Publiziert am: 05.06.2020

Vereint für einen starken Beruf

SCHWEIZER FACHVERBAND FÜR KOSMETIK – Die Corona-Krise hat den finanziellen Druck in der Branche noch verschärft. Mit einer fundierten Aus- und Weiterbildung setzt der SFK auf Qualität und hebt sich so von «Schwarzen Schafen» ab. Damit will der Verband aber auch das Image dieses Berufes stärken.

Das Kosmetikstudio ist ein Ort der Entschleunigung für Körper, Geist und Seele. Kundinnen und Kunden können den Alltag hinter sich lassen, neue Kraft schöpfen, die innere Balance wiederfinden und eintauchen in eine Oase des Wohlgefühls, Energie tanken und loslassen, was in der heutigen, hektischen (Corona-)Zeit mehr und mehr ein Bedürfnis ist. Als erste Geschäfte konnten die Beautysalons nach dem Lockdown wieder öffnen und die Kosmetikerinnen können ihre Kundschaft seit mehr als einem Monat wieder von Kopf bis Fuss verwöhnen. «Unsere Arbeit ist ein Stück Lebensqualität, das viele gepflegte Menschen nicht missen möchten. Wir spüren das gerade jetzt gut und haben dementsprechend viel Arbeit», freut sich Andrea Neubauer. Sie ist im Vorstand des Schweizer Fachverbandes für Kosmetik SFK für das Ressort Berufsprüfung zuständig, und mit einem eigenen Geschäft für Medizinische Kosmetik und Massage in Brugg/AG kennt sie das Metier bestens.

«Wir wollen den Standard des Berufes halten und optimieren.»

Die Corona-Krise ist eine grosse Herausforderung für die Branche: «Da es sich bei unseren Kosmetikstudios meistens um Kleinstbetriebe handelt, die zudem in der Niedriglohnbranche tätig sind, sind die Auswirkungen heute noch spürbar.» Und die Unternehmerin ergänzt: «Für solche Geschäfte ist es schwierig, grössere Rückstellungen für Krisenzeiten zu tätigen. Dementsprechend ist der finanzielle Druck sehr gross und es ist leider anzunehmen, dass sich langfristig nicht alle Studios über Wasser halten können.» Der SKF hat seine Mitglieder vom ersten Moment an mit aktuellen Infos unterstützt und ihnen Support geboten bei Mietzinsreduktionen, dem Bezug von Schutzmaterial etc. Dabei war auch der Schweizerische Gewerbeverband sgv mit seiner Initiative «KMU first» ein starker Verbündeter. Covid-19 brachte dem Verband sogar noch mehr Mitglieder. «Viele haben realisiert, dass sie ohne Verband als Einzelkämpferin dastehen und haben so die Wichtigkeit unseres Fachverbandes und unser Engagement aus einem neuen Blickwinkel angeschaut», so Neubauer.

Der SFK hat ein überzeugendes Hygienekonzept ausgearbeitet. Die Arbeit unter erhöhten Hygienemassnahmen und entsprechender Schutzkleidung war gemäss Neubauer am Anfang gewöhnungsbedürftig. «Wir sind uns aber auch zu normalen Zeiten gewohnt, sehr hygienisch und sorgfältig zu arbeiten. Für uns ist das selbstverständlich und gehört zum Job», weiss Neubauer. Die Kundschaft schätzt diesen Mehraufwand sehr. «Damit zeigen wir, dass uns das Wohl der Kundschaft sehr am Herzen liegt und wir nicht leichtfertig und profitorientiert agieren.»

Aber auch ohne Covid-19 werden die Bedingungen am Markt immer härter. So spriessen zum Beispiel Kosmetikgeschäfte wie Pilze aus dem Boden, die ohne Qualifikation ihre Dienstleistungen sehr günstig anbieten. «Leider gibt es keine gesetzliche Regelung und jeder kann ein Kosmetikstudio eröffnen. Zwar gibt es die eidgenössisch geschützten Titel Kosmetikerin EFZ, FA und HFP, aber die Vielzahl der verwendeten unkorrekten und oft frei erfundenen Titelbezeichnungen kann die Kundschaft verwirren», bestätigt Neubauer. Der Verband bekämpft diese Gesetzeslücke mit fundierter Aus- und Weiterbildung. «So können sich unsere Mitglieder durch die Qualität ihrer Dienstleistungen von denjenigen Studios abheben, die nur auf das schnelle Geld aus sind und nicht auf Richtlinien und Qualität setzen. Dies wird langfristig von den Kundinnen realisiert und honoriert. Diese zahlen nämlich gerne etwas mehr für Know-how und Luxus.» Doch wünscht sich der SFK, dass die Behörden die sogenannten «schwarzen Schafe» mehr kontrollieren und in die Pflicht nehmen. «Auch die Kundin muss diesbezüglich noch mehr darauf sensibilisiert werden.»

Bald Höhere Fachprüfung möglich

Zur Hauptaufgabe des Verbandes gehört die Aus- und Weiterbildung. Als Verbundpartner von Bund und Kanton hat der SFK einen Bildungsauftrag. In der Grundbildung bietet er die überbetrieblichen Kurse für die Lernenden an. «Es ist ein anspruchsvoller Beruf, der grundlegende Kenntnisse in der Dermatologie und in medizinischen Fachgebieten, aber auch in der Chemie und Physik voraussetzt und einem stetigen Wandel unterworfen ist», hält Neubauer fest, die bereits seit über 30 Jahren Lernende ausbildet. Leider hätten aber viele eine völlig falsche Vorstellung vom Tätigkeitsbereich einer Kosmetikerin. Dieses Jahr absolvieren ­65 junge Berufsfrauen diese Ausbildung. Dabei müssen sie wegen Corona keine praktische Prüfung absolvieren. Zurzeit ist gerade die Totalrevision der Grundbildung im Gang. Der Verband arbeitet dabei mit dem Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung EHB daran, die Richtlinien und Anforderungen nach Vorgaben des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation SBFI einzuhalten. «Einerseits wollen wir den Beruf attraktiv und zeitgemäss gestalten, und andererseits wollen wir den Standard des Berufes halten und verbessern.»

Die zweite Totalrevision betrifft die lang erwartete Höhere Fachprüfung HFP. «Hier sind wir auch daran, mit dem EHB den berufsbegleitenden Lehrgang auszugestalten und so rasch wie möglich umzusetzen. Ein erster Lehrgang könnte bereits im Jahre 2021 aufgegleist sein», weiss Neubauer. Nebst den eidgenössischen Ausbildungen bietet der Verband diverse Kurse zu Themen wie Multimedia, Marketing, Farb- und Stilberatung und Altersvorsorge an. Eine grosse Herausforderung für die Branche ist der Lehrstellenmangel. «Wir haben mehr Interessierte als Lehrstellen. Diese sind meist bereits Anfang Jahr schon vergeben.»

Den Berufsstolz zeigen und leben

Neubauer erachtet für den Beruf der Kosmetikerin ein grosses Zukunftspotenzial. Die Themen rund um Beauty und Gesundheit werden immer wichtiger: «Eine gute Kosmetikerin überzeugt mit ihrem Fachwissen, ihren handwerklichen Fähigkeiten und ihrem Einfühlungsvermögen für die Kunden. Diese Aufgaben kann kein Computer übernehmen.» Und die Geschäftsführerin betont: «Wir brauchen künftig noch mehr Frauen- und Manpower sowie engagierte Berufsleute und Mitglieder, die den Gedanken der Solidarität, des Berufsstolzes und des Zusammenhalts leben.» Corinne Remund

www.sfkinfo.ch

DAS MACHT DER SFKDen Nachwuchs fördern

Kräfte gemeinsam bündeln

Der Schweizer Fachverband SFK besteht in seiner jetzigen Form seit Januar 2000. Damals fusionierten der 1943 gegründete FSK und der seit 1958 bestehende SVK, um gemeinsam in der Öffentlichkeit mehr Schlagkraft zu haben. Der engagierte Verband vertritt die wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen der Kosmetikerinnen. Er ist Kompetenzzentrum für fachspezifische Fragen – sei dies für Wirtschaft, Politik oder Medien. Er stellt seinen Mitgliedern attraktive Dienstleistungen zur Verfügung wie beispielsweise Versicherungen, Merkblätter oder kostenlose Rechtsauskunft.

Den Nachwuchs fördern

Sein Kerngeschäft ist die Anerkennung und Förderung des Berufes. So hat der SFK einen Bildungsauftrag als Verbundpartner von Bund und Kanton. Als Organisation der Arbeitswelt OdA ist er an der Aktualisierung der Bildungsinhalte beteiligt, organisiert überbetriebliche Kurse und stellt Angebote in der höheren Berufsbildung bereit. Er betreibt ein aktives Networking mit anderen Verbänden und Organisationen und stärkt so die Wahrnehmung des Berufes gegen aussen. Ebenso agiert er auch international als Mitglied von Comité International d`Esthétique et de Cosmétologie ­(CIDESCO). Ebenso ist er mit einem pfiffigen Auftritt in den sozialen Medien präsent. Seine rund 1000 Mitglieder sind selbstständige Kosmetikstudios vom Einfrau-Betrieb bis zu Instituten mit mehreren Angestellten. CR

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