Publiziert am: Freitag, 7. April 2017

Versorgung nicht gefährden

ENERGIESTRATEGIE 2050 – Der Gewerbeverband sagt Ja zum neuen Energiegesetz. Es kann 
Subventionen abbauen und die neuen erneuerbaren Energien an den Markt führen.

Gegner des neuen Energiegesetzes sagen, mit der Energiestrategie 2050 sei die Versorgungssicherheit der Schweiz gefährdet. Was sollen Befürworter darauf antworten? Die Kernfrage lautet: Was ist «Versorgungssicherheit» überhaupt? Ist man nur «sicher», wenn der ganze in der Schweiz benötigte Strom auch inländisch produziert wird? Ist es versorgungssicher, wenn die Schweiz importiert? Wie viel Prozent Importe gelten überhaupt als versorgungssicher? Dazu kommt noch der Preis. Wie günstig soll die Stromversorgung sein?

Ohne diese Fragen zu klären, kann man nicht über Versorgungssicherheit reden. Denn Tatsache ist: Die Schweiz importiert heute schon Strom. Vor allem im Winter braucht sie elektrische Energie, die im Ausland hergestellt wurde. Die Schweiz braucht ausländische Produktionskapazitäten auch als Reserve im Falle von Schwankungen in der Stromproduktion. Niemand sagt, die Versorgungssicherheit sei deshalb gefährdet.

Diverse Zukunftsszenarien

Wie es mit der Versorgungssicherheit und den günstigen Preisen weitergeht, ist eine Sache der Zukunft. Mit oder ohne neues Energiegesetz stehen wichtige Entwick­lungen an. Am besten ist, sie werden als alternative oder sich gegenseitig ergänzende Szenarien gedacht.

Die technologische Entwicklung wird nicht Halt machen. Neue erneuerbare Energien werden marktfähiger und ihre Kapazität grösser. Ebenfalls wird sich die Speichertechnologie entwickeln. Die Frage ist, ob bald der Sprung über den Tagesspeicher hinaus – etwa in den Quartalsspeicher – geschafft wird.

Die gleiche technologische Entwicklung gilt in der Nukleartechnologie. Allerdings geht es dort langsamer. Mit zunehmendem Alter laufen die bestehenden Kern­kraft­werke aus. Zwar sieht das neue Gesetzespaket vor, keine neuen zu bauen. Aber wenn sich die Technologie dereinst ändern sollte, wäre es an der Politik, die Norm zu ändern.

Eine grosse Frage ist die Zukunft der Stromproduktion in Europa. Deutschland und Frankreich werden ihre Kapazitäten wohl zurückfahren. Das betrifft die Schweiz direkt, denn diese beiden Nachbarn sind die grössten ausländischen Lieferanten. Doch 
osteuropäische und skandinavische Länder haben schon die Absicht geäussert, Stromexporteure zu werden. Sie bauen auf einen – jeweils unter­schied­lichen – Mix verschiedener 
Primärenergieträger.

«DER SGV SAGT JA ZUM NEUEN ENERGIEGESETZ.»

Die andere grosse Frage ist die Zukunft der Schweizer Wasserkraft. Einige Werke sind aufgrund der tiefen Strompreise finanziell gefährdet. Deswegen sieht das neue Energiegesetz vor, sie im Ausnahmefall zu unterstützen. Die Versorgungssicherheit der Schweiz wird also entschieden davon abhängen, wie sich die erneuerbare Wasserkraft entwickelt: regulatorisch, technologisch und betriebswirtschaftlich.

Ja zum Energiegesetz

Die Herausforderung, eine möglichst günstige und stetige Stromversorgung zu bewerkstelligen, besteht so oder so. Sie ist nicht vom neuen Energiegesetz abhängig. Sie ist vom Erfindergeist, von der Innovationsfreude und von der Regulierungsintensität geprägt.

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv sagt Ja zum neuen Energiegesetz. Es ist eine Möglichkeit, die vertrackte Lage im Energiebereich sanft zu lösen. Es bietet die Möglichkeit, die Subventionen abzubauen und auch die neuen erneuerbaren Energien an den Markt zu führen.

Henrique Schneider, 
Stv. Direktor sgv