Publiziert am: Freitag, 4. November 2016

Wie Baugerüste zu Mikado wurden Gefährliche Elemente

Naturgewalten können Baugerüsten wenig anhaben – mit einer 
grossen Ausnahme. Das musste 
eine bündnerische Gerüstbaufirma auf die harte Tour erleben.

Ein Betriebsausfall kann für KMU teuer werden. Gemäss Zahlen der AXA sind in der Sachversicherung Wasser- und Brandschäden die häufigste Ursache.

In der Nacht vom 16. auf den 17. September letzten Jahres schlief Simona Luzi kaum. Die Geschäftsführerin der Luzi Gerüste AG mit Sitz in Cazis (GR) sorgte sich um ihre montierten Baugerüste. Denn in der Gegend waren Sturmböen angesagt. «Schnee ist für uns kein Problem, Wasser nicht, Frost nicht. Aber bei starkem Wind kann trotz aller Sicherheitsvorkehrungen immer etwas passieren», erzählt sie. Doch wider Erwarten kam kein Anruf in der Nacht, am Morgen ging Simona Luzi erleichtert zur Arbeit. Doch sie hatte sich zu früh gefreut. Der Wind, der bereits in der Nacht stark gewütet hatte, verstärkte sich im Verlaufe des Morgens. Das war zu viel für einige Gerüste der Luzi Gerüste AG, welche exponiert auf einer Kuppe in Oberurmein, einem nahe gelegenen kleinen Ort, standen. «Ein Generalunternehmen aus der Region war daran, eine Siedlung von Ferienhäusern im Elementbau zu erstellen», erzählt die junge Geschäftsführerin. Beim Elementbau wird zuerst ein Baugerüst erstellt, woraufhin die in der Werkstatt vorgefertigten Wand- und später die Boden- und Dachelemente montiert werden. «Diejenigen Häuser, bei denen bereits Wandelemente vorhanden waren, waren etwas geschützt und blieben an Ort und Stelle. Bei sechs geplanten Häusern standen hingegen erst die Baugerüste – und diese klappten zusammen wie beim Mikado», erinnert sich Simona Luzi. Eine nahe gelegene Wetter­station zeichnete an diesem Morgen um 9 Uhr eine Windgeschwindigkeit von 155 km/h auf. Das Unternehmen hatte alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, doch einer solchen Elementargewalt waren die Baugerüste nicht gewachsen. Der Wind drückte Autoscheiben ein. «Ein Team von uns fuhr noch am selben Morgen nach Oberurmein, um sich ein Bild der Lage zu machen. Sie mussten sich festhalten, um nicht davongewindet zu werden, und konnten dem Schadenort nicht einmal nahe kommen», erzählt Simona Luzi. Tun konnten sie zu diesem Zeitpunkt natürlich nichts. In der Gegend wurden auch Bäume ausgerissen, eine einbetonierte Skilifttafel auf einem Metallrohr kippte um wie ein Strohhalm, bei einem Auto drückte der Wind die Scheibe ein – von allem hat Simona Luzi Fotos und staunt auch im Nachhinein noch über die Stärke der Naturgewalt. Vor allem anderen aber ist sie froh, dass beim Umfallen der Gerüste lediglich Sachschaden entstanden ist. «Zum Glück kamen keine Personen zu Schaden, da rückt alles Materielle in den Hintergrund.»

Alle gaben ihr Bestes

Noch am selben Tag meldete Simona Luzi den Schadenfall ihrem Versicherer AXA Winterthur, am nächsten Tag begannen sie mit Hochdruck mit den Aufräumarbeiten. «Viele Metallteile mussten wir zerlegen, dann schafften wir sie in Mulden und transportierten sie ab.» In den Mulden konnte Schadeninspektor Urs Cantieni kurze Zeit später die beschädigten Gerüstteile besichtigen. «Das Unternehmen wusste genau, was zu tun war», berichtet er. Alle rund 30 verfügbaren Mitarbeitenden packten an, wo sie konnten, und handelten koordiniert und rasch. «Bei allem Unglück war es enorm schön, zu sehen, wie alle in diesem Moment zusammenstanden und ihr Bestes taten, um zu helfen», erinnert sich Simona Luzi lächelnd. Der Schadenbetrag summierte sich bei den vielen Aluteilen, Winkeln und Schrauben schlussendlich auf über 100 000 Franken, davon waren fast 80 000 Franken Materialkosten. Denn Gerüste, die beschädigt sind, dürfen aus Sicherheitsgründen nicht wiederverwendet werden. Wobei sich solche Überlegungen bei den völlig verbogenen Teilen in diesem Fall sowieso erübrigten. Dazu hat die Luzi Gerüste AG auch die Arbeitskosten für das Wegschaffen des beschädigten Materials in ihrer Versicherung integriert, wofür Simona Luzi in dieser Situation dankbar war. Dankbar war sie auch für die unkomplizierte Abwicklung des Schadenfalls. Schadeninspektor Urs Cantieni kann das Kompliment nur zurückgeben: «Es lief alles wie am Schnürchen, ich hatte ja kaum etwas zu tun», schmunzelt er.

Massnahmen verhindern 
das Schlimmste

In den folgenden Tagen ging es für die Gerüstbaufirma geschäftig weiter. Die umgefallenen Gerüste mussten möglichst schnell mit Ersatzmaterial wieder montiert werden, ohne die anderen Baustellen zu vernachlässigen. «Die Bauleitung hatte zwar Verständnis für die Situation, kam aber wegen des Vorfalls etwas in Verzug mit ihrem Terminplan und drängte daher auf einen möglichst schnellen Wiederaufbau», so Simona Luzi. Sie und ihre Mitarbeitenden arbeiteten mit Hochdruck, auch am Samstag, so dass die Gerüste nach zwei Wochen wieder standen und der Bau der Ferienhäuser weitergehen konnte. Auch sonst beschäftigte die Aufregung um den Vorfall alle Mitarbeitenden der Luzi Gerüste AG noch länger; die Geschichten des Erlebten, die vorhandenen Fotos und Videos machten die Runde. Simona Luzi nutzte die Gelegenheit, ihre Angestellten noch einmal eindringlich auf die Sicherheitsbestimmungen einzuschwören. «Die umgefallenen Gerüste waren für uns alle eine eindrückliche Demonstration, was passieren kann. Auch wenn in diesem ­speziellen Fall die Naturgewalt allen Sicherheitsmassnahmen trotzte, können genau diese Sicherheitsmassnahmen in anderen Fällen das Schlimmste verhindern.»

Mirjam Eberhard

Betriebsunterbruch – ein Szenario, das KMU wohl um jeden Preis vermeiden möchten, denn Aufwand und Kosten sind je nachdem enorm. Jährlich bezahlt die AXA Winterthur für rund 180 Betriebsunterbrüche, durchschnittlich kostet ein Fall etwa 15 000 Franken. Je nach Art und Dauer des Unterbruchs – im schlimmsten Fall dauert dieser Jahre – kann ein Betriebsunterbruch infolge des Umsatzrückgangs aber Hunderttausende von Franken kosten.

Eine Auswertung aus der Sachversicherung der AXA Winterthur über die letzten fünf Jahre zeigt, welche Ursachen am häufigsten zu einem Betriebsunterbruch bei kleinen und mittleren Betrieben führen – und wie teuer diese im Verhältnis sind.

Die grösste Gefahr geht von Wasser aus. Wasserschäden sind die Ursache von fast der Hälfte aller Betriebsausfälle. «Wasser ist tückisch. Es kann beispielsweise von oberen Stockwerken kommen, durch das Dach eindringen oder sich aus einer Abwasserleitung im Keller zurückstauen», weiss AXA-Experte Fulvio Elia. «Wenn es von oben tropft, ist zudem häufig nicht klar, wo der Schaden wirklich entstanden ist.» Immerhin: Betriebsausfälle mit einem Wasserschaden als Ursache laufen meist glimpflicher bzw. günstiger ab als beispielsweise mit Ursache Brand.

Teure Brandschäden

Betriebsunterbrüche aus Brandschäden beanspruchten so mehr als die Hälfte der gesamten Schadensumme aus allen Betriebsunterbrüchen der letzten fünf Jahre – dabei machen sie nur einen Fünftel der Fälle aus. «Bei drei Viertel aller Betriebsausfälle mit Kosten über 100 000 Franken in den letzten Jahren war ein Brand die Ursache», so Fulvio Elia. «Brandschäden können verheerend sein und lange und teure Betriebsunterbrüche nach sich ziehen», so das Fazit des Experten.

Mehr Betriebsunterbrüche
im Sommer

Jeder zehnte Betriebsausfall ist auf einen Einbruchdiebstahl zurückzuführen. «Brechen Diebe im Winter in ein Sportgeschäft ein und stehlen die Ware, ist ein Betriebsausfall fast unweigerlich die Folge», verdeutlicht Fulvio Elia. Denn so rasch lässt sich der Laden meist nicht wieder mit modischer Ware füllen.

Hochwasser und Überschwemmungen waren in den letzten fünf Jahren die Ursache von lediglich sieben Prozent aller Betriebsausfälle. Auch die Schadensumme ist im Verhältnis eher klein. «Das hätte beispielsweise in den Hochwasserjahren 2005 und 2007 natürlich anders ausgesehen», relativiert Fulvio Elia. In den letzten Jahren blieb die Schweiz vor grösseren Elementarereignissen zum Glück verschont – im Gegensatz etwa zu Deutschland, das 2013 und dieses Jahr aus diesem Grund grössere Schäden zu vermelden hatte. Trotzdem, so zeigen die AXA-Zahlen, führten Unwetter und die daraus folgenden Schäden in den letzten fünf Jahren zu einer leicht höheren Zahl an Betriebsunterbrüchen im Sommer als in den übrigen Monaten.

Mirjam Eberhard

Empfohlene Versicherungen für KMU

Obligatorische Versicherungen sind die berufliche Vorsorge und die Unfallversicherung für die Mitarbeitenden. Versicherungsexperte Fulvio Elia empfiehlt zudem jedem Betrieb eine (Betriebs-/Berufs-) Haftpflichtversicherung und eine Sachversicherung (Brand, Elementarereignisse, Diebstahl oder Wasserschäden inkl. Betriebsunterbruch nach erfolgtem Sachschaden). Je nach Betrieb sind weitere Versicherungen ratsam. Zum Beispiel schützen viele Arbeitgeber ihre Mitarbeitenden mittels Krankentaggeldversicherung (Lohnfortzahlung bis 
2 Jahre). Je nach Branchenverband wird diese Versicherung sogar dringend empfohlen. Schützenswerte 
Einrichtungen wie Maschinen oder 
Informatik können gegen äussere und innere Schäden zusätzlich versichert werden. Bei Warenumschlag ist zu 
prüfen, wer für allfällige Transportschäden zuständig ist. Je nach Betriebstätigkeit macht es zudem Sinn, sich vor Rechtsstreitigkeiten mit einer Betriebsrechtsschutzversicherung abzusichern.

Betriebsunterbruch versichern

Eine Zusatzdeckung zur Sachversicherung schützt gegen die finanziellen Folgen eines Betriebsausfalls infolge Sachschaden. Versichert sind der Gewinnausfall für die Dauer des Betriebsausfall sowie anfallende Mehrkosten. Zur Vermeidung von Überraschungen als Folge einer Unterversicherung sollte der Umsatz im Versicherungsvertrag dem effektiv erzielten Umsatz im deklarierten Jahr entsprechen.