Publiziert am: Freitag, 5. September 2014

Wieder leicht unter dem Schnitt

KMU-BAROMETER – Das Barometer der UBS fällt unter den Durchschnittswert: Die Lage bei den Industrieunternehmen hat sich ­wieder eingetrübt. Die Dienstleister dagegen sind nach wie vor optimistisch.

Nach einer kurzzeitigen Aufhellung bei den Industrieunternehmen hat sich die Lage wieder eingetrübt. Sowohl das KMU-Barometer wie auch das Barometer der Grossunternehmen lagen im Juli wieder leicht unter dem langjährigen Schnitt. Dagegen stuften die Dienstleistungsunternehmen aufgrund einer hohen Nachfrage und ­verbesserten Gewinnzahlen die Geschäftslage immer noch als gut ein.

Nachdem sich die wirtschaftliche Situation sowohl der Grossunternehmen als auch der Klein- und mittelgrossen Unternehmen (KMU) im zweiten Quartal noch stark verbessert hatte, mussten die Industrieunternehmen zu Beginn des dritten Quartals bereits wieder einen Rückgang hinnehmen. Im Juli lagen die Indizes sowohl der Grossunternehmen mit –0.02 Punkten als auch jener der KMU mit –0.09 Punkten leicht unter dem langjährigen Schnitt mit einem Wert von null Punkten. Sowohl bei den KMU wie auch bei den Grossunternehmen verschlechterte sich der Barometer vom April bis Juli um 0.42 Punkte. Getrieben wurde die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation bei beiden Unternehmensgrössen vor allem durch die Indikatoren Produktion und Bestellungseingang.

Sinkende Erträge in der Industrie

Neben dem Rückgang der beiden ­Indikatoren Produktion und Bestellungseingang mussten Industrieunternehmen eine weitere Verschlechterung der Ertragslage hinnehmen, ­wobei die Situation bei den Grossunternehmen angespannter war als bei den KMU. Obwohl sich die meisten Indikatoren abschwächten, stuften die KMU und die Grossunternehmen ihre allgemeine Geschäftslage immer noch als befriedigend ein. Bei den Grossunternehmen entspricht dies aber ­einer Verschlechterung, nachdem sie die wirtschaftliche Situation zu Beginn des Jahres noch als gut eingestuft hatten. Bei den KMU war die wirtschaftliche Situation seit einigen Monaten stabil. Zuvor hatten während zwei Jahren die KMU die Geschäftslage als schlecht bezeichnet.

Besser läuft es nach wie vor bei den Dienstleistungsunternehmen, die eher binnenorientiert sind. Die Dienstleistungsunternehmen schätzen die allgemeine Geschäftslage auch zu Beginn des Quartals als gut ein, wobei die Grossunternehmen ganz leicht schlechter tendierten als die KMU. Neben der nach wie vor hohen Binnennachfrage könnte auch die Ertragslage zum guten Geschäftsgang der Dienstleistungsunternehmen beigetragen haben. Während sich dieser bei den Grossunternehmen bereits seit Anfang 2013 kontinuierlich verbessert hat, drehten die Gewinne bei den KMU erst wieder zu Beginn des dritten Quartals des laufenden Jahres ins Positive.

Dynamik im Bau lässt nach

Der eher binnenorientierte Bausektor profitiert nach wie vor von tiefen Zinsen und der Zuwanderung, wobei die Unsicherheiten für die Unternehmen in letzter Zeit zugenommen haben. Die Dynamik liess zwar spürbar nach, dennoch stuften sowohl die Grossunternehmen als auch die KMU die Geschäftslage als gut ein. Immer noch schlecht beurteilen die Bauunternehmen aber ihre Gewinnzahlen, wobei hier in den letzten Monaten auf tiefem Niveau eine leichte Entspannung sichtbar wurde.

Vor allem die KMU im Detailhandel kämpfen mit sinkenden Erträgen, während sie sich bei den grossen Detaillisten auf dem Vorquartalsniveau stabilisierten. Der Detailhandel ist zwar ebenfalls binnenorientiert, verliert aber aufgrund des starken Schweizer Frankens immer noch viele Kunden ins nahe Ausland oder an den Onlinehandel. Allgemein bekunden die Grossunternehmen im Detailhandel weniger Mühe mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation als die KMU. Die Grossunternehmen rechnen immer noch mit steigenden Umsatzzahlen für das vierte Quartal, was auch ein Grund für die gute Beurteilung der allgemeinen Geschäftslage sein könnte. Bei den KMU hingegen sanken die Gewinne und auch die Geschäftslage wurde als schlecht eingestuft.

Tourismusbranche leidet

Mit ähnlichen Problemen wie der Detailhandel hat die Tourismusbranche zu kämpfen. Die starke einheimische Währung drückt nach wie vor auf die Anzahl der ausländischen Gäste, und Schweizer Urlauber zieht es ins Ausland. So verschlechterten sich die Umsatzzahlen sowohl der KMU als auch der Grossunternehmen im dritten Quartal. Auch die Gewinne waren schlechter als im Vorquartal. Dieser negative Trend der beiden Indikatoren drückte auf die Geschäftslage der Tourismusunternehmen, die weiterhin als schlecht beurteilt wurde.

Der Graben in der Schweizer Wirtschaft verläuft grundsätzlich nicht zwischen Grossunternehmen und KMU, sondern zwischen exportorientierten und binnenorientierten Branchen. Während sich die binnenorientierten Branchen wie der Bausektor im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld gut behaupten können, leiden exportorientierte Branchen nach wie vor unter einer schwachen ausländischen Nachfrage.

KOMMENTAR

Laut nachdenken…

Das grösste derzeitige Konjunkturrisiko für die Schweizer Wirtschaft? Ironischerweise ist es der wertvolle Schweizer Franken. Im Normalfall ist das ein gutes Zeichen: Starke Währung bedeutet starke Wirtschaft; sie bedeutet auch einen disziplinierten Staatshaushalt mit niedrigen Schulden. Derzeit ist es aber anders.

Um ihren Schulden zu entgehen und um ihre Wirtschaften zu subventionieren, pflegen die USA und die EU eine ultralockere Geldpolitik. Sie überfluten ihre Heimmärkte mit billigem Geld und niedrigen Zinsen. Investoren wissen: Viel Geldmenge und null Zinsen ist gleich Inflation. Also bringen sie ihr Geld in Sicherheit. Dafür suchen sie sich starke und disziplinierte Wirtschaften aus – wie die Schweiz. Doch dadurch steigt der Wert des Schweizer Frankens und die Exporte verteuern sich. Um sich vor diesem Mechanismus zu schützen, hat die Nationalbank (SNB) im Jahr 2011 die Kursuntergrenze zum Euro eingeführt. Das Problem: Die Schweiz wird dadurch an die unseriöse Geldpolitik der EU angebunden. Heute denkt die EU über eine noch grös­sere Erweiterung ihrer Geldmenge nach. Schon bei diesem Nachdenken hat sich der Franken gegenüber dem Euro gestärkt. Ökonomen rätseln immer noch darüber, wann die globale Geldschwemme zu Inflation führt. Besser wäre, darüber nachzudenken, wie der Teufelskreis des billigen Geldes durchbrochen werden kann.

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