Publiziert am: Freitag, 21. November 2014

«Ungerechte Belastung für KMU»

URS WERNLI – Der Zentralpräsident des AGVS kämpft gegen die neuen Billag-Gebühren, die eine absurde Doppelbelastung für KMU, besonders auch im Autogewerbe, darstellen.

Schweizerische Gewerbezeitung: Mit der neuen Billag-Mediensteuer werden alle Betriebe mit einem Umsatz ab 500 000 Franken abgabepflichtig. Was halten Sie von dieser neuen Steuer?

Urs Wernli: Die Vorlage ist ungerechtfertigt und schädlich für die Schweizer Wirtschaft, im Speziellen für die KMU. Es ist eine absurde und nicht nachvollziehbare Doppelbelas­tung: Unternehmerinnen, Unternehmer und Mitarbeitende zahlen mit der Firma sowie als Privatperson.

Was bedeutet die neue Steuer für das Schweizer Autogewerbe mit seinen 5200 Garagen?

Die Garagen erwirtschaften durch den Automobilverkauf meist hohe Umsätze. Die Gewinnmarge liegt aber sehr tief. Durch die umsatzabhängige Steuer sind unsere Betriebe sehr stark betroffen.

«Jede zusätzliche administrative Aufgabe und Abgabe trifft die kMU hart.»

Weshalb trifft die neue Mediensteuer kleine Betriebe besonders hart?

Jede zusätzliche administrative Aufgabe und Abgabe trifft die kleineren Betriebe hart. Die Optionen, um solche unnötigen Zusatzlasten zu verkraften durch Mehrumsatz oder Kostenreduktion, sind im harten Wettbewerb sehr schwierig zu finden.

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv bekämpft diese KMU-feindliche Vorlage mit dem Referendum. Wie bringen Sie Ihre Mitglieder dazu, aktiv Unterschriften zu sammeln?

Schon lange vor dem Referendum hat der AGVS den Dialog mit National- und Ständerat gesucht und aufgezeigt, dass diese umsatz­abhängige Steuer unsere Betriebe ungerecht belastet. Leider ohne Erfolg.

Natürlich unterstützen wir die Unterschriftensammlung durch unsere Mitglieder nach besten Kräften. Wir tun dies über die Website, den elektronischen Newsletter, an Veranstaltungen und im AUTOINSIDE, dem Fachorgan des AGVS. Wir sind überzeugt, dass es dem sgv mit seiner breiten Abstützung in der Schweizer Wirtschaft gelingen wird, die Unterschriften rechtzeitig einreichen zu können.

«lange vor dem Referendum haben wir den Dialog mit National- und Ständerat gesucht.»

Tiefere Margen und sinkende Renditen: Wie geht es der Schweizer Autobranche Ende 2014?

Die seit Jahren tiefen Margen belasten die Unternehmer im Autogewerbe zunehmend. Besonders auch, weil der Investitionsdruck der Hersteller auf die Garagen immer noch zunimmt. Dies vor allem zur Markenpräsentation, für die Show-Räume, aber auch für Werkstattausstattung und die Ausbildung. Bereits ist absehbar, dass das laufende Jahr im Neuwagenverkauf, Occasions- und Werkstattgeschäft unter dem Vorjahr abschliessen wird.

Wie sehr schaden die Direktimporte den Schweizer Garagisten?

Der AGVS steht für einen funktionierenden Wettbewerb ein. Im Interesse unserer Mitglieder wehren wir uns jedoch gegen unlautere Werbemassnahmen. Zu oft werden bei direkt oder parallel importierten Fahrzeugen Äpfel mit Birnen verglichen.

«Die seit Jahren tiefen Margen belasten die BETRIEBE im Autogewerbe zunehmend.»

Im Frühjahr wurde Mobilcity, das Kompetenzzentrum für Auto und Transport in Bern, eröffnet. Welche Bilanz ziehen Sie heute?

Die Mobilcity soll zu DEM Branchentreffpunkt in Bern werden. Mobilcity verfügt über eine moderne Seminarinfrastruktur sowie ein gutes öffentliches Restaurant. Heute sind rund 180 Mitarbeitende von zehn Branchenpartnern in einer modernen Arbeitsumgebung tätig. Zudem finden stetig Kurse, Veranstaltungen und Tagungen aller Art statt. Darüber hinaus nutzen wir die Synergien aller Partner und ­tragen so wesentlich zur Kompetenz in der Auto- und Transportbranche bei.

Interview: Corinne Remund

 

BILLAG-GEBÜHREN: Unterschreiben Sie jetzt!

Mit dem neuen Vorschlag muss für jeden Haushalt und für jede Unternehmung eine Abgabe geleistet werden. Die Unternehmensabgabe knüpft am jährlichen Gesamtumsatz an, der von der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) im Rahmen der Mehrwertsteuer (MWST) erhoben wird. Kleine Betriebe unterhalb eines vom Bundesrat zu beschliessenden Umsatzes (vss. CHF 500 000.–) sind von der Abgabe ausge­nommen. Die Höhe der Unternehmensabgabe richtet sich nach dem Gesamt­umsatz (6 Tarif­kategorien).

Kategorie  Umsatz  Steuer
Kat. 1 ½–1 Mio.    400
Kat. 2 1–5 Mio.    1000
Kat. 3 5–20 Mio.    2500
Kat. 4 20–100 Mio.    6300
Kat. 5 100 Mio.–1Mrd.    15 600
Kat. 6 über 1 Mrd.    39 000

 

Unterschreiben Sie noch heute!

Setzen Sie gegen die ständige Mehrbelastung der KMU mit immer mehr und höheren Gebühren, Abgaben und Steuern ein starkes Zeichen und unterschreiben Sie. Unterschriftenbögen sind erhältlich beim sgv (Telefon 031 380 14 14, info@mediensteuer-nein.ch).

www.sgv-usam.ch/unterschriftenkarten