Publiziert am: 05.06.2015

Wie läuft das mit Zulagen?

VERSICHERUNGSRATGEBER – Familienzulagen sind bei Arbeitsverhinderung infolge Krankheit oder Unfall nur während des laufenden und der drei darauf folgenden Monaten geschuldet.

C.B. aus S.: Ich beschäftige in meiner Physiotherapie und Gesundheitspraxis zwei Therapeutinnen mit einem Teilzeitpensum. Eine der beiden ist seit einiger Zeit arbeitsunfähig und krankgeschrieben. Als Teilzeitbeschäftigte ist die Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern – bzw. einem sowie einem Jugendlichen in Ausbildung – neben ihrem Bruttolohn auch stark von den Familienzulagen abhängig. Weil sie nun seit knapp vier Monaten krank ist, will die Familienausgleichskasse ihre Leistungen einstellen. Meine Kranken-Taggeld-Versicherung (KTG), die ich über meine Praxis für meine Mitarbeitenden abgeschlossen habe, bezahlt die Familienzulagen nicht. Meine Mitarbeiterin muss deshalb fast nur noch mit der Hälfte ihres bisherigen Einkommens auskommen – ist das korrekt?

Sehr geehrte Frau B.: Ja, die Familienausgleichskasse ist berechtigt, ihre Zahlung nach monatelanger Krankheit einzustellen. Dabei stützt sie sich auf die eidg. Ausführungsverordnung über Familienzulagen: Die Familienzulagen sind im Falle einer Arbeitsverhinderung zufolge Krankheit oder Unfall nur während des laufenden und der drei darauf folgenden Monaten geschuldet. Die gesetzlichen Grundlagen basieren auf dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (FamZG) und der Familienzulagenverordnung (FamZV). Diese Grundlagen sowie die für die Kantone massgeblichen weiteren Bestimmungen können auf der Webseite des Bundesamtes für Sozialversicherungen abgerufen werden.

Viele private KTG-Versicherer rechnen die Zulagen ein

Der Versicherungsschutz für den kurzfristigen Lohnausfall ist in Krankheitsfällen in keinem Gesetz näher geregelt. Es bleibt damit der Praxis überlassen, wie die Versicherer den «versicherten Verdienst» in ihren Vertragsbedingungen (AVB) definieren und was zu diesem Verdienst dazu zählt. In der Regel wird auf den AHV-Bruttolohn abgestellt und dieser Betrag entspricht damit dem versicherten Verdienst. Im Vertrag Ihrer Physiotherapie dürfte dies der Fall sein – genauen Aufschluss finden Sie in den AVB oder bei Ihrem Berater. Inzwischen addieren viele private Kranken-Taggeld-Versicherer auch die Familien- bzw. Kinderzulagen zum versicherten Verdienst. Dies hat den Vorteil, dass die Zulagen im Krankheitsfall ebenfalls in die Entschädigung eingerechnet sind, die ausbezahlt werden kann.

Familienzulagen von 
beiden Elternteilen

Der aktuelle Leistungsfall Ihrer Mitarbeiterin basiert wohl auf dem reinen Bruttolohn – bessere Bedingungen eines anderen Versicherers können nicht mehr erwirkt werden. Ist der leibliche Vater der Kinder ebenfalls erwerbstätig? Dann wäre zu prüfen, ob er bei der Familienausgleichskasse die Kinder- und Ausbildungszulagen über seinen Arbeitgeber geltend machen kann. Da diese Zulagen gemäss FamZG vollumfänglich den Kindern zugute kommen sollen, müsste der leibliche Vater zusammen mit den Alimenten auch die Zulagen der erziehungsberechtigten Person anweisen. Die Höhe der Kinder- bzw. Ausbildungszulagen wird nach den kantonalen Grundlagen berechnet, in welchem der Arbeitgeber seinen Geschäftssitz hat. In Ihrem Fall ist eine Kinderzulage (Kinder bis 16 Jahre) und einen Ausbildungszulage (Kinder in Ausbildung zwischen 17 und 25 Jahren) zu veranschlagen.