Publiziert am: 08.03.2019

Verkehrsträger stärker vernetzen

Mobilität – Auto, Taxi, Ortsbus oder Mietvelo: Multimodale Mobilitätsangebote können Mobilitätsbedürfnisse besser und gezielter befriedigen und Verkehrsinfrastrukturen besser nutzen.

Heute vertreiben Mobilitätsanbieter ihre Dienstleistungen auf eigenen, getrennten Kanälen. Wer mit dem Zug fährt, kauft das Ticket beim ÖV-Anbieter, z. B. bei den SBB. Das Taxi bestellt der Fahrgast über die lokale Taxizentrale, den Mietwagen beim Autoverleiher, das Mietvelo über eine entsprechende App.

Kurz: Die Kunden nehmen das Mobilitätsangebot fragmentiert wahr, sie müssen die Angebote für ihre Reise einzeln buchen und kombinieren. Das muss nicht so bleiben. Dank der Digitalisierung können Mobilitätsangebote künftig einfacher vernetzt werden. Multimodale Mobilitätsdienstleistungen können Mobilitätsbedürfnisse besser und gezielter befriedigen und Verkehrsinfrastrukturen besser nutzen. Natürliche Ressourcen werden geschont, und die Energieeffizienz steigt.

Eine Reise – eine Buchung

Reisende mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln wie Auto, Taxi, Ortsbus oder Mietvelo können bisher nicht alles auf einer Plattform buchen. Der Zugang zu Daten und Vertriebssystemen ist eingeschränkt. Mit einer Änderung des Personenbeförderungsgesetzes will der Bundesrat nun die Vertriebssysteme aller Mobilitätsanbieter öffnen und die Rahmenbedingungen klären, unter welchen Dritten Zugang zum Vertrieb von ÖV-Angeboten gewährt werden kann. Dazu sollen Verfügbarkeit und Austausch der nötigen Sachdaten (Preisdaten, Betriebsdaten, Geodaten etc.) aller Mobilitätsanbieter verbessert werden.

«Reisende können heute nicht unterschiedliche Verkehrsmittel auf einer Plattform buchen. das soll sich jetzt ändern»

Das Ziel: Kunden sollen mit einem «Klick» eine spezifische Reiseoption mit verschiedenen Verkehrsmitteln buchen und bezahlen können.

Vermittler erhalten Zugriff auf die ÖV-Vertriebsinfrastruktur

Die Vorlage, die sich noch bis Ende März in der Vernehmlassung befindet, regelt die Schnittstelle des öffentlichen Verkehrs zu weiteren Mobilitätsanbietern und Dienstleistern. Dritten soll unter klar definierten Bedingungen Zugang zum Vertrieb von ÖV-Angeboten gewährt werden. Genehmigungspflichtige Branchenregelungen sollen das konkretisieren. Mit multimodalen Mobilitätsdienstleistungen kann besser auf das individuelle Bedürfnis der Kundschaft eingegangen werden, und das Gesamtverkehrssystem wird insgesamt optimaler genutzt.

Freie Wahl des Verkehrsmittels gewährleisten

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv unterstützt innovative Geschäftsmodelle im Bereich der Personenbeförderung. Zu hinterfragen ist höchstens die Absicht, dass mit RailCom die staatliche Struktur ausgebaut werden soll. Zudem muss die freie Wahl des Verkehrsmittels gewährleistet sein. Es darf keinesfalls darum gehen, eine bestimmte Art der Fortbewegung wie etwa den ÖV zu fördern und andere – etwa den motorisierten Individualverkehr MIV – zu behindern.»

Dieter Kläy, Ressortleiter sgv