Publiziert am: 23.05.2014

Zielstrebigkeit spricht Männer an

STELLENSUCHE – Frauen bewerben sich nicht auf «männliche» Stellenbeschriebe. 
Dies zeigt eine Studie der Technischen Universität München.

Schon die Formulierung der Stellenausschreibung kann entscheidend sein, ob eine Frau oder ein Mann den Job bekommt – weil sich Frauen im Zweifel gar nicht erst bewerben. Dies zeigt eine Studie der Technischen Universität München. Frauen fühlten sich laut dieser Studie, häufig von verwendeten Begriffen wie «zielstrebig» und «durchsetzungsstark» weniger angesprochen, weil diese mit männlichen Stereotypen verbunden sind.

«Wir haben so wenige Frauen auf Führungspositionen, weil wir so wenige gute Bewerbungen bekommen.» Immer häufiger hört man diese Klage aus Unternehmen. Nur eine Ausrede? In der Studie zeigten die Forscherinnen rund 260 Testpersonen fiktive Anzeigen. Ausgeschrieben wurde dort beispielsweise ein Platz in einem Qualifizierungsprogramm für angehende Führungskräfte. Waren in der Ausschreibung viele Eigenschaften genannt, die mit Männern in Verbindung gebracht werden, fühlten Frauen sich weniger angesprochen und wollten sich seltener bewerben. Zu diesen Eigenschaften zählen etwa «durchsetzungsstark», «selbstständig», «offensiv» und «analytisch». Stärker angesprochen fühlten sich Frauen von Wörtern wie «engagiert», «verantwortungsvoll», «gewissenhaft» und «kontaktfreudig». Für männliche Testpersonen machte der Ausschreibungstext dagegen keinen Unterschied.

Weniger Führungskompetenz?

«Eine sorgfältig formulierte Stellenausschreibung ist die Voraussetzung für eine optimale Personalauswahl», sagt Studienleiterin Claudia Peus, vom Fachgebiet für Forschungs- und Wissenschaftsmanagement. «Es macht zwar meist keinen Sinn, alle männlich besetzten Formulierungen einfach wegzulassen. Aber ohne ein zumindest ausgewogen formuliertes Profil rauben sich Organisationen die Chance auf gute Bewerberinnen. Denn die Stereotype wirken trotz aller gesellschaftlichen Veränderungen fast unverändert weiter.»

Ob Frauen überhaupt der Wille zur Führung zugetraut wird, hängt stark von den Emotionen ab, die sie zeigen. So lautet die allgemein verbreitete Vorstellung. Chefs sollten ab und zu Ärger zeigen, um sich zu behaupten. Um diese Klischees zu prüfen, zeigten die Wissenschaftlerinnen mehr als 500 Testpersonen Videos oder Szenarien in Text und Bild, in denen eine Führungskraft ein negatives Geschäftsjahr vor den Mitarbeitern zusammenfasst. Die Vorgesetzten zeigten entweder Ärger, Trauer oder keine Emotion.

Ein «Danke» bringts

Die verärgerten Führungskräfte zogen ihre Macht nach Einschätzung der Testpersonen vor allem aus der Androhung von Strafen und durch die Betonung ihres Status. Weniger als diejenigen Führungskräfte, die Trauer oder Emotionen zeigten, erlangten sie Macht, indem sie anderen ihre Wertschätzung zeigten. Ärgerliche Vorgesetzte verloren also zwischenmenschlich.

Also: Ein «Danke» bringt nicht nur im «richtigen», sondern auch im Arbeitsleben viele Vorteile. Je häufiger es die Vorgesetzten aussprechen, desto zufriedener sind die Mitarbeiter sowohl mit ihren Chefs als auch generell mit ihrem Job.