Publiziert am: 21.02.2014

Und plötzlich sind wir wieder ärmer...

TRIBÜNE

Wie im Billy-Wilder-Film «Manche mögen’s heiss», wo der männliche Schauspieler in Frauenkleidern sich in Gegenwart der leicht bekleideten Marilyn Monroe auf seinem Bett einflüstert: «Ich bin ein Mädchen, ich bin ein Mädchen, ich bin ein Mädchen», sagen wir Schweizer uns ständig: «Wir sind reich, wir sind reich, wir sind reich.» Angesichts der Wirren in unseren Nachbarländern, Vorarlberg, Baden-Württemberg-Bayern und das Fürstentum Liechtenstein einmal ausgenommen, trifft dies sogar zu.

Die Frage ist nur: Wie reich sind wir wirklich? Die jüngste Goldblase hat den Schweizer Kantonen, eigene Verluste ausgeschlossen, mindestens 600 Millionen Franken an Verlusten eingebracht. Jetzt sind wir plötzlich ein gutes Stück ärmer. Die finanziellen Belastungen der Mittelstandshaushalte haben in diesem Januar aufgrund staatlicher Preis- und Gebührenerhöhungen überdurchschnittlich zugenommen. Dann fehlen plötzlich am Monatsende 200 Franken, die andernorts eingespart werden müssen.

W er ein Haus oder eine Zweitwohnung in den Bergen besitzt, sieht sich bereits sinkenden Immobilienpreisen gegenüber, dies bei gleichzeitig vor der Einführung stehenden neuen Tourismussteuern für diese Objekte. Kaum eine Berggemeinde denkt daran, dann ihre Dienstleistungen zu verbessern. Sie braucht das Geld, um Löcher in der Kasse zu stopfen.

D as Jahr 2014 hat voller Ungewissheiten begonnen. Auf welchen Trend soll man als KMU-Unternehmer eigentlich setzen? Bleiben die eigenen Kunden treu oder kaufen auch diese vermehrt im Ausland ein, wo alles billiger, aber vieles nicht besser ist? Kann ich nach dem 9. Februar überhaupt noch ausländische Mitarbeitende einstellen? Muss ich billigere Mitarbeiter aus Spanien, Deutschland oder Bulgarien anstellen und meine verdienten, aber teuren Schweizer Mitarbeiter auf die Strasse stellen? Meistens machen sie Zugeständnisse bei ihren Salären, denn sie wissen, worum es geht: ein Arbeitsplatz oder das RAV. Ein neuer Arbeitsplatz andernorts heisst Aufwand und Ärger an allen Fronten, von der Schule bis zum Altersheim, wo die Eltern leben. S chön wäre es, wenn das Land eine politische Führung hätte, die einem einiges davon erklärt, die einen an der Hand nimmt und sagt: «Keine Sorge, es geht sicher weiter.» Da ist aber niemand mehr, der mehr als Worthülsen seiner Berater (und manchmal auch von ihm selber) von sich gibt. Alle sichern sich nach links und rechts ab, um 2015 wieder gewählt zu werden, und predigen das Mantra: «Es geht uns gut. So soll es auch bleiben.»

Dürfte man wenigstens seine alten Freiheiten behalten, wäre manches erträglicher. Aber ich darf den Wolf nicht schiessen, der vor dem Chalet seine Spuren hinterlassen hat. Ich darf praktisch keinen Alkohol mehr trinken und die Zigaretten sind sündhaft teuer geworden. Die Fotos auf den Packungen schaue ich lieber gleich gar nicht an.

I st dies verantwortungslos, wie uns von allen Seiten eingeflüstert wird? Auf keinen Fall, denn Menschen sind Lebewesen, die Risiken suchen, um daran wachsen zu können. Einem Konkurrenten einen wichtigen Kunden abzunehmen, muss doch Freude machen dürfen. Mit Hilfe einiger Politiker seine Pferdeställe subventionieren zu lassen, ist doch intelligent – oder nicht? Wer sich in der freien Marktwirtschaft völlig korrekt benimmt, wird nie einen Bonus erhalten. Das kann ein Staatsbeamter natürlich nie verstehen. E s ist die von unseren Vorfahren vererbte Schlauheit, die ebenso hoch angesetzt werden muss, wie die in den Schulen und Universitäten vermittelte Intelligenz. Wenn die Intelligenten sich in Spitzenpositionen drängen, muss das Volk ganz einfach schlau sein. 2014 wird ein Jahr werden, wo gerade die Schlauen einen höheren Stellenwert haben werden. Sie müssen lernen, Hindernisse zu überwinden. Die Schlau-Intelligenten werden sich durchsetzen und in elf Monaten zu Männern und Frauen des Jahres ernannt werden. Es sind, wie in den Märchen, die schlauen Igel, welche den schnellen Hasen besiegen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH.

Die Tribüne-Autoren geben ihre eigene Meinung wieder; diese muss sich nicht mit jener des sgv decken.