Publiziert am: 14.08.2020

Zusammenhalt und Bodenständigkeit

GEWERBEVERBAND OBWALDEN – Seit 100 Jahren setzt sich der Verband für seine Mitglieder ein und ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Gewerbe und Regierung. Künftig will der GVO seine politische Einflussnahme noch verstärken und für KMU-freundliche Rahmenbedingungen sorgen.

Im Mai vor einem Jahr feierte der Gewerbeverband Obwalden GVO mit einem Galaabend für 200 geladene Gäste sein 100-jähriges Bestehen: Hartnäckigkeit, Durchhaltewille und Engagement auf breiter Front ziehen sich wie ein roter Faden durch die Verbandsgeschichte. Damit hat der Verband schon seit seiner Gründung 1919 einiges erreicht. Zwischen den Generalversammlungen im Mai 2019 und im August 2020 fanden sechs Jubiläum-Events statt. Die Veranstaltungen sind auf alle sieben Gemeinden des Kantons Obwalden verteilt und haben alle einen unterschiedlichen Schwerpunkt. «Ziel des Jubiläumsjahres ist es, den Gewerbeverband Obwalden weiter zu stärken, das Gewerbe Obwaldens noch besser zu vernetzen und die Grundlage für zukünftige Kooperationen zu legen», erklärt John de Haan, der seit zwölf Jahren das Präsidium innehat. An der kommenden GV vom 20. August wird Vizepräsident Jonas Wieland aus Sarnen als sein Nachfolger bestätigt werden (vgl. Kasten).

Der GVO ist sehr aktiv und die zahlreichen Anlässe werden gut und gerne besucht. Dies ist zu einem Teil auch das Verdienst von de Haan. «Ich erlebte am Anfang die Obwaldner Unternehmer als sehr fleissig und solide – aber als zu bescheiden und zurückzuhaltend», stellt der kommunikative Holländer fest. In der Zwischenzeit hat sich allerdings einiges geändert: «Unsere Anlässe sind lockerer geworden, auch das Networking ist nicht mehr wegzudenken.» Die Obwaldner Gewerbetreibenden haben einen grossen ­Zusammenhalt untereinander und auch einen guten Draht zu den Behörden und Banken – ganz nach dem Prinzip «Geben und Nehmen». Eine grosse Stärke des Obwaldner Gewerbes ist seine Bodenständigkeit, die besonders in wirtschaftlich schlechteren Zeiten spürbar ist.

Die starke Stimme der KMU

Der GVO mit 511 Mitgliedern aus sieben Gemeinden ist klein, aber fein: «Unser Kanton hat 38 000 Einwohner, wir haben kurze Wege und sind daher sehr flexibel. Hier kennt jeder jeden», ergänzt Emmanuel Hofer, Geschäftsführer des Gewerbeverbandes Obwalden. «Wenn wir ein kantonales Projekt aufgleisen oder etwas ­besprechen wollen, dann müssen wir nur die entsprechenden Unternehmer sowie Behörden und die Zuständigen der Banken anrufen, und schon sitzen alle an einem Tisch. Bei uns funktioniert das unbürokratisch und pragmatisch.» Der GVO pflegt mit den Behörden – vom Ständerat, der Nationalrätin über den Regierungsrat bis hin zum Gemeinderat – ein partnerschaftliches Verhältnis und gilt als zentrale Stimme der Wirtschaft.

Eine beliebte und nicht mehr wegzudenkende Veranstaltung ist der jährliche Anerkennungspreis – für ein Unternehmen, das aus Sicht des Gewerbeverbandes für das Geleistete besonders geehrt wird. Die Obwaldner Kantonalbank honoriert diese Auszeichnung mit 5000 Franken. «Wurde der Preis in den ersten zwei Jahren noch mit etwas Argwohn betrachtet, geniesst er mittlerweile im Gewerbe eine hohe Anerkennung», freut sich de Haan, der als eine seiner ersten Amtshandlungen die Preisvergabe ins Leben gerufen hat. Der nächste Anerkennungspreis wird am 20. August im Rahmen der GV in Lungern zum ­11. Mal vergeben. Der GVO setzt sich als grösster Wirtschafts- und Arbeitgeberverband im Kanton Obwalden für eine KMU-freundliche Politik und bessere Rahmenbedingungen für Gewerbe und Handel ein.

«In wirtschaftlich schlechteren Zeiten kommt die Bodenständigkeit des Obwaldner Gewerbes besonders zum Ausdruck.»

Er ist das Dienstleistungszentrum für die Obwaldner KMU und bietet seinen Mitgliedern einen gut ausgebauten Service. Dazu gehören unter anderem ein Informationsservice rund um aktuelle gewerbliche Anliegen, Rechtsauskünfte, Informationsbeschaffung etc. Der Verband bearbeitet Vernehmlassungen, ist im Dialog mit anderen Wirtschaftsorganisationen und gut vernetzt mit anderen Verbänden und kantonalen sowie nationalen Behörden.

Starke Lobby für die Berufsbildung

Ein zentrales Anliegen ist ihm die Berufsbildung. «Wir haben in unserem Kanton das Privileg, dass wir viele gute Ausbildungsbetriebe haben. Gut ausgebildete und kompetente Fachkräfte sind gerade in der aktuellen Situation wichtiger den je», betont de Haan. Der Erfolg der jungen Obwaldner Berufsleute kommt auch im Medaillenspiegel der Swiss- und WorldSkills klar zum Ausdruck. So gingen an den Berufsweltmeisterschaften im vergangenen August im russischen Kazan gleich zwei der fünf Schweizer Goldmedaillen nach Obwalden. «Der Erfolg unseres Berufsnachwuchses hat bei uns einen hohen Stellenwert, so werden unsere Berufsweltmeister auf dem Dorfplatz feierlich geehrt», sagt Hofer und de Haan doppelt nach: «Es ist wichtig, den Wert der Ausbildung zu pflegen und gerade auch die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren.»

Dazu publiziert der Gewerbeverband Obwalden zusammen mit dem Amt für Berufsbildung des Kantons Obwalden eine eigene Berufsbildungszeitung, die jährlich in allen Haushaltungen erscheint. Dabei kommen Berufsbildnerinnen und -bildner, Lehrpersonen, Bildungsfachleute, aber auch Unternehmer, Ausbildner und Lernende zu Wort. Der Verband engagiert sich aber auch mit einem Berufsbildungsforum, der Unterstützung von Gender-Projekten, Workshops, Podiumsdiskussionen etc. für die Berufsbildung. Auch der Herbstanlass am 14. September in Sarnen dreht sich um die Berufsbildung. Dann stehen die erfolgreichsten Lehrabgängerinnen und -abgänger der Obwaldner Lehrbetriebe im Mittelpunkt. Weiter prüft der Gewerbeverband Obwalden, künftig einen Lehrbetriebsverbund auf die Beine zu stellen.

Digitalisierung fordert KMU

Mit der Covid-19-Krise hat die digitale Transformation einen gewaltigen Schub erhalten. Dies spürt auch das Obwaldner Gewerbe. Die meisten Mitglieder haben mit der Digitalisierung bis jetzt positive Erfahrungen gemacht. Jetzt braucht es gemäss Hofer praxistaugliche und benutzerfreundliche Business-Modelle in allen Branchen. «Es gilt jetzt die diversen Aspekte der digitalen Transformation zu hinterfragen und entsprechend aufzugleisen – beispielsweise wie sieht der Markt der Zukunft aus, wie wollen die Kunden künftig angesprochen werden», konkretisiert Hofer. «Jeder Betrieb benötigt heute eine digitale Visitenkarte, um so effizient gegen aussen kommunizieren zu können. Gerade für Kleinstunternehmen ist dies eine grosse Herausforderung. Hier versuchen wir Wege zu finden, um diese Mitglieder zu unterstützen», betont de Haan. Sorgen bereitet den Obwaldner Gewerblern die Verkehrssituation um Luzern. «Die Verzögerungen durch Staus sind enorm zeit- und kostenaufwändig und verzerren den Wettbewerb», sagt Hofer.

Mehr Unternehmer in der Politik

Eine grosse Hürde für das Obwaldner Gewerbe sind auch die unnötigen Regulierungen. «Das kostet unseren Mitgliedern viel Zeit und Geld. Deshalb setzen wir uns auf politischer Ebene dafür ein, dass diese zunehmende Bürokratie noch mehr eingedämmt wird», so de Haan. Die Wertschätzung gegenüber den KMU, die Arbeits- und Ausbildungsplätze generieren, sei oftmals zu gering. «Das muss sich ändern», so der alt Kantonsrat. «Damit gewerberelevante Themen und Bedürfnisse auf politischer Ebene noch mehr beachtet und der Wert des Unternehmertums hervorgehoben wird, müssen die Unternehmer noch mehr in der Politik vertreten sein. «Ohne unternehmerisches Denken geht es nämlich in der Politik nicht», weiss der abtretende Präsident. Er wünscht sich, dass auch national Wirtschaft und Politik Hand in Hand funktionieren und pragmatische Lösungen ohne Grabenkämpfe finden und realisieren – wie dies die Obwaldner Gewerbler und Behörden auf kantonaler Eben mustergültig praktizieren. Corinne Remund

www.gewerbeverband-ow.ch

Wechsel im Präsidium

Junger Vizepräsident übernimmt

Nach zwölf Jahren gibt John de Haan sein Amt als Präsident des ­Gewerbeverbandes Obwalden an der Generalversammlung in Lungern am 20. August ab – an den Sarner Jonas Wieland. Der 37-jährige selbstständige Kaminfeger mit vier Mitarbeitern und Standorten in Alpnach und Ennetbürgen ist seit acht Jahren im Vorstand und seit fünf Jahren Vizepräsident. «Jonas Wieland ist bestens verankert im Obwaldner Gewerbe, auch bei den Jungunternehmern», sagt de Haan. «Auch als Vize­präsident hat er gute Arbeit geleistet. Damit kann ich mit einem guten Gefühl das Amt abgeben», so der 68-jährige Giswiler. CR

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