Publiziert am: 13.08.2021

Umsatzausfälle können die Existenz bedrohen

Elementarschaden – Sachschäden durch Hochwasser sind von der Elementarschaden-versicherung gedeckt, nicht aber die finanziellen Folgen einer Betriebsunterbrechung.

G. E. aus B.: Ich besitze ein kleineres, inhabergeführtes KMU in Maschinenbau und -wartung. Die gravierenden Hochwasserereignisse im Juli haben meine Firma arg getroffen – Betrieb und Lager standen knietief unter Wasser. Die Aufräumarbeiten sind gut verlaufen, aber mein Betrieb steht noch still. Leider muss ich mit länger dauernden Umsatzeinbussen rechnen, bis alle Maschinen wiederhergestellt sind. Ich bin verzweifelt, da ich nicht abschätzen kann, wann ich meine Produktion wieder aufnehmen kann. Wie ist der Ausfall versichert, wenn der Betrieb noch ­weitere Wochen nicht wieder voll ­instandgestellt ist?

Sehr geehrter Herr E.: Sie haben Glück, denn anders als in Deutschland sind die Elementarereignisse (ES) in der Schweiz in allen Kantonen weitestgehend abgedeckt. Allerdings deckt die ES-Versicherung grundsätzlich nur die Sachschäden, die zum Beispiel durch Hochwasser und Überschwemmung entstanden sind. Ihre Frage betrifft die finanziellen Folgen einer Betriebsunterbrechung (BU). Der Unterbrechungsschaden kann als Folge eines versicherten Sachschadens modular versichert werden, was besonders bei Feuer-, ES- oder Diebstahlereignissen üblich ist.

Leistungsumfang in der Betriebsunterbrechung

Ein Betriebsausfall ist abhängig von den konkreten Begebenheiten des versicherten Betriebs und variiert jeweils stark. Um ausreichend geschützt zu sein, muss die Versicherungssumme genügend hoch sein und die Unterbrechungsdauer – auch Haftzeit genannt – ausreichend veranschlagt. Dies ist mit der Versicherung genau zu vereinbaren; massgebend sind Ihre Umsatz­zahlen. Zu berücksichtigen ist, wie lange Sie bei einer Beschädigung Ihrer Produktionsanlagen durch Feuer oder ES benötigen, um Ersatzgeräte anschaffen zu können oder die Produktion über eine Drittfirma auszulagern. Diese Unterbrechungsdauer bestimmt dann den zeitlichen Umfang des vereinbarten Betriebsausfallschutzes.

Versicherungstechnischer Bruttogewinn genügt

Im Leistungsfall wird die Entschädigung so berechnet, dass Ihr KMU finanziell gleichgestellt bleibt wie ohne schädigendes Hochwasserereignis. Versichert ist der Ertrag aus Produktion und Wartung, abzüglich sämtlicher variabler Kosten. Abgezogen werden auch die erzielten Einsparungen an sämtlichen Fixkosten. Dieser versicherungstechnische Bruttogewinn genügt, um fortlaufende Kosten wie etwa Löhne, Mieten oder Schuldzinsen während der vereinbarten Haftstrecke zu bezahlen und den entgangenen Betriebsgewinn zu ersetzen, der bei ungestörtem Betrieb ohne Schaden erzielt worden wäre. Entschädigt werden sodann allfällige Zusatzkosten, die während der Unterbrechung anfallen, sofern diese für die Aufrechterhaltung des Betriebes unerlässlich sind.

Wichtig: Den Unterbrechungs-bedarf korrekt abschätzen

Der Unterbrechungsbedarf muss abgeschätzt werden und dauert bei Feuer-Totalschadenereignissen in der Regel länger als bei Hochwasser-Teilschäden. Diese Haftstrecke wird oft bis 24 Monate vereinbart. Je nach Versicherer kann dieser Versicherungsschutz bis auf 36 Monate verlängert werden. Eine Verlängerung macht etwa dann Sinn, wenn der Betrieb über Spezialmaschinen verfügt, die im Markt nur schwerlich erhältlich sind oder nur im Auftrag produziert werden.

Die Abschätzung des Schutzbedarfs für eine Unterbrechung Ihres KMU ist nicht ganz einfach. Wenden Sie sich dafür an Ihren Berater, der Ihren Bedarf gestützt auf «worst-­case»-Szenarien möglichst genau mit Ihnen abschätzen kann.

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