Publiziert am: 21.03.2014

«Wir spüren den Kostendruck der Gastronomie»

INTERVIEW ZUM MINDESTLOHN – Bereits jetzt ist es schwierig, ­gegenüber polnischen Champignons konkurrenzfähig zu bleiben.

Gewerbezeitung: Was haben Sie in Ihrem ersten Job verdient?

n Roland Vonarburg:Ich habe auf dem Bauernhof meiner Eltern beim Bohnenablesen 40 Rappen pro Kilo erhalten. In einer Stunde schafft man rund zehn Kilo.

Gerade für die Landwirtschaft hätte der Mindestlohn grosse Auswirkungen, die der Kunde spüren würde. Ihre Branche siedelt sich zwischen Landwirtschaft und Produktion an. Ist Ihr Unternehmen direkt davon betroffen?

n Ein staatlich vorgeschriebener Min-destlohn wäre für die Kollegen in den grenznahen Gebieten eine Katastrophe, da sich deren Löhne nach den landwirtschaftlichen Normalarbeitsregelungen von 12 Franken pro Stunde bei einer Arbeitswoche von 56 Stunden richten. Wir sind nur teilweise betroffen. Wir sind zwar ein landwirtschaftlicher Betrieb, der sich in der Gewerbezone befindet. Dem-entsprechend orientieren wir uns auch an den gewerbebetrieblichen Löhnen, wie sie beispielsweise für Fliessbandarbeit bei Firmen in der Region gezahlt werden.

«Irgendeinmal wird der Kunde das nicht mehr bezahlen.»

Woher stammen Ihre Mitarbeitenden, und wie sieht die Lohnsituation in Ihrem Unternehmen aus?

n Hier arbeiten Leute aus 15 verschiedenen Nationen. Viele von ihnen erhalten einen Mindestlohn. Eine ungelernte 19-jährige Pflückerin, die hier bei uns eine Anlehre macht, verdient ca. 3400 Franken plus 13. Monatslohn. Nach fünf Monaten Pflücken kommt aber das Prämiensystem zum Zug. Pro Stunde werden zwischen 17 und 25 Kilogramm Champignons gepflückt. Eine durchschnittliche Pflückerin mit 21 Kilogramm in der Stunde kann bei einem 100-Prozent-Pensum 4000 Franken verdienen. Sehr gute Pflückerinnen mehr, durchschnittliche weniger. Wenn wir neue Pflückerinnen suchen, so könnten wir hunderte anstellen, der Lohn ist nie ein Thema. Es gibt auch Mitarbeiterinnen, die mit einem geringen Lohn als Pflückerin begonnen haben und mittlerweile im Büro die Bestellungen respektive als Ernteleiterin 80 Frauen managen, und natürlich mehr als einen Mindestlohn verdienen.

Welche Auswirkungen hat ein Mindestlohn auf die KMU-Wirtschaft?

n Wir wären noch weniger konkurrenzfähig. Die Migros beispielsweise verkauft M-Budget-Champignons aus Polen für 5 Franken, unsere Champignons kosten jetzt 12 Franken und würden dann noch teurer. Irgendeinmal wird der Kunde das nicht mehr bezahlen. Da wir im Unterschied zum Ausland in der Gewerbezone sind, haben wir ganz andere Rahmenbedingungen, als das im Ausland der Fall ist. Zudem besteht für Pilze kein Grenzschutz oder Direktzahlungen, wie dies in der Landwirtschaft üblich ist.

Die Grenzen sind offen, jeder kann Champignons importieren. Dies spüren wir besonders im Gastgewerbe, welches stark unter Preisdruck steht und so gerne auf Champignons aus Polen zurückgreift. Dort betragen die Pflückkosten pro Kilogramm 12 Rappen, bei uns 1.08 Fr. pro Kilo. Wir haben da jetzt schon praktisch keine Chance, konkurrenzfähig zu bleiben.

Nicht übersehen darf man, dass der Mindestlohn zu einer Lohnverschie-bung führt und dies weit über die 4000 Franken hinausgeht. Denn die Löhne müssen nach oben angepasst werden. Die Einhaltung der Mindestlöhne müsste ja auch irgendwie kontrolliert werden. Dies wiederum würde für KMU zu noch mehr Bürokratie führen. Interview: CR