Publiziert am: 01.05.2020

Verantwortung gegenüber KMU

VERSICHERUNGSRATGEBER – Die Corona-Krise ist auch für Privatversicherer eine grosse Herausforderung. Die Versicherungsgesellschaften unterstützen die KMU im Rahmen ihrer Möglichkeiten und wickeln die Schadenmeldungen schnell und effizient ab.

F. P. aus B.: «Ich habe Ihnen bereits im Februar ein paar Versicherungsfragen zum Coronavirus unterbreitet und danke für die gute Auslegeordnung. Inzwischen haben die verschiedenen Medien vieles zu dieser Krise berichtet und aufgezeigt, wie fordernd diese ausserordentliche Schadenlage auch für die Versicherer ist. Ich frage mich aber, welchen Beitrag die Versicherungsgesellschaften sonst noch leisten, um die Krise gerade im Bereich KMU weiter zu lindern?»

Sehr geehrter Herr P.: Sie sind ein aktiver Leser und greifen eine äusserst aktuelle Fragestellung auf:

Die Privatversicherer sind nach Ausbruch der Krise innert Kürze in den medialen und politischen Fokus geraten. Insbesondere wurden aufgrund mangelnder Kenntnisse über die Funktionsweise der Versicherungen Forderungen an deren Adresse gerichtet, die diese selbstredend leider nicht erfüllen können. Die Versicherungsgesellschaften haben aber neben der eigentlichen Schadenabwicklung etwelche Massnahmen umgesetzt, mit welchen sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten den besonders stark betroffenen KMU entgegenkommen. Der Versicherungsverband hat darauf bereits in seiner Medienmitteilung vom 20. März hingewiesen:

«Coronavirus: Schweizer Versicherer übernehmen Verantwortung» (vgl. https://www.svv.ch/de/newsroom/corona-virus-schweizer-privatversicherer-uebernehmen-verantwortung). Die Schweizer Privatversicherungsbranche ist sich ihrer Verantwortung für Wirtschaft und Gesellschaft bewusst. Die Privatversicherer vergüten täglich rund 139 Millionen Franken für Schadenfälle und Renten an ihre Kundinnen und Kunden und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu deren Zahlungsfähigkeit. Auch während der Corona-Krise ist es den Versicherungen bislang sehr gut gelungen, die Schadenmeldungen trotz erschwerter Rahmenbedingungen entgegenzunehmen und wie gewohnt abzuwickeln.

Viele Privatversicherer zeigen besonders gegenüber den KMU-Kunden in Zeiten angespannter Liquidität Verständnis und signalisieren ein Entgegenkommen. Es würde den Rahmen sprengen, hier alle Initiativen aufzulisten, aber ein paar Themen greife ich gerne kurz auf:

• Sistierung von Mieten: Versicherungsunternehmen tragen als Immobilieneigentümer mit Mietstundungen dazu bei, auf Gesuch hin rasch und unkompliziert einen Liquiditätsengpass bei KMU abzufedern. Fallweise prüfen sie auch temporäre Mietzinssenkungen.

• Aussetzen Inkassoverfahren bei ausstehenden Prämien: Die meisten Versicherungen haben eine vorübergehende Anpassung des Mahn- und Betreibungsprozesses der Prämien im Nichtlebengeschäft in Kraft gesetzt und insbesondere das Mahnwesen sistiert zur Vermeidung von Deckungsunterbrüchen wegen nichtbezahlter Prämien.

• Verlängerung der Frist für Arztatteste bei krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeiten (AUF): Etwelche Kranken-/Unfallversicherer reduzieren in der Kollektiven Krankentaggeldversicherung die administrativen Aufwendungen von KMU und medizinischen Stellen im Zusammenhang mit den AUF-Attesten.

• Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen und Solidaritätsaktionen: Neben diesen eng an die Geschäftstätigkeit gebundenen Massnahmen unterstützen viele Privatversicherer gemeinnützige Organisationen und Hilfsprojekte finanziell oder personell, damit die Schweiz so gut wie möglich durch die Corona-Krise kommt. Der SVV verweist mit dem Beitrag «Coronavirus: Innovative Solidaritätsak­tionen der Privatversicherer» vom 24. April auf weitere individuelle Solidaritätsbeiträge der Mitgliedgesellschaften (vgl. https://www.svv.ch/de/branche/volkswirtschaft/coronavirus-innovative-solidaritaets­aktionen-der-privatversicherer).

• Epidemie- und Pandemierisiken: Die Prämien variieren je nach gewähltem Versicherungsschutz und Versicherungsumfang. Diese müssen aufgrund der gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Vorgaben risikogerecht ausgestaltet sein. Deshalb können auch nur versicherte Schäden übernommen werden. Das unerwartete Ausmass der aktuellen Krise verdeutlicht aber auch, dass ein genereller Lockdown im Rahmen einer länderübergreifenden Virus-Krise die Grenzen der Versicherbarkeit sprengen. Die Versicherungswirtschaft arbeitet mit Hochdruck an neuartigen Lösungen zur Deckung des Epidemie- und Pandemierisikos für Schweizer KMU. Ohne Frage ist, dass derartige Lösungen gemeinsam mit dem Staat (Poollösung) angegangen werden müssen. Denn nur so ist die Versicherung eines Pandemierisikos in Zukunft auch wirtschaftlich tragbar.

lazlo.scheda@mobi.ch

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