Publiziert am: Freitag, 20. Januar 2017

Von der Utopie zur Realität

VISIONEN WAHR MACHEN – Unternehmerinnen und Unternehmer denken das Unmögliche – und finden Möglichkeiten, Probleme zu lösen.

Visionen und Alltag stehen nicht im Widerspruch zueinander. Im Gegenteil: Sie leben voneinander. Dies zeigte auch der Auftakt zur 68. Gewerblichen Winterkonferenz in Klosters. Wie können Unternehmerinnen und Unternehmer völlig abstrakte Geschäftsideen entwickeln? Wie können sie sich kreativ verändern? Antworten auf solche Fragen gab der Hamburger Innovationscoach Gerriet Danz. «Regeln brechen – aber neue, eigene aufstellen», so sein Motto. Mit der gezielten Vergrösserung, Verkleinerung, Umdrehung, Kombination oder Umnutzung bestehender Produkte und Geschäftskonzepte liessen sich einfach neue unternehmerische Visionen aufstellen, so der Querdenker und Autor diverser Bücher zum Thema Innovation.

«Jedes Unternehmen kann es selber probieren: Wer nur einmal in der Woche einmal versucht, seine eigenen Aktivitäten kritisch zu überprüfen, ist bereits auf der Spur zur Kreativität.» Der Kernpunkt aller Innovation ist laut Danz: «Je mehr Freiheit und Selbstverantwortung man den Mitarbeitenden – und den Kunden – gibt, desto kreativer werden sie. Und sie werden im Sinne des Unternehmens kreativ.» Deshalb hält sich der Referent an das Motto der 1891 gegründeten US-amerikanischen Stanford-Universität. Es lautet – und zwar auf Deutsch und nicht auf Englisch: «Die Luft der Freiheit weht.»

Familienerlebnis statt bloss Müll

Wer verbindet schon die Wörter Paradies, Wellness und Erholung mit Recycling? Karin Bertschi, Geschäftsführerin des «Recycling Paradieses», tut es. Sie baute die familieneigene Müllverwertung zu einem Erlebnisort um. Gruppen und Schulen kommen heute vorbei, ja ganze Familienausflüge führen in ihre Anlage. Denn ihre Innovation war es, alles rund ums Recycling zu einem emotionalen Erlebnis zu machen. Wer zu ihr geht, sieht, riecht und fühlt die Wiederverwertung – und zwar ganz bewusst.

Woher aber kommen ihre Ideen? «99 Prozent meiner Ideen kann man nicht brauchen», gibt die Jungunternehmerin Karin Bertschi selber zu. «Aber wichtig ist, dass ich immer neue Ideen habe. Und noch etwas: Man muss verlieren können. Nicht jede Idee, die ich für super halte, kommt auch gut an. Das ist die Realität.»

Woher sie ihre besten Ideen hat, kann «Recyclingkönigin» Bertschi nicht ­genau sagen. Ihr ungewöhnlicher ­Lebenslauf – Jungunternehmerin, Soldatin, Grossrätin, Sportlerin und beinahe-Fernsehstar – ist sicher eine Quelle. Aber vor allem der Kontakt mit anderen Menschen ist ihr wichtig. «Ob Kunde, Mitarbeiterin oder einfach andere Leute – alle geben so viele gute Impulse.»

Müllverwertung ist natürlich nicht paradiesisch. Aber wenn man utopisch denkt und sich der Realität stellt, kann auch das Recycling zum Paradies werden. Sc