swissstaffing zählt 350 Mitglieder. Dies sind mehrheitlich KMU. Die Branche generiert einen jährlichen Umsatz von rund sieben Milliarden Franken. CR