Publiziert am: 11.12.2020

«Wir müssen Gas geben»

SWICO – Der Verband der Digitalisierer ist als Netzwerk in der ICT-Landschaft der Schweiz einzigartig, setzt er sich doch als «Dienstleistungsfabrik» für seine Mitglieder ein. Dazu gehört, die digitale Transformation auf politischer Ebene voranzutreiben – denn eine langfristige Perspektive fehlt dort noch.

Die Online- und ICT-Branche ist in den letzten Jahren stark gewachsen, und ihre Dienstleistungen sind für Industrie und Wirtschaft zur Grundinfrastruktur geworden. Mit zahlreichen Start-ups und neuen Unternehmen in dieser Branche hat ein grosser Innovationsschub stattgefunden. Diese globale Dynamik beeinflusst auch den Schweizer Wirtschaft- und Industriestandort stark. Die Investitionen in alle wichtigen ICT-Technologietrends für die Schweiz steigen gemäss dem Wirtschaftsverband für die digitale Schweiz, Swico, auch weltweit in den nächsten Jahren. Dazu Swico-Geschäftsführerin Judith Bellaiche: «Die höchste Dynamik weisen Cloud, Big Data, Internet of Things sowie Augmented, Virtual und Mixed Reality auf. Bemerkenswert ist auch die Prognose für Internet of Things (IoT) mit über 800 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020. Dieses ergibt sich aus der Fülle der benötigten Elemente – vom Sensor bis zur Analysesoftware.» Die hauseigene Publikation «House view» zeigt: Die wichtigsten Trends für Finanzdienstleister, die öffentliche Verwaltung und Versicherungen sind Cloud, Plattformen, Cybersecurity und Big Data. «Die ICT- Branche selbst investiert vor allem in die Trends Cloud, Plattformen und Cybersecurity», weiss Bellaiche. IoT ist für Verkehr, Logistik sowie Maschinen- und Fahrzeugbau inte­ressant.

Die Pandemie hat der Digitalbranche einen zusätzlichen Wachstumsschub verpasst. Dies bestätigt auch Bellaiche: «Wir haben das bei Swico auf diversen Ebenen gespürt, und im Herbst war die Wachstumsgrenze in vielen ICT-Bereichen wieder erreicht. Grosse Themen sind die IT-Sicherheit, etwa im Hinblick auf das zunehmende Homeoffice. Aber auch die Nachfrage nach Hardware ist gestiegen, und einige unserer Mitglieder haben dadurch mehr Arbeit.»

Die Corona-Krise veranschaulichte zudem auch die enorme Bedeutung von Daten für die weitere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Die Zürcher glp-Nationalrätin erklärt weiter: «Der Stellenwert von Daten für Innovation und Wachstum nimmt weiter zu. Einerseits liefern Daten wichtige Erkenntnisse für die Verbesserung bestehender Produkte, darüber hinaus werden gänzlich neue, datenbasierte Lösungen und Geschäftsmodelle möglich.» Generell ist zu beobachten, dass die grossen Unternehmen beim Big-Data-Einsatz voranschreiten, während viele KMU sich abwartend verhalten. «KMU bieten hier noch viel Marktpotenzial.»

An der Spitze aller Trends steht Cloud. «Cloud ist mittlerweile für einen Grossteil der Unternehmen – auch KMU – weniger Zukunftsmusik als vielmehr Standard in der unternehmenseigenen IT-Infrastruktur», so Bellaiche. Als Basistechnologie wird der Einsatz der Cloud überall dort diskutiert, wo es um die Digitalisierung von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen geht, um den Einsatz sogenannter Emerging Technologies, wie beispielsweise künstliche Intelligenz oder Blockchain oder um Bildung digitaler Geschäftsmodelle oder Plattformen. «Für Unternehmen ergeben sich aus der Cloud-Nutzung insbesondre Kostenvorteile durch die Abrechnung nach Nutzen und Nutzungsdauer von Cloud-Diensten.»

Swico-Recycling – Rücklaufquote 95 Prozent

Ein grosses Anliegen ist Swico die Nachhaltigkeit. «Wir setzen auf Eigenverantwortung und Selbstregulierung. Daraus ist das Swico-Recycling entstanden – ein nicht gewinnorientiertes Rücknahmesystem für ausrangierte Elektro- und Elektronikgeräte aus den Bereichen Informatik, Unterhaltungselektronik, Büro, Kommunikation, grafische Industrie sowie Mess- und Medizinaltechnik. Inbegriffen ist dabei eine saubere Entsorgung, welche wir für die Hersteller organisieren und gewährleisten.» Dabei liegt die Rücklaufquote bei 95 Prozent – seit Jahren ein grosser Erfolg. «Wir sind hier weltweit Spitzenreiter – in Europa beträgt die Rücklaufquote 35 Prozent, weltweit 20 Prozent.»

«Wir haben in der Schweiz bezüglich Digitalisierunginsbesondere innerhalb der Verwaltung und der Bildung Nachholbedarf.»

Der engagierte Verband setzt sich auch für die Nachwuchsförderung ein. Er unterstützt mit anderen Verbänden, wie zum Beispiel ICT Switzerland, indirekt die Grundbildung der ICT-Berufe. Anfang Jahr hat der Wirtschaftsverband zudem mit dem «Swico ICT Campus» ein Zeichen gegen den Fachkräftemangel gesetzt. Dabei hat er mit dem Förderverein ICT Scouts/Campus eine strategische Partnerschaft beschlossen und in Zürich einen Campus zur Förderung von ICT-Talenten eröffnet. Der Förderverein ICT Scouts/Campus funktioniert nach einem einzigartigen Modell: Er scoutet in Schulen der Mittelstufe systematisch nach Jugendlichen, die eine Affinität zu MINT-Themen aufweisen. «Dabei geht es nicht etwa um Mathematiknoten, sondern vielmehr um logisches und analytisches Denkvermögen und die Freude am Erkennen von Zusammenhängen. Dank diesem systematischen Vorgehen konnten die ICT-Scouts bereits Hunderte von Jugendlichen für MINT-Berufsbilder begeistern. 50 Prozent der ausgesuchten Talente sind Mädchen», freut sich Bellaiche.

Noch viel Luft nach oben

Der Verband vertritt die Branche auf politischer Ebene und ist dort strategisch gut aufgestellt. So werden die ICT-Industrie und ihre Anliegen in parlamentarischen Gruppen vertreten. Ebenso begleitet Geschäftsführerin Judith Bellaiche seit 2019 als Nationalrätin die Dossiers der Digitalisierung im Parlament. «Wir haben in der Schweiz bezüglich Digitalisierung insbesondere innerhalb der Verwaltung und der Bildung Nachholbedarf. Auch 5G ist ein grosses Thema. Wir müssen hier Gas geben, viele andere Nationen – gerade im asiatischen Raum – sind uns hier meilenweit voraus», stellt die digitalaffine Zürcherin fest. Leider fehle hier eine langfristige Perspektive. «Die Kontinuität fehlt beim Thema digitale Transformation. Digitale Kompetenzen sind heute unerlässlich, und sie müssen dringend auf die Agenda der Politik kommen», fordert sie weiter.

Corinne Remund

www.swico.ch

DAS MACHT SWICOEigenverantwortung istgrossgeschrieben

40 Milliarden Umsatz

Swico ist der Dachverband der ICT- und Onlinebranche und er vertritt die Interessen etablierter Unternehmen und Start-ups in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Als Swico 1989 gegründet wurde, rekrutierte er seinen Genpool aus vier Verbänden, von welchen der 1940 gegründete Bürofachverband der bedeutendste war. 2004 wurde mit der Swiss Consumer Electronics Association einerseits der Bereich Unterhaltungselektronik in Swico integriert, andererseits auch die Hersteller der Druckindustrie. 2011 folgte die Fotobranche, ehemals imaging.ch. Damit war die Arrondierung der ICT-Branche im Bereich Hardware vollendet. Mittlerweile ist die gesamte ICT-Wirtschaft unter dem Dach von Swico vereint, wurde doch 2016 der Service-Management-Verband (AFSM) vollständig übernommen. Auch EuroCloud Swiss wurde integriert, und 2018 stiessen mit der Swiss Internet Industry Association mehrere Duzend Hoster und Webagenturen neu zu Swico. Die Swico-Mitglieder sind vielfältig, entsprechend gross ist auch die Schnittmenge gemeinsamer Interessen, Anliegen und Herausforderungen. Deshalb sind die Mitglieder bestens vernetzt und engagieren sich in Interessengemeinschaften, Circles oder Kommissionen.

Eigenverantwortung istgrossgeschrieben

Der Branchenverband setzt stark auf Eigenverantwortung. Dazu erarbeitet er mit seinen Mitgliedern Empfehlungen in verschiedenen Bereichen, sammelt oder dokumentiert Best Practices und stellt seinen Mitgliedern auch erprobte Selbstregulierungsinstrumente und Mustervorlagen zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise die Swico-Branchenlösung für Arbeitssicherheit, der Swico-Verhaltenskodex, Digitale Ethik etc. Ebenso engagiert sich der Verband auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene, wo er sich für die Anliegen der Branche einsetzt. Dazu gehört auch eine aktive Medienarbeit.

Die über 650 Mitgliederfirmen von Swico beschäftigen 56000 Mitarbeitende und erwirtschaften jährlich einen Umsatz von 40 Milliarden Franken. Sie decken die Wertschöpfungsstufen digitaler Geschäftsmodelle ab und umfassen insbesondere Hardware, Software, Hosting, IT-Services, Consulting, Digitalmarketing und -kommunikation. Dazu gesellen sich stark digital ausgerichtete Branchen wie die Heimelektronik, die Foto-, Film- und Druckbranche.

CR

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