Publiziert am: 08.12.2023

Stück für Stück nachhaltiger

MAESTRANI – Die Flawiler Schokoladenmanufaktur stellt seit 170 Jahren hochwertige Schokoladen- und Süsswarenspezialitäten aus erstklassigen, nachhaltigen Rohstoffen her. Als unabhängiges Familienunternehmen ist langfristiges Denken und Handeln tief in den Unternehmenswerten verwurzelt. Das KMU blickt positiv in die Zukunft und plant zahlreiche ambitionierte Projekte.

Die 170-jährige Geschichte von Maestrani ist geprägt von Unternehmertum, Mut und Verantwortung. Die Flawiler Schokoladenmanufaktur hat in den vergangenen 170 Jahren eine tiefe Schokoladen-Kompetenz aufgebaut und so immer wieder Kultprodukte auf den Markt gebracht wie zum Beispiel die Krachnuss-Tafel, die Schoggi-Banane, das Prügeli Weiss etc. «Die Absatzmärkte haben sich immer wieder verändert und wir haben uns diesen Veränderungen gestellt und uns mit innovativen Lösungen profiliert», sagt CEO Christoph Birchler. «In den vergangenen zwei Jahren haben wir so zum Beispiel innovative Produkte auf den Markt gebracht, welche die neusten Trends widerspiegeln wie zum Beispiel das vegane Minor Almond.» Dem St. Galler Schokoladenhersteller ist es so gelungen, sich über die Zeit als Nischenplayer zu etablieren. Das KMU ist dabei stets unabhängig im Familienbesitz geblieben.

«Nachhaltigkeit ist in unserer Strategie und in unserem Purpose verankert – und ich habe sie auch zu meiner persönlichen Mission gemacht.»

Zu den Geschäftsbereichen der Ostschweizer Schokoladen-Confiseure, deren erstklassige Schokolade einst sogar für das italienische Königshaus produziert wurde, gehören die drei starken Marken Munz, Minor, Avelines mit über 230 Artikeln, Partnergeschäft sowie die Erlebniswelt Chocolarium – die Glücksfabrik von Munz und Minor (vgl. Kasten). Die zwei Hausmarken Minor und Munz sind über die Landesgrenze hinaus bekannt und umfassen 150 Produkte. Minor steht für «gesunden Egoismus» und ist ein urbanes Lifestyleprodukt. «Minor geniesst man in seinem persönlichen Me-Moment und tut sich dafür etwas Gutes», so Birchler. Munz steht für ein vielfältiges Schokoladen- & Süsswaren- Sortiment, das Spass in den Alltag bringt und vor allem Familien begeistert. Die Schokoladenspezialisten verarbeiten in modernen Produktionsanlagen in Flawil jährlich rund 4000 Tonnen Schokoladenbohnen und exportieren die süssen Spezialitäten in 40 Länder bei einem Exportanteil von 42 Prozent weltweit. «Unsere grössten Märkte sind die Schweiz, Deutschland und die USA», so Birchler.

Grosse Bedeutung haben der Standort und die regionale Verankerung im Kanton St. Gallen: «Wir haben in den letzten drei Jahren rund 10 Millionen Franken in die Modernisierung unserer Anlagen in Flawil investiert und sind nun noch produktiver, was Abfallvermeidung und Effizienz anbelangt.» Maestrani steht als Schweizer KMU im Wettbewerb mit internationalen Konzernen, welche auch Schokolade produzieren. «Wir können in der Finanzkraft mit diesen Herstellern nicht mithalten. Darum setzen wir auf Schnelligkeit, Innovationskraft, Kompetenz und auf den Mut, Dinge anders zu machen oder auch mutig auszuprobieren.»

«Fair-Taste-Pioniere» und clevere Nachhaltigkeitsstrategie

Die Firmenphilosophie basiert auf Qualität, Innovation und Nachhaltigkeit. Als Schweizer Schokoladenhersteller stellt Maestrani höchste Ansprüche an die Qualität der produzierten Schokolade. Dazu Birchler: «Eine Reklamationsquote von durchschnittlich 1.5 auf 1 000 000 verkaufter Produkte ist eine gute Basis.» Und er ergänzt: «Kontinuierliche Verbesserungsprozesse, regelmässige Hygiene-, Sensorik- sowie Sicherheitsschulungen mit externen Partnern helfen diesen Wert nochmals zu senken.» Zudem wird kontinuierlich in die 150 Mitarbeitenden am Standort Flawil investiert. So konnte im Jahr 2022 die Anzahl Weiterbildungsstunden pro Mitarbeitende auf 46 Stunden erhöht werden.

«Die Konsumierenden sollen sicher sein, dass die Schokolade fair, nachhaltig und mit natürlichen Zutaten produziert wurde.»

Die Grundwerte des KMU haben sich im Laufe der Zeit zunehmend in konkreten Nachhaltigkeitsmassnahmen widergespiegelt. «Wir betrachten Nachhaltigkeit ganzheitlich: ökologisch, ökonomisch und sozial. Unsere Nachhaltigkeitsstrategie beschränkt sich nicht nur auf Rohstoffe, sondern erstreckt sich auf sämtliche Unternehmensbereiche», so Birchler. So wurden zahlreiche Einzelinitiativen in den letzten drei Jahren umgesetzt. «Nachhaltigkeit ist in unserer Strategie und in unserem Purpose verankert – und ich habe sie auch zu meiner persönlichen Mission gemacht», betont Birchler. So wurde zum Beispiel die Nachhaltigkeits-Initiative «All Natural» lanciert, welche vier kundenrelevante Mehrwerte beinhaltet und auf allen Markenprodukten sichtbar wird: 100% natürliche Rohstoffe, 100% Fairtrade-Kakao, bewusster Verzicht auf Palmöl, CO2-Engagement dank Reduktion und Kompensation.

Die Schokoladenpioniere haben 1987 die erste Bio-Fairtrade-Schokolade in Europa auf den Markt gebracht. Um seiner Pionierrolle weiter gerecht zu werden, hat Maestrani für seine Produkte den Zertifizierungsstandard erhöht und 2022 auf Fairtrade Max-Havelaar-Standard erhöht. Das geht auch ins Geld und die gezahlte Prämie zugunsten der Kakaobauern ist nun mehr als dreimal so hoch. Der Anspruch «Fairtrade» spielt somit eine wichtige Rolle in der Nachhaltigkeitsstrategie. Für die Marken Munz, Minor und Avelines bezieht das innovative KMU seit 2023 100 Prozent der Kakaowaren aus Fairtrade-zertifiziertem Handel. «Die Konsumierenden sollen sicher sein, dass die Schokolade fair, nachhaltig und mit rein natürlichen Zutaten produziert wurde – sie sollen auch aus Nachhaltigkeitssicht unsere einzigartigen Produkte mit einem guten Gewissen geniessen können.» Die Kombination von Genuss und Nachhaltigkeit nennen die Spezialisten von Maestrani «Fair Taste». «Wir haben den Anspruch, dass wir dabei immer wieder eine Nachhaltigkeits-Pionierrolle einnehmen», sagt Birchler.

«Fair Taste» heisst aber auch, dass Nachhaltigkeit ohne Genuss und Gourmandise nicht reicht. «Die Konsumenten gehen keinen Kompromiss mehr bezüglich der Nachhaltigkeit ein – sie wollen beides.» Maestrani ist denn auch mit entsprechenden Labels ausgezeichnet. «Die verschiedenen etablierten Labels für fairen Handel, welche wir im Zusammenhang mit der Beschaffung unserer Rohstoffe einsetzen, sorgen für Transparenz in unseren Beschaffungsprozessen», konkretisiert Birchler.

Grosse Investitionen in den Standort Flawil

Unter Nachhaltigkeit läuft auch die Aus- und Weiterbildung des Unternehmens. «Bis ins Jahr 2026 soll die durchschnittliche Anzahl Stunden im Bereich Weiterbildung bei 48 Stunden pro Mitarbeiter liegen. In diesem Bereich haben wir auch die Ambition, unsere definierten Digitalisierungsprojekte weiterzuführen und Fortschritte zu generieren», so Birchler. Mit neun Lernenden in den Berufen Lebensmitteltechnologe/-in EFZ und Lebensmittelpraktiker/-in EBA bietet das KMU auch dem Nachwuchs interessante Perspektiven. Gerade in den aktuellen krisengeschüttelten Zeiten werden gemäss Birchler von einem Unternehmen eine grosse Agilität, Geschwindigkeit, Innovationskraft und damit auch hohe Qualitätsanforderungen benötigt. «Dies kann nur mit guten Mitarbeitern bewerkstelligt werden.»

Für die Zukunft sind die Ostschweizer Schokoladenspezialisten mit ihrer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie gut aufgestellt. Denn der Schokoladenkonsum der Konsumenten wird in den kommenden Jahren weiter bewusster werden. So schauen die Konsumenten gemäss dem Geschäftsführer mehr auf Inhaltsstoffe, Herkünfte und Beschaffenheit der Rohstoffe. «Darum wird das Thema Nachhaltigkeit die Branche weiter begleiten – dies auch im Zuge der anstehenden Regulatorien und Gesetze.» Entsprechend liegen ambitionierte Nachhaltigkeitspläne in den Schubladen: Maestrani hat sich der Science Based Targets Initiative SBTi verpflichtet und wird daher in den kommenden Jahren ihre CO2-Emissionen um 50 Prozent reduzieren. «Wir werden aus diesem Grund, und um die Effizienz der Anlagen am Produktionsstandort zu gewährleisten, in den kommenden Jahren einige Millionen in den Standort Flawil investieren.»

Corinne Remund

www.maestrani.ch

ERLEBNISWELT CHOCOLARIUM

Die Glücksfabrik von Munz und Minor

In der Erlebniswelt Chocolarium – die Glücksfabrik von Munz und Minor – erleben die Besucherinnen und Besucher «wie das Glück in die Schokolade kommt». Das attraktive Besucherzentrum des Schweizer Traditionsunternehmens entstand auf 2000 m² – das Chocolarium hat sich seit seiner Eröffnung 2017 als beliebtes Ausflugsziel in der Ostschweiz etabliert. «Wir begrüssen rund 130 000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr», freut sich Geschäftsleiter Christoph Birchler.

Die interaktive Chocolarium Tour bietet den Gästen von einer Glasgalerie einen offenen Einblick in die Produktion und lädt zu einer süssen Reise auf der Suche nach dem Glück ein. Fans der berühmten Munz Banana, der Minörli oder der bekannten Krachnuss erleben live, wie ihre Lieblingsprodukte hergestellt und verpackt werden. «Nirgendwo sonst kommt man in einer Schokoladenfabrik so nah an die Produktion ran», so Birchler. CR

www.chocolarium.ch

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