Publiziert am: 19.06.2015

Weder Scheine noch Münzen

WÄHRUNGEN – Bitcoins bestehen aus verschlüsselten Datenblöcken. Man kann mit ihnen kaufen, verkaufen und sie überweisen. Ein Bitcoin kostet derzeit um die 210 Schweizer Franken.

Was genau ist Bitcoin? Bitcoins sind eine Online-Währung. Damit kann man Sachen kaufen. So weit, so gut. Aber wie steht es mit den anderen «typischen» Eigenschaften des Geldes? Kann man mit Bitcoins nur bezahlen? Oder auch sparen? Gibt es Zinsen darauf? Ist Bitcoin die digitale Version des WIR?

Nicht klar definiert

Sucht man online in den eingängigen Szeneforen, wird Bitcoin zwar definiert. Aber keineswegs in klarer Weise: «Bitcoin nutzt Peer-To-Peer-Technologie, um ohne zentrale Autorität auszukommen; die Bearbeitung von Transaktionen und die Ausgabe von Bitcoins wird kollektiv durch das Netzwerk übernommen. Bitcoin ist Open-Source; das Design ist öffentlich, Bitcoin gehört niemandem und wird von niemandem kontrolliert. Jeder kann teilhaben. Durch viele seiner einzigartigen Eigenschaften eröffnet Bitcoin aufregende Nutzungsmöglichkeiten, die durch keines der bisherigen Zahlungssysteme abgedeckt sind.» Alles klar also? Wohl kaum. Angesichts von so viel in Sprache versteckter Verschwiegenheit macht es Sinn, Schritt für Schritt vorzugehen.

Konsum ja, Sparen vielleicht

Bei den Bitcoins handelt sich also um eine Währung, die weder Scheine noch Münzen kennt. Sie besteht aus berechneten, verschlüsselten Datenblöcken. Wie kommt man an sie ran? Bitcoins kauft man entweder mit herkömmlicher Währung an Bitcoin-Börsen oder man bietet Waren und Dienstleistungen an und akzeptiert Bitcoins als Zahlungsmittel. Es gibt kostenlose Programme – sogenannte «Bitcoin-Brieftaschen» (engl. «Wallets»). Dort können Bitcoins «gelagert», empfangen und gesendet werden. Will man unterwegs mit Bitcoins zahlen, muss man seine Bitcoin-Brieftasche entweder dabeihaben (Telefon, Tablet) oder den Betrag per Internet abbuchen lassen.

«ES GIBT KEIN ORGAN, DAS DIE WERTSTABILITÄT DER BITCOINS 
GARANTIERT.»

Wenn man damit kaufen kann, kann man sie auch überweisen. Wer Bitcoins verschicken will, braucht die Adresse des Empfängers und einen Überweisungsvermittler. Jeder Vermittler erhält für seine Dienste eine geringe Gebühr zugesprochen – in Bitcoins, natürlich. Je mehr Zwischenstellen einen Transfer absegnen, desto sicherer, aber auch teurer ist er. Nach ausgeführtem Transfer gibt es aber kein Zurück mehr – irrtümliche Überweisungen können nicht storniert werden.

Damit sind zwei typische Charakteristiken von Währungen erfüllt. Wie sieht es aber aus mit Sparen und Zinsen? Bitcoin ist eine sogenannt «deflationäre» Währung. D.h., ihre Umlaufsmenge ist von vorne herein begrenzt. Niemand kann sie erhöhen. Wenn es stimmt, dass ihre Menge nicht erhöht werden kann, dann stimmt es auch, dass sie nicht an Wert verliert. Damit eignet sie sich für Ersparnisse und sie braucht keine Zinsen, um Wertverlust zu kompensieren. Doch ob die beschränkte Menge wirklich beschränkt bleibt, kann derzeit niemand sagen.

Wer kontrolliert Bitcoin?

Niemand. Computer berechnen die Währung über komplizierte Formeln mit starker Verschlüsselung – dies wird «Mining» oder «Schürfen» genannt. Ein gewöhnlicher PC braucht für das Berechnen weniger Bitcoins aber mehrere Monate. Damit bleibt die Geldmenge im Computercode immer gleich. Und das macht sie «wertvoll». Ein Bitcoin kostet derzeit um die 210 Schweizer Franken.

Eines muss aber klar sein: Eine zentral verwaltende Bank oder eine Staatsstelle gibt es nicht, nur eine Bitcoin Foundation, welche die Technik hinter dem Geld weiterentwickelt. Somit ergeben sich die Vorteile, aber auch die Risiken der digitalen Währung. Positiv sind: Das Datengeld ist nicht nur weitgehend fälschungssicher, sondern es schützt auch die Anonymität der Besitzer. Weil kein Staat und keine Bank das Computergeld kontrollieren, kann der Wert nicht künstlich verfälscht werden. Der Wert richtet sich nur nach den Gesetzen der Marktwirtschaft.

Negativ ist: Es gibt kein Organ, das Wertstabilität garantiert. Und Konsumenten ohne Computer können die Währung gar nicht benutzen. Ausserdem profitieren kriminelle Elemente bei zwielichtigen Geschäften von der Anonymität. Und vor allem: Nur wenige nehmen heute Bitcoins als Zahlungsmittel an. Ob das mit der Schwierigkeit ihrer Definition zusammenhängt?Sc