Publiziert am: Freitag, 10. März 2017

Auf die Firmenkultur kommt es an

INNOVATION – Für KMU ist die Innovationsfähigkeit ein wichtiger Treiber zum Erfolg. Dafür müssen aber Bedingungen erfüllt sein wie eine offene Unternehmenskultur, die Bereitschaft, Neues zu entdecken, kreative Mitarbeiter und die Nachfrage des Marktes.

Der globale Wettbewerb wird immer schärfer. Nur wer Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren ständig weiterentwickelt und seine Nischen proaktiv besetzt, kann am Markt bestehen. Der Schlüssel zum Markterfolg ist Innovation. Doch was braucht es, um die Innovationskraft zu fördern? Und wie bleibt man innovativ an der Spitze? Die befragten KMU haben alle eine Antwort darauf, beschäftigen sie sich doch tagtäglich mit Innovation. Für sie ist eine offene Kommunikation und Unternehmenskultur eine wichtige Voraussetzung für Innovation. «Eine transparente Feedbackkultur, wo sich jeder zu allen Themen einbringen kann, ist ein wichtiger Auslöser für die Innovationskraft», weiss Robert Blum, Gründer des Start-ups Poinz in Zürich. Eine anschauliche Unternehmenskultur erfordere von der Geschäftsleitung Mut und Vertrauen, andererseits aber auch systematische Prozesse, um die innovativen Kräfte zu strukturieren, sagt Jeremias Meier, Gründer und Geschäfts­führer von Bexio. Die Firma versorgt Kleinunternehmer mit Business Software.

«Man muss mit offenen 
Augen durch den Alltag gehen, Trends erkennen und Neues zulassen.»

Die nährende Kraft der Innovation sehen die Unternehmer in der Bereitschaft, Veränderungen zuzulassen, neugierig zu sein und immer wieder alles zu hinterfragen und wenn nötig zu verändern. Dazu Blum: «Man muss mit offenen Augen durch den Alltag schreiten, Trends erkennen und Neues zulassen. Innovation verlangt oft auch einen guten Riecher, etwas Glück oder Timing.» Innovation bedeutet für die Firmen aber auch Risikobereitschaft – gerade im technischen Bereich. «Wer vorne dabei sein will, muss genau abwägen und die richtigen Entscheide treffen», sagt Blum. Innovation müsse zudem auch zugelassen werden. «Viele Betriebe verschliessen sich neuen innovativen Möglichketen zur Lösung eines Problems», so Blum weiter. Gerade auch in der Detailhandelsbranche ist ein Blick von aussen sehr förderlich für innovative Initialzündungen. Dazu Werner Scherrer von der Messerschmiede Scherrer in Bülach: «Unsere Mitarbeiter verlassen regel­mässig die Komfortzone und hinterfragen sich selbst und ihren Kundenkontakt immer wieder. Dies löst neues Denken aus.» Als eine der führenden Anbieterinnen für den energieeffizienten Holzsystembau ist die Renggli AG im luzernischen Schötz täglich mit Innovation und Nachhaltigkeit konfrontiert. «Wir nehmen auch auf den ersten Blick unscheinbare Anregungen ernst. Wir bündeln diese in den Teams und evaluieren das Potenzial daraus», sagt CEO Max Renggli.

Ein Mehrwert für die Kunden

Eine echte Innovation ist für die KMU erst dann erreicht, wenn sie vom Markt dementsprechend nachgefragt wird. «Es ist essenziell, zwischen einer Idee, einer Vision und einem Geistesblitz zu unterscheiden und marktfähige Ideen weiter­zu­entwickeln», betont Renggli. Innovation ist für viele KMU aber auch immer wieder ganz stark an die Bedürfnisse ihrer Kunden geknüpft. Dazu Meier von Bexio: «Den neuen oder veränderten Ansprüchen unserer Kunden zu entsprechen, bedingt, uns laufend weiterzuentwickeln.» Und Werner Scherrer doppelt nach: «Man bleibt im Detailhandel nicht an der Spitze, wenn man nicht immer wieder innovativ einen für die Kunden erkennbaren und nicht austauschbaren Mehrwert schafft.»

Für Daniel Meyer, Geschäftsführer und Mitgründer von EGO Movement, dem jungen dynamischen Unternehmen aus Zürich, ist vor allem der Zeitfaktor entscheidend, um innovativ vorne dabei zu sein. «Es braucht nicht bloss pfiffige Einfälle und Mut, sondern Geschwindigkeit, um neue Ideen rasch an den Markt zu bringen.» Als internationaler Trendsetter in der Transportindustrie lebt die Lantal Textiles AG in Langenthal von der Innovation: «Man muss die Bedürfnisse des Marktes absaugen, abhören und Schlüsse daraus ziehen. So entstehen Innova­tionen», stellt Guido Gander, Director Brand Communication fest. «Wichtig ist auch, dass man mit Hochschulen, Instituten und Beratern in Kontakt ist, Fachmessen besucht und recherchiert, was es auf dem Markt Neues gibt bezüglich der Technologie, der Textilien, der Maschinen, den Kundenerwartungen und vielem mehr.»

Kreative Mitarbeiter

Eine ganz wesentliche Rolle beim Thema Innovation spielen für die KMU ihre Mitarbeiter und deren Wohlbefinden. «Das gute Arbeitsklima bildet die Basis zur Förderung der Innovation und ist ein entscheidender Faktor», bringt es CEO Daniel Troxler von der Ast & Fischer AG im bernischen Wabern auf den Punkt. Messerschmied Scherrer weiss aus Erfahrung: «Ohne motivierte und engagierte Mitarbeiter ist bei uns keinerlei Innovation möglich.» Auch bei Bexio werden die Mitarbeiter ermutigt, aktiv mitzudenken, neue Ideen zu entwickeln und miteinzu­bringen. «Das erfordert gegenseitiges Vertrauen und Respekt. Wir leben diese 
Werte im Arbeitsalltag», erklärt Jeremias Meier.

«Ohne motivierte 
und engagierte Mitarbeiter ist keinerlei Innovation möglich.»

Gemäss Max Renggli können sich in einem guten Arbeitsklima die Mitarbeiter besser entfalten und kreativer sein. «Entscheidend ist dann aber auch, dass Ressourcen freigesetzt werden können, um sich mit dem Potenzial der Idee strategisch auseinanderzusetzen und Innovation prozessual zu führen und zu begleiten», so der CEO der Renggli AG. Oft steckten die führenden Köpfe schon tief in der Materie. «Unbelastete und auch unbekümmerte Mitarbeiter können wertvolle Inputs liefern, wenn man diese zulässt oder sogar fördert», ist Robert Blum überzeugt. Für Philippe Gacond, Inhaber des Home Barista Shops in Aarau, steht und fällt Innovation mit gut ausgebildeten Mitarbeitern. «Mein Team ist ehrgeizig und kreativ, gerade weil ich meinen Leuten Verantwortung übertrage und sie sich mit unseren Produkten identifizieren können. Dank einem offenen Arbeitsklima arbeiten sie gerne», sagt Gacond.

Corinne Remund

NaChgefragt Bei helpy-Experte Marcel Egger

«Innovation setzt selbstkritische Offenheit voraus»

Marcel Egger, Inhaber von 1 2 Business Innovation in Luzern ist ein erfahrener Unternehmer mit 
breitem Horizont und umfassendem nationalen und internationalem Netzwerk. Er unterstützt und coacht Unternehmen bei Themen wie Strategie, Markt, Marktleistung, Vermarktung, Führungsprozesse und deren syste­mische Vernetzung. Selbst sehr inno­vativ unterwegs, weiss er, worauf es ankommt, um Innovation zu fördern und wie es um die Innovationskraft der Schweizer KMU steht:

Schweizerische Gewerbezeitung: Wie innovativ ist die Schweizer KMU-Wirtschaft?

 Marcel Egger: Das ist sehr unterschiedlich. Der heutige Erfolg ist der grösste Feind des künftigen Erfolges. Viele Unternehmer denken, es geht uns ja gut, wieso sollen wir etwas verändern. Ich kenne das Geschäft seit Jahren, von aussen kann mir eh niemand helfen. Die Sicht vom Markt 
auf die eigene Firma und die selbst-
kritische Offenheit sind Voraussetzung zu echter Innovation.

 

Wie bleiben Sie immer innovativ?

 Mit Lernen und Zuhören. Ich lerne von Mit-Unternehmern, vom Markt, von Kunden, von eigenen Firmen sowie aus der Literatur. Hauptsächlich lerne ich aber aus Gesprächen 
sowie durch Besuche von Firmen. Die Praxis zeigt das reale Bild zu Marktleistungen, Prozessen, Kultur und Mitarbeitern.

In welcher Branche ist die Inno
vation am grössten und wo hat es noch Nachholbedarf?

 Die Frage ist hier, in welchen 
Firmen: Es sind genau jene Firmen 
in ihren Marktleistungen innovativ, deren Inhaber und Chefs offen sind für Neuerungen. Ebenso diejenigen, die Marktentwicklungen aufgrund makroökonomischer Trends auf Jahre hinaus abzuschätzen vermögen.

Wie verbindet man Innovation mit 
Erfolg und schliesslich mehr Umsatz?

 Nicht Mehrumsatz oder grenzenloses Wachstum sollte das Ziel sein, sondern die Steigerung der absoluten Bruttomarge. Innovationen sind demzufolge dann erfolgreich, wenn sie 
einen signifikanten Beitrag an Wertschöpfung bringen.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung im Zusammenhang mit Innovation?

 Kundennähe und Prozesskosten sind hier Erfolgsfaktoren. Wichtig 
ist, sich immer zu fragen, was wollen meine Kunden und nicht blindlings einem Trend zu folgen. Die zweite 
Frage richtet sich nach den Investi­tions­kosten gegenüber Einsparungen in Prozesskosten und den Qualitäts­steigerungen für die Kunden.

Interview: CR