Publiziert am: Freitag, 6. April 2018

«Wir passen uns der Realität an»

FELIX WEBER – Der Vorsitzende der Geschäftsleitung will die Suva dank einer neuen Strategie effizienter machen. Wie vor 100 Jahren, nach der Industrialisierung, befinde sich die Gesellschaft aufgrund der Digitalisierung auch heute in einem radikalen Wandel.

Schweizerische Gewerbezeitung: Herr Weber, die Suva wird 100 Jahre alt, ist finanziell kerngesund: Wozu braucht sie eine neue Strategie?

Felix Weber: Mit der neuen Strategie reagieren wir auf die kommenden Herausforderungen. Das Erfolgsmodell Suva hat die Unfallversicherung in der Schweiz die vergangenen 100 Jahre massgeblich geprägt. Es dient als starke Basis. Aber wir müssen die Suva weiterentwickeln.

 

Wo sehen Sie Potenzial?

 Wir müssen noch effizienter werden. Und wir stellen die Prävention verstärkt ins Zentrum unseres Modells.

 

Sie sind doch bereits erfolgreich mit Ihrer Präventionsarbeit? Die Zahl der Arbeitsunfälle nimmt kontinuierlich ab.

 Das stimmt. Wir verzeichnen bei den Berufsunfällen einen erfreulichen Rückgang, dafür geht die Entwicklung bei den Freizeitunfällen in die andere Richtung. Bei der Gründung der Suva machten die Freizeitunfälle nur gerade 12 Prozent aller anerkannten Fälle aus. Heute sind es 60 Prozent. Deswegen denken wir Prävention von nun an gesamtheitlich. Denn ein Arbeitnehmer fehlt im Betrieb auch nach einem Freizeitunfall. Wir passen die Präventionsarbeit der Realität an.

 

Welche Herausforderungen gehen Sie an?

 Unsere Gesellschaft ist in einem radikalen Wandel. Ähnlich wie vor mehr als 100 Jahren. Damals legte die Industrialisierung erst die Grundlage für die Gründung der Suva. Heute verändert die Digitalisierung unseren Alltag, unsere Arbeitswelt und die Realität unserer Versicherten grundlegend. Dies wirft gerade auch bezüglich Prävention und Arbeits­sicherheit neue Fragen auf, die es zu beantworten gilt.

 

Roboter und Automatisierung verdrängen die Arbeitnehmenden.

 Sie verändern Arbeitsprozesse. In vielen Bereichen hat die Automatisierung dazu beigetragen, dass die Zahl der Arbeitsunfälle rückläufig ist. Aber es gibt auch neue Möglichkeiten. Vor zehn Jahren hätte noch niemand gedacht, dass wir jederzeit ein Handy in der Hosentasche haben, das eine stärkere Leistung hat als ein Laptop von damals. Diese Möglichkeiten müssen wir nutzen und auch in unsere Präventionsarbeit einfliessen lassen.

 

Radikal gedacht: Wenn alle Arbeiten von Robotern ausgeführt werden, dann braucht es gar keine Suva mehr?

 Eine derart radikale Veränderung würde die Gesellschaft als Gesamtheit betreffen. Unser ganzes Sozialsystem basiert auf dem Menschen, seiner Arbeitskraft und seiner Entlöhnung. Im Moment sehe ich vor allem, dass wir die Möglichkeiten der neuen Technologie nutzen müssen.

Inwiefern?

 Die Digitalisierung hilft uns wesentlich, unsere Effizienz zu steigern. In der Schadenabwicklung, in der Kommunikation mit unseren Kundinnen und Kunden. Die Suva muss auch zukünftig ihre Aufgabe erfüllen und ihren Beitrag für einen konkurrenzfähigen Werkplatz leisten, wie sie das über 100 Jahre erfolgreich gemacht hat.

 

Wie wird sich die Aufgabe der Suva verändern?

 Die Kernaufgabe der Suva wird bleiben. Wir machen Arbeit und Freizeit sicher. Ändern wird sich das «Wie».

Interview: ZVG