Publiziert am: 15.12.2017

Zweitwohnungsgesetz: Zwiespältige Bilanz

Tribüne

Seit Inkrafttreten des Zweitwohnungs-
gesetzes am 1. Januar 2016 sind beinahe zwei Jahre vergangen. Die Auswirkungen sind in den betroffenen Regionen schmerzlich zu spüren.

Am 11. März 2012 nahm das Schweizer Stimmvolk die Zweitwohnungsinitiative ganz knapp mit 50,6 Prozent an. Seither ist der Anteil an Zweitwohnungen in allen Gemeinden der Schweiz auf 20 Prozent zu begrenzen. Schweizweit gibt es etwas mehr als 700 000 Zweitwohnungen. Die meisten befinden sich in den Kantonen Graubünden, Wallis, Tessin sowie in der Innerschweiz, in Bergregionen, für die der Tourismus einen grossen Teil der Wertschöpfung ausmacht.

In der Übergangsphase zwischen dem Zeitpunkt der Abstimmung über die Initiative und bis das neue Zweitwohnungsgesetz in Kraft trat, war in den betroffenen Regionen ein starker Anstieg der Baubewilligungen zu beobachten. So schnell wie möglich wurden noch Projekte realisiert, welche später nicht mehr möglich sein würden. Die Folge davon war ein Überangebot an Ferienwohnungen, welches jetzt langsam abgebaut werden muss.

In der gleichen Zeitspanne brachen die Verkäufe von Ferienwohnungen an Ausländer beinahe um die Hälfte ein. Da die Käufer von Schweizer Ferienwohnungen hauptsächlich aus Europa stammen, spielte hier zum einen sicherlich die Eurokrise, welche den Schweizer Franken verteuerte, zum anderen aber vor allem auch die Rechtsunsicherheit über die Ausgestaltung des neuen Gesetzes eine Rolle.

Nun, da das Zweitwohnungsgesetz in Kraft ist, kann ich sagen: Es ist kein gelungenes Werk. Das Regelwerk mit all seinen Ausnahmen ist so kompliziert, dass für Bauherren weiterhin unklar ist, welche Projekte sie realisieren dürfen und welche nicht.

Der Einbruch der Ferienwohnungsverkäufe trifft die Baubranche in den betroffenen Gebieten empfindlich. Im Vergleich zu anderen Regionen der Schweiz, welche nicht von der Zweitwohnungsinitiative betroffen sind, arbeiten in den Bergregionen deutlich mehr Personen in der Bau- und Tourismusbranche. Dies auch, weil weniger Arbeitsplätze im Industriesektor vorhanden sind. Durch die fehlenden Aufträge müssen ortsansässige Betriebe nun Aufträge in weiter entfernten Gegenden annehmen oder sogar Stellen abbauen.

Eine weitere Folge des Zweitwohnungsgesetzes ist die Zweiteilung des Immobilienmarktes in einen Markt für Erstwohnungen und einen Markt für Zweitwohnungen. Das Beratungsbüro Fahrländer Partner hat einen Preisaufschlag für Zweitwohnungen zwischen drei und zehn Prozent berechnet. Je begehrter und teurer ein Tourismusort ist, desto höher ist der Preisaufschlag, den Käufer zu zahlen bereit sind.

Gleichzeitig kämpfen die Tourismusregionen mit den veränderten Feriengewohnheiten der Gäste. Im Vergleich zu früher ist der Wettbewerb unter den Urlaubszielen stärker geworden. Heute kann man nicht nur in die Berge zum Skifahren reisen, sondern auch in Thailand Badeferien machen. Auch die Digitalisierung und das Auftauchen von Buchungsplattformen wie AirBnB verändern die Gewohnheiten der Besucher.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Schwierigkeiten, mit denen die Bergregionen zu kämpfen haben, sind vielfältig. Der starke Franken, veränderte Gewohnheiten der Gäste sowie die Digitalisierung stellen Herausforderungen dar. Die Zweitwohnungsinitiative hat die Situation aber noch zusätzlich verschärft. Sie ist eine Bürde, die die Unterländer dem Oberland auferlegt haben.

* Nationalrat Hans Egloff ist Präsident des Haus­-
eigen­tümerverbands Schweiz HEV.

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