Publiziert am: Freitag, 4. Mai 2018

«Zum Jubeln ist es noch zu früh»

GASTROSUISSE – Eine verbesserte Konsumentenstimmung, eine steigende Konjunktur sowie der abgeschwächte Franken sorgen für Zuversicht im Gastgewerbe. Für eine dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit braucht es jedoch einen nachhaltigen Aufschwung.

«Es gibt Lichtblicke», freut sich GastroSuisse-Präsident Casimir Platzer vor den Medien in Bern. Der Branchenverband GastroSuisse verkündet nach mehreren Jahren des Umsatzrückgangs im Gastgewerbe erstmals wieder positive Ergebnisse. Der Umsatz des Ausserhaus-Konsums betrug im Jahr 2017 insgesamt 23,6 Milliarden Franken, was im Vergleich zum Vorjahr einem Wachstum von 5,6 Prozent entspricht. Doch Platzer relativiert, noch sei das Gesamtbild der Branche sehr durchzogen und regional verschieden. «Zum Jubeln ist es aber noch zu früh. Die letzten Jahre waren eine harte Schule und haben die Branche viel Substanz gekostet», so Platzer. «Um wieder dauerhaft wettbewerbsfähig zu werden und investieren zu können, braucht es ­einen nachhaltigeren Aufschwung.» Dabei sei sich die Branche bewusst, versichert er, dass sie den Wandel antizipieren müsse. «Aber auch die Politik muss ihren Beitrag leisten.» Dabei nannte der Verbandspräsident notwendige Massnahmen für mehr Beschaffungsfreiheit sowie weniger Regulierungskosten und Marktverzerrungen.

Gleich lange Spiesse

Besondere Aktualität hat für die Branche zurzeit die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, die am 1. Juli 2018 abgeschlossen sein soll. Relevant für die Meldepflicht ist die durchschnittliche nationale Arbeitslosenquote, deren Berechnung sich auf die Schweizerische Berufsnomenklatur 2000 abstützt. «Diese weist jedoch grundlegende Mängel auf», erklärt Platzer. So macht zum Beispiel die Berufsart «Küchenpersonal» keinen Unterschied zwischen Fach- und Hilfskräften. Auch werden Berufsabschlüsse und Ausbildungsprofile der arbeitslosen Personen nicht berücksichtigt. «Die fehlende Differenzierung führt zu einer Verfälschung der Arbeitslosenquote, was inakzeptabel ist», so Platzer, selber Hotelier in Kandersteg.

Eine Korrektur von Ungleichbehandlung und gleich lange Spiesse in der Praxis fordert Casimir Platzer für die traditionelle Beherbergung im Vergleich zu Airbnb-Anbietern. «Das betrifft vor allem Steuern, Abgaben, Meldepflicht, Hygiene- und Sicherheitsvorschriften. Es muss unbedingt eine konsequentere Unterscheidung durchgesetzt werden zwischen privaten Gelegenheitsanbietern von Zimmern und professionellen und kommerziellen Anbietern», so Platzer.

Bediente Gastronomie 
im Aufwind

«Von der positiveren Konsumentenstimmung konnte im vergangenen Jahr insbesondere die bediente Gastronomie profitieren, das heisst die herkömmliche und die Ländergastronomie», stellt Vorstandsmitglied Gilles Meystre anhand des neuen «Branchenspiegels» von GastroSuisse fest. «Diese Bezugsquellen weisen einen Jahresumsatz von 16,4 Milliarden Franken aus.» Die Gesamtausgaben im Bereich von Fast-Food-Restaurants, Take-aways und Imbiss-Ständen waren im Vergleich dazu leicht rückläufig. Die Gäste nahmen sich offensichtlich über Mittag wieder ­etwas vermehrt Zeit, um in den ­Restaurants zu konsumieren. Ob sich diese interessante Entwicklung in ­Zukunft weiter bestätigt, wird sich zeigen. CR

NEUE CHANCEN FÜR SCHWEIZER WIRTE

«Für regionale Produkte zahlen Gäste mehr»

Der Trend zur Ursprünglichkeit und zur Authentizität zeichnet sich auch immer mehr im Gastgewerbe ab. Das Gästeinteresse an direktvermarkteten Produkten, also Lebensmitteln wie Eier, Gemüse oder Fleisch unmittelbar ab Hof, ist gross. In diesem Zusammenhang steckt für die oft unter Kostendruck stehenden Gastronomen ein grosses Potenzial in der vermehrten Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Erzeugern. «Heimische Produkte direkt ab Hof gehören bereits heute ins gastgewerbliche Angebot, doch das Entwicklungspotenzial ist noch hoch», betont GastroSuisse-Direktor Daniel Borner.Eveline Neeracher, die Wirtin des Gasthofs Sternen in Thörishaus BE, bezieht bei Gemüsebauer Jakob Schwab in Kerzers FR ihre Spargeln. Beide haben sie gute Erfahrungen gemacht und wissen um die Chancen und Herausforderungen solcher Kooperationen. «Unsere Gäste wollen wissen, woher unsere Produkte stammen», stellt Neeracher fest und doppelt nach: «Regionale Produkte sind sehr gefragt.» Auch eine aktuellen GastroSuisse-Befragung von gastgewerblichen Betrieben einerseits und Konsumenten anderseits zeigt, dass die Relevanz von regionalen Produkten in Zukunft weiter steigen wird. Diesem Thema widmet sich auch eine gemeinsame Arbeitsgruppe von GastroSuisse und dem Schweizer Bauernverband. «Über ­80 Prozent der befragten Gäste sind bereit, für regionale Produkte in einem Restaurant mehr zu zahlen», so Daniel Borner. CR