Publiziert am: Freitag, 20. Februar 2015

«Wir brauchen viele helle Köpfe»

UNTERNEHMER DES JAHRES – Albert Baumann, Unternehmensleiter der Micarna und «Swiss Award»-Gewinner, setzt sich für Nachwuchsführungskräfte und die Berufsbildung ein. Eine attraktive Berufslehre ist für ihn die Lösung gegen den Fachkräftemangel.

Die Ausbildung liegt Albert Baumann sehr am Herzen. Als Unternehmensleiter der Micarna engagiert er sich in der Fleischbranche mit dem einzigartigen Lehrlingsprogramm mit der internen Lernenden-Firma Mazubi. Dafür wurde er vom Schweizer Radio und Fernsehen in der Kategorie Wirtschaft mit dem «Swiss Award» ausgezeichnet. Er sei sehr überrascht gewesen sowohl über die Nominierung als auch über die hochkarätige Auszeichnung, so der Unternehmer des Jahres. «Dies habe ich meinen Mitarbeitenden zu verdanken, die sich für unsere Kunden, unsere Firma und unsere Lernenden tagtäglich einsetzen. Deshalb widme ich diese Auszeichnung unserem Personal», betont Baumann. Er hoffe, dass dieser Preis es dem Betrieb wie auch der Lebensmittelbranche allgemein etwas einfacher mache, motivierten Berufsnachwuchs zu finden.

Innovativer Lehrbetrieb

Hauptsächlich in der Berufsbildung sieht der Unternehmer denn auch das Potenzial und die Zukunft der Branche. Hier müsse man ansetzen, um sowohl gegen den Fachkräftemangel zu kämpfen als auch anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfolgreich zu begegnen. «Ich denke, es ist wichtig, dass sich die Unternehmen ihrer Verantwortung in Sachen Berufsbildung bewusst sind. Wir müssen dafür sorgen, dass wir auch in Zukunft genügend Fach- und Führungspersönlichkeiten haben. Das können wir nur, wenn wir alles daran setzen, eine attraktive und erfolgreiche Berufslehre anzubieten», so Baumann. Und dafür engagiert sich die Micarna-Gruppe: Mit Projekten, wie beispielsweise der Lernenden-Firma Mazubi, werde den Jugendlichen die Möglichkeit geboten, über den Tellerrand hinauszublicken und wertvolle Erfahrungen für ihr Leben zu sammeln. «Mazubi» ist ein virtuelles Unternehmen innerhalb der Micarna, das von Lernenden betrieben und geführt wird und so den jungen Berufsleuten dabei hilft, ihren Rucksack fürs Berufsleben mit vielen Ideen, Wissen und Erfahrungen zu füllen. «Die Lernenden innerhalb des Unternehmens Mazubi kümmern sich vom Einkauf über die Produk­tion und Logistik bis zum Marketing und Verkauf um alle Geschäftsbereiche und entwickeln und produzieren reale Produkte. Das Unternehmen konzentriert sich dabei hauptsächlich auf die Wirtschaftlichkeit, das Verantwortungsbewusstsein, die Kreativität und die Entfaltung eigener Fähigkeiten», erklärt Baumann.

«Es ist wichtig, dass sich die Unternehmen ihrer Verantwortung in der Berufsbildung bewusst sind.»

Gegenwärtig beschäftigt die Micarna SA in Bazenheid 46 Lernende, unternehmensweit 114. Allein in Bazenheid werden 14 Lehrberufe für Frauen und Männer angeboten. «Wichtiges strategisches und unternehmerische Ziel ist für uns, bis 2020 125 Auszubildende zu beschäftigen», sagt Baumann und ergänzt: «Wir profitieren heute von unsrem langjährigen Einsatz in der Berufsbildung. Es ist aber gerade branchenbezogen so, dass auch wir in den Lebensmittel-Berufen immer Nachwuchskräfte suchen.» Das liege sicherlich auch am schlechten Image gewisser Berufe. Dabei werde gerne vergessen, dass Fleischfachmann zu sein schon lange nicht mehr bedeutet, nur «mit Fleisch» zu arbeiten. «Wir sind Partner der Schweizer Landwirtschaft, wir sind Produzent und Konsument. Uns liegen Natur und Tierwohl am Herzen. Darum setzen wir uns für eine nachhaltige Wertschöpfungskette ein. Wir schliessen Kreisläufe, unser Ziel ist es, der ressourceneffi­zienteste und nachhaltigste Fleischbetrieb Europas zu sein», konkretisiert der Fleischfachmann.

Transparenz als wichtiger 
Führungsgrundsatz

Für die zahlreichen Aufgaben in der Fleischverarbeitung brauche es «helle Köpfe», welche fachkundig, verantwortungsvoll und engagiert mit höchst sensiblen und verderblichen Nahrungsmitteln umgehen können. Baumann hat selber eine Metzgerlehre absolviert und kennt sich bestens in der Fleischbranche sowie mit ihren Karrieremöglichkeiten aus. «Fleischfachmann sein» – das bedeute, einen Beruf auszuüben mit Tra­dition und grosser Verantwortung, einen Beruf, der viel Leidenschaft und Engagement verlange. Fleischfachmann sei auch heute noch und vielleicht immer mehr, ein Beruf mit unzähligen Facetten, spannenden Themen und vor allem auch ein Beruf mit Zukunft. «Egal ob als Fleischfachmann oder als Unternehmensleiter, wer in seinem Bereich Erfolg haben will, braucht Ehrgeiz, Ausdauer und viel Engagement», so die Unternehmensphilosophie von Baumann. «Unternehmertum hat auch ganz viel mit Sport zu tun. Nur wer mit vollem Einsatz hinter seinem Projekt steht, kann und wird langfristig Erfolg haben.» Erfolg hätte drei Buchstaben: «Tun.» «Wer Leistung will, muss Sinn bieten» – dies der Grundgedanke des erfolgreichen Unternehmers für seinen persönlichen Führungsalltag. Das gelte sowohl für die tägliche Arbeit wie für die Weiterbildung.

«Unsere Unternehmenspolitik zeigt auf, was wir in Zukunft wollen und warum wir dies wollen. Unser eigenes stufengerechtes Ausbildkonzept ist ebenfalls darauf ausgerichtet, dass alle verstehen, was für Ziele wir haben», erläutert der Patron.

«Unternehmertum hat auch ganz viel mit Sport zu tun.»

Die «Warum-Frage» sei die Wichtigste, die er sich immer wieder stelle, und die Antwort darauf müsse gegenüber den Mitarbeitenden kommuniziert werden. «Sagen, was wir tun und tun, was wir sagen» sei ein weiterer seiner Führungsgrundsätze, erklärt Baumann.

Qualität darf nicht unter 
dem Preisdruck leiden

Nachhaltigkeit, Glaubwürdigkeit und der Umgang mit dem Preis-Leistungs-Druck seien die grössten Herausforderungen in der Fleischbranche. «Schweizer Qualitätsmerkmale dürfen nicht unter dem stetigen Preisdruck leiden», ist Baumann der festen Überzeugung. Das Nachhaltigkeitsverständnis der bedeutendsten Fleisch- und Seafood-Produzentin der Schweiz begrenze sich nicht nur auf die Produktionsstandorte der Micarna-Betriebe selbst, sondern gelte für die gesamte Wertschöpfungskette: Vom Futteranbau und Produktion bis zum Konsum, beziehungsweise der Verwertung und dem Recycling. «Nur eine solch ganzheitliche Betrachtung wird den heutigen und zukünftigen Ansprüchen von Kunden, Mitarbeitenden und Interessensvertretern gerecht», ist Baumann überzeugt.

«Der Franken-Schock bestärkt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Und wie geht die Micarna-Gruppe mit den immer härteren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sprich dem starken Franken, um? «Wir haben immer versucht, unsere Hausaufgaben zu machen. Frankenstärke hin oder her, nun ist die Situation so, wie sie ist. Die neue Ausgangslage bestärkt uns, dass wir auf dem richtigen strategischen Weg sind. Einige Themen, die wir in Arbeit haben, werden beschleunigt, und dies ist gut so», erklärt Baumann. Von Lohnkürzungen in diesem Zusammenhang halte er nichts.

Er könne sich aber vorstellen, gemeinsam mit den Mitarbeitern ein leistungs- und zielorientiertes Lohnsystem auszuarbeiten und so eine Situation anzustreben, in der alle gewinnen würden. «Es geht dabei darum, dass wir zusammen mit unseren Partnern Kreisläufe in der Vollverwertung schliessen und so nachhaltig Synergien nutzen. So können wir gemeinsam weitere Kosten sparen und der Schweizerischen Landwirtschaft neue Perspektiven geben.» Bezüglich politischer Unterstützung hofft er, dass in diesem Herbst die richtigen Vertreterinnen und Vertreter mit ­einer gewerbefreundlichen Haltung gewählt werden.

Corinne Remund

MICARNA-GRUPPE

Führender Fleischverarbeiter

Die Micarna-Gruppe ist der führende Fleischverar­beiter der Schweiz. Hochwertige Fleisch-, Geflügel- und Fischprodukte zu einem wettbewerbsfähigen Preis zu liefern, ist ihre Kernaufgabe. «Ein gutes Stück besser» als Versprechen nach aussen und Verpflichtung nach innen. Die Micarna-Gruppe übernimmt Verantwortung gegenüber Konsumentinnen und Konsumenten und als vorbildliche Arbeitgeberin. Sie setzt sich konsequent für den Tier- und Umweltschutz ein und arbeitet mit Lieferanten und Geschäftspartnern partnerschaftlich Hand in Hand. Mit über 4500 verschiedenen Produkten bietet das Schweizer Traditionsunternehmen eine einmalige Vielfalt mit einer grossen Auswahl an regionalen und saisonalen Delikatessen. Im vergangenen Jahr realisierte die gesamte Micarna-Gruppe mit seinen mehr als 2900 Mitarbeitenden einen Umsatz von 1341 Millionen Franken.