Publiziert am: 05.10.2018

Vom Bräunen zur Gesundheitsoase

PHOTOMED – Die Besonnungsbranche setzt sich für den positiven gesundheitlichen Nutzen der Besonnung 
ein – besonders in der Winterzeit. Eine grosse Herausforderung für die Mitglieder ist die Umsetzung der Verordnung 
zum Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall (V-NISSG).

Der heisse Sommer ist vorbei und die Sonne zeigt sich seltener. Doch gerade im Herbst und Winter sehnen wir uns nach Sonnenschein auf unserer Haut. Wärme und künstliches Sonnenlicht können wir auch in der kälteren Jahreszeit haben: In den Solarien. Dass ein Gang in ein Besonnungsstudio nicht gefährlich ist, wie leider behauptet wird, sondern sich durchwegs positiv auf unsere Gesundheit auswirken kann, weiss Heinz Wolf, Präsident des ­Solarien Verbandes Schweiz Photomed: «Sonnenschein und Solarien liefern dem Körper das lebenswichtige Vitamin D. Ein ausgewogener Vitamin-D-Spiegel unterstützt das Immunsystem und stärkt gerade in den dunklen Jahreszeiten die Abwehr gegen Infektionskrankheiten.» Und er ergänzt: «Es wirkt wie ein natürliches Antibiotikum. Das körpereigene Wohlbefinden erhält einen Motivationskick.»

«Für unsere 
Mitglieder haben 
Professionalität, 
höchste Qualität, 
Sicherheit und Hygiene 
oberste Priorität.»

Weltweite medizinische Studien belegen, dass Sonnenschein und Solarien nicht nur den Vitamin-D-Haushalt auffrischen, sondern auch andere positive Effekte für unsere Gesundheit haben. Dazu Wolf: «Vitamin D stärkt unsere Knochen und Organe und hat einen positiven Einfluss auf unseren Blutdruck sowie auf unsere Psyche und dadurch sinkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Eine positive Auswirkung haben UV-Strahlen auch auf Hautkrankheiten wie Psoriasis.»

Klar ist allerdings auch, dass zu viel Sonne schaden kann. «Man muss sich der Sonne bzw. dem Solarium anpassen. Eine Studie von 2011 belegt, dass es immer wieder Sonnenbrände gibt, welche von der Natursonne verursacht sind, während es im Solarium höchstens ein Mal passiert», so Wolf. Zudem verfügen die heutigen Solarien über modernste Geräte und Infrastrukturen und werden streng reglementiert. «Unsere Branche hat sich technologisch weiterentwickelt. Zudem weisen wir auf die möglichen Gefahren hin und deklarieren die wichtigsten Punkte mit einem Besonnungsplan und den Risikofaktoren, die gut sichtbar beim Kabineneingang angebracht sind», betont Wolf. Aktuelle Studien weisen zudem darauf hin, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen massvoller Solariennutzung und einem erhöhten Melanom-Risiko nicht erwiesen ist. «Die neuen Besonnungskonzepte mit UV-Strahlung, Rotlicht und Kollagen aufbauenden Anteilen gehen Richtung Gesundheit und weg von der Bräune», sagt Wolf. «Allerdings werden wir im Gesundheitswesen noch nicht als massgebender Player wahrgenommen, weil leider noch immer die Bräunung im Vordergrund steht.»

«Es ist nicht die 
Aufgabe des BAG, 
sich in Vernehm­lassungen ein­zumischen und 
die Bürger 
zu bevormunden.»

In der Schweiz gibt es 420 öffentliche Solarien. Zwischen drei und vier Prozent der Bevölkerung benützen regelmässig Besonnungsstudios. «Dies sind schätzungsweise 2,7 bis 3 Millionen Solarium-Besuche pro Jahr», so Wolf.

Strenge Richtlinien

Die Zahl der Sonnenstudios ist seit 2000 rückläufig. Das führt Wolf auf die Sonnenverteuflungshysterie zurück. «Wir haben die Talsohle erreicht und hoffen, dass mit der neuen Verordnung zum Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall (V-NISSG) im Frühling 2019 das Pendel auf die andere Seite ausschlägt und unser Image verbessert wird.»

Essenziell für die Branche ist die Qualitätssicherung. «Für unsere Mitglieder haben Professionalität, höchste Qualität, Sicherheit und Hygiene oberste Priorität. Daher sind unsere Mitglieder verpflichtet, sich an die Richtlinien zu halten und auf mögliche Risiken aufmerksam zu machen», sagt Wolf. Damit wird auch die EU-Norm umgesetzt. «Es ist uns wichtig, dass unsere Mitglieder und Kunden für die Risiken und für ein richtiges Verhalten im Umgang mit Solarien sensibilisiert sind», konkretisiert Wolf.

Photomed engagiert sich auch auf politischer Ebene. Aktuell ist die neue Verordnung zum Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall (V-NISSG), welche National- und Ständerat gutgeheissen haben. Die Verordnung beinhaltet aber kein Verbot für unter 18-Jährige in Solarien. «Wie sollte dies auch kontrolliert werden, wenn in der Branche zu 95 Prozent Selbstbedienung ist?», fragt Wolf zu Recht. Zudem mache der Anteil der knapp 18-Jährigen 1,3 Prozent aus. «Die Jungen sind nicht unser Zielpublikum.» Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat jedoch heimlich ein Verbot in die Verordnung geschmuggelt. «Das geht nicht, wir wehren uns dagegen», ärgert sich Wolf. Das Verordnungsveto, das der National- und Ständerat derzeit ausformulieren, sei wichtig: Gesetzgeber sei das Parlament und nicht die Bundesverwaltung. «Es ist nicht die Aufgabe des BAG,Vernehmlassungsvorlagen nach eigenem Gutdünken zu ergänzen, Verordnungen aufzublähen und so die Bürger zu bevormunden», betont Wolf.

Morgenröte am Horizont

Die grösste aktuelle Hürde für die Branche ist das Umsetzen der neuen Verordnung NISSG. «Hier ist viel ­Kapital und technisches Know-how gefragt. Es ist noch offen, wie die technischen Lösungen aussehen. Aber sicher ist, dass dies pro Studio zwischen 20 000 und 30 000 Franken kosten wird», so Wolf. Ein paar Studios würden deshalb nicht weiter existieren können. Gemäss Wolf hat die Branche dennoch ein gutes ­Zukunftspotenzial. «Solarien wird es immer geben. Nur unsere Branche muss sich ständig an wandelnde gesellschaftliche und gesetzgebende Anforderungen anpassen», so Wolf und er meint zuversichtlich: «Doch haben wir die Anpassung an die Verordnung NISSG gemeistert, wird es in der Branche wieder aufwärts ­gehen.»Corinne Remund

www.photomed.ch

DAS MACHT PHOTOMED

Positives Bild der Branche vermitteln

Der Solarien Verband Schweiz Photomed wurde 1987 gegründet. Die Branche schloss sich damals zusammen, um die wissenschaftliche Forschung in allen Fragen der Photomedizin zu fördern und zu unterstützen. Photomed ist für seine Mitglieder eine wichtige Informationsplattform, stellt ihnen ökonomisches, Management- und Experten-Wissen zur Verfügung und unterstützt sie im Marketing. Photomed vertritt als Fachverband der Solariumanbieter und Sonnenstudios die Anliegen seiner Mitglieder sowohl in der Öffentlichkeit als auch vor den Behörden. Der Verband setzt sich für die Professionalisierung der Besonnungsbranche ein. Photomed ist auch auf der politischen Ebene aktiv, wo sich der Verband mit der Verbesserung relevanter Gesetze, Verordnungen, Normen, Verhaltens­regeln und Qualitätsstandards für die Besonnung in der Schweiz einsetzt. Der Verband ist gut vernetzt mit anderen Verbänden, Institutionen und Organisationen.

Photomed umfasst 80 aktive Mitglieder – dies sind 40 Prozent aller Sonnenstudios in der Schweiz. Dazu gehören Sonnenstudios, Kosmetikstudios, Hotels und Fitnesscenter mit Solarien, Importeure, Lieferanten und Servicedienstleister. Die Branche beschäftigt rund 1000 Personen und generiert jährlichen einen Umsatz von rund 60 Millionen Franken. CR