Publiziert am: 04.09.2015

Vielfältig, interessant, international

«Tour de Kreativwirtschaft» – Während andere Branchen leiden, trägt die Kreativwirtschaft als Wachstumsmotor einen immer wichtigeren Teil zum Schweizer BIP bei. Ihr Ziel ist es, den Wirtschaftsstandort Schweiz weiter zu stärken.

Ob Trammasten der Stadt Zürich, 
E-Bikes im Retrostil, eine Onlineplattform für Architekten oder ein Newsletter, der inspiriert und vernetzt: Die Zürcher Kreativwirtschaft ist nicht nur interessant und breit gefächert, sondern vor allem auch international gefragt und erfolgreich.

«Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil der Gesamtwirtschaft», weiss Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands sgv. «Sie zeichnet sich aus durch eine hohe Innovationskraft und steht dabei sinnbildlich für die gesamte Schweizer KMU-Wirtschaft», so Bigler. In der Schweiz sind über eine Viertelmillion Menschen in kreativen Bereichen wie Architektur, Design, Events, Film, Grafik, Mode, Musik, Software/Gaming, Theater und Werbung tätig und erwirtschaften eine Bruttowertschöpfung von knapp 20 Milliarden Franken im Jahr. «Die Kreativwirtschaft zeichnet sich durch eine höchst heterogene, fragmentierte Struktur von Kleinunternehmen aus. Ihre Akteure sind überwiegend jung und gut ausgebildet, meist in gestalterischen oder künstlerischen Berufen. Ein urbanes Umfeld mit kurzen Wegen, die Nähe zu potenziellen Kunden und zu Gleichgesinnten, eine hohe Durchmischung von Leben und Arbeiten, neue und experimentelle Arbeitsformen sind weitere charakteristische Merkmale der Kreativbranche», ist dazu auf der Internetseite der Stadt Zürich zu lesen.

Ein «urbaner Stadtmythos»

Zwei dieser jungen und innovativen Unternehmer sind Romano Strebel und Christian Klinner. Sie sind die Inhaber von RonOrp und 100 Day net, einer Onlinecrowdfunding-Plattform. «RonOrp ist ein Newsletter, ein urbaner Stadtmythos sozusagen, der die Zürcherinnen und Zürcher täglich über die neusten Ereignisse, Partys und Events informiert», sagt Klinner. «Unser Ziel ist es, die Leute zu vernetzen und sie zu inspirieren.» So ist es auch möglich, im «Marktplatz» Inserate zu schalten, Dinge zu verkaufen oder beispielsweise eine Wohnung zu suchen. Mittlerweile haben die beiden Unternehmer ihr Businesskonzept auf 13 Städte ausgeweitet, acht davon in der Schweiz.

Auch die Zürcher Architekturbranche ist im In- sowie im Ausland erfolgreich. Tobias Lutz, Mitinhaber und Co-Gründer von Architonic, arbeitet in Zürich, ist aber auch in Berlin tätig und hat in New York eine Tochtergesellschaft aufgebaut. «Unser Onlinearchiv für Design richtet sich vor allem an Architekten. Mittlerweile sind wir zur zentralen Datenbank für die Industrie geworden», sagt er. Sein Erfolgsrezept? «Wir leben die Szene.»

«Rückgrat der Schweizer ­Wirtschaft»

Ein weiterer kreativer Kopf ist Daniel Hunziker. Er zählt zu den renommiertesten Designern in der Schweiz. «Für die Stadt Zürich habe ich beispielsweise die Trammasten entworfen, momentan designe ich neue Bushaltestellen», sagt er. In Zürich arbeitet er nur teilweise, den grösseren Teil seiner Zeit verbringt er im Ausland. Dasselbe gilt für Christoph Kellenberger. Der Inhaber und Gründer von oos Architekten berät Kunden aus der Privatwirtschaft. Ein besonderes Projekt wird momentan in 
Kuba durchgeführt.

Auch Daniel Meyer, Inhaber und Gründer von Ego Movement E-Bikes, arbeitet erst seit kurzem wieder in Zürich, nachdem er mehrere Jahre im Ausland tätig war. Mit seinen 
E-Bikes im Retrostil ist er nicht nur in der Schweiz, sondern auch international erfolgreich (vgl. S. 25).

«Die Kreativwirtschaft bildet ein breites und potentes Rückgrat der Schweizer Volkswirtschaft», sagt Michel Pernet, Geschäftsführer des Verbands Kreativwirtschaft Schweiz. Er will als Dachverband dieses Potential stärken. «Die Kreativwirtschaft trägt einen immer wichtigeren Teil zum BIP der Schweizer Volkswirtschaft bei. Deswegen müssen die generelle Wahrnehmung gegen aussen sowie die Vernetzung gegen innen gestärkt werden», so Pernet. «Die Kreativwirtschaft bietet die Perspektive, den Wirtschaftsstandort Schweiz weiter zu diversifizieren, zu stärken und weiterzuentwickeln.»

Stéphanie Jenzer