Publiziert am: 09.04.2021

Verführerischer Titel

TEMPO 30 INNERORTS – Unter dem Label «Lebensqualität» wird versucht, uns ein Schneckentempo auch auf den Hauptachsen durch unsere Städte schmackhaft zu machen. Wäre es nicht ehrlicher, man würde zugeben, den motorisierten Individualverkehr ganz verbannen zu wollen?

SP-Nationalrätin Gabriela Suter aus dem Kanton Aargau, nicht mal anderthalb Jahre im Nationalrat, hat sich dem Kampf gegen das Auto und das Motorrad verschrieben. Die Liste ihrer Vorstösse gegen den motorisierten Individualverkehr ist lang. Sie reicht von der «PS-Beschränkung für Auto-Junglenker» über «Lärmblitzer gegen unnötigen Fahrlärm» bis zu Massnahmen, um «endlich wirksam gegen lärmende Motorräder vorgehen» zu können.

«Mehr Lebensqualität»

Jetzt ist Suters Repertoire um eine Idee reicher geworden: Unter dem verführerischen Titel «Für mehr Sicherheit, weniger Lärm und mehr Lebensqualität» soll die Strassenverkehrsgesetzgebung so angepasst werden, dass innerorts generell Tempo 30 gilt. Tempo 30 innerorts soll zur Regel, Tempo 50 zur begründeten Ausnahme werden.

Begründet wird der Vorstoss unter anderem mit mehr Ruhe. Tempo 30 lade auch dazu ein, vermehrt zu Fuss zu gehen oder das Velo zu nehmen. Zudem nehme bei Tempo 30 der Schadstoffausstoss der Autos ab, was sich positiv auf die Luftqualität auswirke. Die Angst, dass mit einer Temporeduktion der Verkehrsfluss verlangsamt würde, sei unbegründet, behauptet Suter. Der Verkehr würde sogar flüssiger, und es komme zu weniger Staus und Stop-and-Go-Phasen.

Weshalb nicht ganz verbieten?

Beim Durchlesen der ganzen Begründung stellt man sich unweigerlich die Frage, weshalb der Auto- und Motorradverkehr innerorts nicht ganz verboten werden soll. Wir erinnern uns dabei an den Kanton Graubünden, der zwischen 1900 und 1925 ein generelles Autoverbot kannte. Wer dort mit dem Auto fahren wollte, musste ein Pferd oder einen Esel vorspannen … Ein Vorbild für das 21. Jahrhundert?

«SOLLEN WIR WIRKLICH WIEDER ROSS UND ESEL VOR DIE AUTOS SPANNEN?»

Tatsache ist: Die Automobiltechnik hat in den letzten Jahren sowohl in Bezug auf Lärmdämmung, Sicherheit und Umweltfreundlichkeit sehr grosse Fortschritte erzielt. Auch der Strassenbau ist nicht stehen geblieben, gibt es doch heute Flüster­beläge, die den Lärm dämpfen. All diese Errungenschaften zählen offensichtlich nicht. Was aber bei Tempo 30 generell mit Sicherheit der Fall sein wird: Der öffentliche Verkehr wird verlangsamt, und in der Folge muss der Takt ausgedünnt werden. Den Bus in der Stadt zu nehmen, wird dann künftig unattraktiver. Ist das die «klimafreundliche Mobilität», die Frau Suter vorschwebt?

Dieter Kläy, Ressortleiter sgv

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