Publiziert am: 23.10.2020

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CORONA-KRISE – Mit landesweit geltenden Massnahmen bringt sich der Bundesrat in der Covid-Diskussion wieder stärker ins Spiel. Der Gewerbe­verband fordert derweil eine kürzere Quarantäne – und Schnelltests, um Corona- und Grippeviren rasch unterscheiden zu können.

Nach einem eher ruhigen Sommer und Frühherbst sind spätestens am letzten Wochenende wieder turbulentere Zeiten angebrochen. Am Sonntag traf sich der Bundesrat und beschloss, sich wieder vermehrt selber um die Auswirkungen der steigenden Corona-Ansteckungen zu kümmern. In der Folge erliess die Regierung eine landesweite Maskenpflicht in öffentlich Innenräumen. Maskenpflicht gilt zudem in allen Bahnhöfen, Flughäfen und an Bus- und Tramhaltestellen. In Restaurants, Bars und Clubs darf nur im Sitzen konsumiert werden. Spontane Menschenansammlungen von mehr als 15 Personen sind seit Montag verboten. Und es gilt eine «Empfehlung zum Homeoffice».

Geteilte Reaktionen

Im Kanton Bern setzte der für die Gesundheit zuständige SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg – er hatte der Maskenpflicht im Vorfeld einen «erzieherischen Aspekt» zugeschrieben – noch einen drauf und verbot kurzerhand Grossanlässe von mehr als 1000 Personen. Eine Hauruckmassnahme, welche die Verantwortlichen bei den grossen Sportclubs YB, SCB, SCL Tigers und EHC Biel Gift und Galle speien liess – hatten deren Schutzkonzepte doch funktioniert und war bisher niemand nachweislich in einem Stadion mit Covid-19 angesteckt worden. «E Chlapf zum Gring» seien die Massnahmen, allenfalls gar «existenzbedrohend» – und dies weit über die eigentlichen Klubaktivitäten hinaus.

In der Politik fielen die Reaktionen auf den Entscheid des Bundesrats vergleichsweise gemässigt aus. Der Verband Gastrosuisse signalisierte Verständnis und verwies auf das «grundsätzlich sehr gut» funktionierende Schutzkonzept der Branche.

Dennoch: Im ersten Halbjahr 2020 sind gemäss Angaben des Bundesamtes für Statistik in der Branche 33 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Vor diesem Hintergrund werde die erneut ausgesprochene Home­office-Empfehlung insbesondere die Stadtgastronomie wieder stark beeinträchtigen, so Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer.

Kurze Quarantäne, schnelle Tests

Beim Schweizerischen Gewerbeverband sgv zeigt sich Direktor Hans-Ulrich Bigler nach wie vor sehr kritisch gegenüber landesweiten Massnahmen, speziell einer allgemeinen Maskenpflicht in kleinen Lebens­mittel­geschäften, Hotels, Restaurants und anderen kleinen KMU. Der Gewerbedirektor ist aber erleichtert ob der Tatsache, dass es der Bundesrat bei einer Empfehlung für Homeoffice belassen und dieses nicht als Vorschrift erlassen hatte.

In einem Brief an den Gesamtbundesrat hatte der sgv bereits Anfang Oktober eine Verkürzung der zehntägigen Quarantäne, umfassende Informationen zu den Ansteckungsorten und Infektionsrisiken sowie eine rasche Einführung von Schnelltests gefordert. Mit dem Herbstbeginn würden sich gleichzeitig mit Covid-19 zahlreiche andere Viren, insbesondere Grippeviren, ausbreiten, so der sgv. Diese Viren könnten jedoch nicht ohne Testnachweis von Covid-19 unterschieden werden. «Spekulationen über Covid-19-Ansteckungen drohen die KMU zu paralysieren, wenn Mitarbeitende mit anderen Viren unnötig in ­Quarantäne geschickt werden und in grosser Zahl am Arbeitsplatz ­fehlen.»

Die einzige Möglichkeit, eine Unterscheidung vorzunehmen – und damit ein «Circuit Breaker» –, sei ein rascher Covid-19-Test für Personen, bei denen ein Verdacht auf eine Ansteckung mit der Krankheit bestehe. «Der sgv ruft den Bund und die Kantone auf, in grossen Mengen Selbstdiagnosetests und Schnelltests – mit einem Ergebnis innerhalb von 24 Stunden – für Covid-19 zur Verfügung zu stellen. Dies ist die einzige Möglichkeit zu verhindern, dass zahlreiche Mitarbeitende an ihrem Arbeitsort fehlen.»

Schaden von KMU abwenden

Die Idee von Schnelltests verfängt auch bei der Waadtländer FDP-Ständerätin Jacqueline de Quattro. In einer Interpellation regt sie den Bundesrat an, den Tourismus zu unterstützen, indem an Flughäfen Schnelltests eingesetzt werden, statt ankommende Touristen in Quarantäne zu setzen. Es gelte, so de Quattro, weiteren Schaden von der Schweizer Tourismusindustrie abzuwenden.

Schaden – insbesondere für KMU – abwenden will auch eine Gruppe von Unternehmern rund um den St. Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler. Die Gruppierung «Corona-Dialog» fürchtet, dass die getroffenen Massnahmen nur der Anfang seien, dass immer weitere folgen würden, die am Ende wieder zur völligen Schliessung von Restaurants und Läden führten.En

www.sgv-usam.ch

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