Publiziert am: 14.08.2020

Veränderung birgt neue Risikolage

VERSICHERUNGSRATGEBER – Ein KMU-Chef möchte gewisse Kunststoffprodukte in Zukunft selber herstellen. Aufgrund dieser Geschäftserweiterung dränge sich wohl eine Deckungsanpassung auf, sagt Versicherungsexperte Laszlo Scheda. Der eigene Makler kann aber nur aktiv werden, wenn er über solche Pläne auch informiert ist.

M. G. aus K: «Ich besitze ein KMU für Kunststoffwaren und werde seit einigen Jahren von einem Makler betreut für mein Versicherungsportefeuille. Fürs kommende Geschäftsjahr plane ich, meine Handelsangebote zu erweitern und meine Kunststoffartikel teilweise selbst zu produzieren. Mein Makler hat mich vor den Sommerferien an meine Versicherung verwiesen zwecks Überprüfung der Versicherungsverträge. Ist es richtig, dass ich den bestehenden Risikoschutz mit der Versicherung direkt kläre? Noch viel wichtiger scheint mir die Frage, ob ich einen zusätzlichen Versicherungsbedarf habe?»

Sehr geehrter Herr G.: Sie fragen einerseits nach dem Maklerverhältnis, und andererseits nach dem geänderten Risiko- und Deckungsbedarf.

Dem Makler obliegen für die laufenden Versicherungsverträge auch Betreuungspflichten. Dies bedeutet, dass das Verhältnis nicht mit dem Abschluss der Versicherung endet. Der Makler ist bei einem Vollmandat dazu verpflichtet, den Versicherungsschutz dahingehend zu betreuen, dass er immer aktuell zu Ihrer jeweiligen Geschäftssituation und zu Ihren Bedürfnissen passt. Besteht Anpassungsbedarf, etwa wegen Gesetzesänderungen oder Vertragsabläufen, muss der Makler Sie selbstständig und unaufgefordert darauf hinweisen.

Dies gilt aber etwa dann nicht, wenn sich in Ihrem Geschäftsbereich etwas ändert – also beispielsweise bei Ihrer geplanten Geschäftserweiterung – und wenn Sie Ihren Makler nicht darüber in Kenntnis setzen. Bestünde in einem allfälligen Schadenfall eine Unterdeckung, kann der Makler gemäss aktueller Gerichtspraxis nicht haftbar gemacht werden. Dies weil Sie Ihre Informationspflichten gegenüber dem Makler vernachlässigt haben.

Neuer Versicherungsschutz

In Ihrem Fall dürfte sich wohl eine Deckungsanpassung aufdrängen in der Haftpflicht- und in der Sachversicherung. Sie werden vermutlich neue Produktionsgeräte anschaffen, sodass die Versicherungssummen für Ihre geschäftlichen Einrichtungen anzupassen sind und eine Zusatzdeckung für eigene Maschinen überlegt werden kann. Wenn Sie solche Apparate nur mieten, dann prüfen Sie, ob Ihre Versicherung sogenannt anvertrautes Dritteigentum automatisch versichert. Oft muss das Risiko von Schäden an Dritteigentum (Obhutsschäden) ausdrücklich ergänzt werden – in den meisten Fällen gegen Zusatzprämien.

Neues Haftpflichtrisiko

Bislang hatten Sie einen Schutz für den Handel, nicht jedoch für die selbstständige Fabrikation. Dieses Fabrikationsrisiko ist in Ihrem Fall ein neues Haftpflichtrisiko. Prüfen Sie mit Ihrem Makler, inwieweit für Ihre geplante Geschäftserweiterung eine Anpassung der Betriebshaftpflichtversicherung notwendig ist und ob weitere Zusatzdeckungen sinnvoll sein könnten. Er wird Sie für die neue haftpflichtrechtliche Ausgangslage und die daraus resultierenden Deckungsfragen gerne beraten.

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