Publiziert am: Freitag, 16. September 2016

Moderne Beratung via Touchscreen

HOME BARISTA SHOP – Der neue Kaffeeladen in Aarau verfügt über ein digitales Konzept, das man selten in der Gastronomie 
findet. Zudem nutzt das revolutionäre Geschäft Synergien mit der Vermieterin der Räume, der Aargauischen Kantonalbank AKB.

Der «Home Barista Shop» ist ein Ort des Austausches, des Innehaltens und des Rückzugs. Ob man sich dort mit Leuten trifft, um sich zu unterhalten, die Zeitung oder ein Buch liest oder einfach nur eine Pause einlegt und sich mit einer Tasse Kaffee stärkt – das Café ist in gewisser Weise eine Verschmelzung von Kulinarik und Business. Das Konzept ist nicht nur auf die Gastronomie, sondern auch auf den Detailhandel ausgerichtet. Eine zentrale Rolle spielen dabei die neuen Techno­logien, welche das Konsumieren und Kaufen vereinfachen und zum Erlebnis machen. «Ein digitales Konzept, wie wir es haben, findet man selten in der Gastro­nomie», erklärt Philippe Gacond, Inhaber und Geschäftsführer des «Home Barista Shops». So wird beispielsweise die Speisekarte auf digitalen Blackboards präsentiert. «Somit haben wir die Möglichkeit, sie zu jeder Tageszeit entsprechend anzupassen. Konkret wechseln wir die Karten am Morgen, Mittag und Abend», sagt Gacond.

«Eine kompetente (Kaffee-)beratung ist das A und O unserer Strategie – davon 
leben wir.»

Das Herzstück der Hightech-Ausrüstung im Laden ist der Flatscreen vor der Bar. Hier kann sich der Kunde virtuell die Zeit vertreiben. Die Möglichkeiten der verschie­denen Apps sind vielfältig und reichen vom Kinoguide mit Trailer der neusten Filme über den Fahrplan der SBB bis hin zur Wetterprognose. Der Kunde kann Infos zur Aargauer Kantonalbank AKB abrufen oder in die Welt des Kaffees eintauchen und sich über die Geschichte, Herstellung, verschiedenen Sorten sowie über Anbauarten und über die Röstereien informieren. «Wenn der Kunde warten muss, so kann er sich hier über unsere Produkte orientieren. Dabei werden Zubereitungsformen oder die Anwendung von Zubehör Schritt für Schritt erklärt. Praktisch alles Wissenswerte rund um unser Geschäft ist hier abrufbar», konkretisiert Gacond. Daneben flimmern die neusten News von watson über den Bildschirm.

Zur hochmodernisierten Infrastruktur gehört ferner eine V388-Black-Eagle-Kaffeemaschine hinter der Theke. Dazu werden zehn Kaffeemühlen und eine Brew Bar betrieben, somit kann der Kunde mindestens zehn verschiedene, frische Kaffeesorten degustieren. Dies macht laut Gacond das Lokal zum «geilsten Kaffeeladen der Schweiz».

Die Beratung – nicht nur virtuell – hat für den Jungunternehmer einen grossen Stellenwert: «Eine kompetente (Kaffee-)Beratung ist das A und O unserer Strategie, davon leben wir. Dabei ist Authentizität und Ehrlichkeit absolut zentral», betont Gacond. Der Kunde stehe immer an vorderster Stelle. «Geht er zufrieden aus dem Laden, dann haben wir unseren Job gut gemacht», doppelt Gacond nach, dem es bei seinen Geschäftstätigkeiten nie prioritär ums Geld geht. «Wenn ich überzeugt bin von dem, was ich dem Kunden biete, und dabei alles gebe, dann kommt das Geld automatisch», verrät er lachend sein Erfolgsrezept. Er betreibt in Aarau noch zwei weitere Geschäfte – seit zehn Jahren eine Crêpérie in der Altstadt sowie das im «Home Shop» integrierte Café Cchino. Zudem gehören ein Online-Kaffeeshop und Baristakurse zu seinen Geschäftsbereichen. Der engagierte Barista ist auch Schweizer Handelspartner der süddeutschen Kaffeerösterei Supremo. Rund 80 Prozent seines Umsatzes macht er mit der Gastronomie, die restlichen Prozent mit dem Kaffee­detailhandel.

Grosse Unterstützung 
durch die AKB

Qualität ist ein weiteres Schlagwort, das zu seinem Erfolgskonzept gehört – sei es beim Kaffee selber, beim urbanen Essen, das sich dadurch auszeichnet, dass es täglich frisch gekocht wird, oder dem Kaffeezubehör. «Kaffee ist ein extremes Frischeprodukt. Ich bestelle jede Woche frischen Kaffee, das ist zwar aufwändig, aber es lohnt sich», sagt Gacond. So steht bei ihm in den Verkaufsregalen Kaffee, der nie älter als zwei Monate ist. Es werden aber auch qualitativ hochstehende Kaffee-Raritäten angeboten, die aus dem «Direct Trade» mit Bauern aus der ganzen Welt stammen. Gacond hat 120 verschiedene Kaffeesorten und eine grosse Zubehörpalette im Angebot.

«Wenn der Kunde warten muss, kann er sich via Flatscreen über unser Geschäft informieren.»

Zuvor betrieb Gacond ein Dreivierteljahr lang seine Kaffeebar mit Shop vis-à-vis des heutigen Standortes an der Bahnhofstrasse in der alten Bahnhofapotheke. Leider fiel das alte Gebäude dem Bagger zum Opfer und Gacond musste sich nach neuen Räumlichkeiten umsehen. Diese fand er per Zufall im Hauptgebäude der Aargauischen Kantonalbank AKB. «Der Bank gefiel mein Konzept auf Anhieb. Sie unterstützte das Projekt, das von den Architekten Brehm + 
Zehnder AG geplant und umgesetzt wurde. Dabei hatte ich als Mieter sehr viel Mitspracherecht», freut sich der 35-Jährige. Das Resultat darf sich sehen lassen: Die Gestaltung im Industrial-Chic-Stil erinnert an das Chefbüro einer alten Fabrik: Viele authentische Materialien, Beleuchtungskörper, Möblierung und Zubehör unterstützen die Wirkung dieses echten Home Barista Shops. Stolz ist Gacond auf den zweiten Stock seines Kaffee­tempels. Hier soll man sich für Meetings treffen und dazu gesund Schlemmen können (siehe Kasten).

Geradlinig sein Ziel verfolgen

Das neue Geschäft ist seit rund drei Monaten im Betrieb und läuft gut. Der gelernte Produktedesigner ist zufrieden: Die viele Arbeit und Eigeninitiative hätten sich gelohnt. «Man muss sich immer auf eine Sparte konzentrieren, Prioritäten setzen, konsequent die eigene Vision verfolgen und nicht auf Trends aufspringen», so Gacond. Zudem hätte er beim neuen Geschäft seine ganze zehnjährige Erfahrung einfliessen lassen und so das Konzept optimiert und professionalisiert. «Mein Kaffeeladen funktioniert wie eine Weinhandlung, nur für Kaffee. So etwas gab es bis jetzt in der Schweiz noch nicht», schmunzelt Gacond.

Corinne Remund

Begegnungszone der AKB

Mit der Kantonalbank Synergien nutzen

Mit dem Home Barista Shop ist im Hauptgebäude der Aargauer Kantonalbank AKB am Bahnhofplatz in Aarau ein neuer Treffpunkt für Kaffeeliebhaber entstanden. Dabei hat sich mit dem aussergewöhnlichen Projekt eine spannende Zusammenarbeit zwischen dem revolutionären Kaffeeladen und der Bank entwickelt. Dies habe sich durch Zufall so ergeben, sagt Ursula Diebold, Leiterin Unternehmenskommunikation der AKB. «Philippe Gacond suchte neue Räumlichkeiten für seinen Kaffee­laden und wir brauchten einen neuen Mieter. Dies war eine glückliche Fügung», so Diebold. Und die engagierte Bankfrau ergänzt: «Wir passen super zusammen. Er kann sich ver­grössern und die Bank kann sich gut in seinem Geschäft einbringen.»

Spezielles Sitzungszimmer 
für jedermann

Die Bank ist hauptsächlich präsent in dem aussergewöhnlichen Geschäft im Galeriegeschoss. Dort entstand eine öffentliche Begegnungszone der AKB. «Die Idee ist es, dass hier unsere Leute intern wie auch mit externen Partnern Sitzungen abhalten können. Wir führen hier aber auch Anlässe, Pressefrühstück etc. durch. Auf Wunsch kann man sich von Phi­lippe Gacond und seiner Crew kulinarisch verwöhnen lassen», erklärt Diebold. Das spezielle Sitzungszimmer ist für jedermann zugänglich: «Wer mal ausserhalb seines Büros bei einem guten Kaffee arbeiten oder in der Nähe des Bahnhofs an zentraler Lage ein Meeting abhalten möchte, ist hier bestens bedient», so Diebold. Und Philipp Gacond ergänzt: «Wir haben hier einen gratis Internetzugang und die Bank hat zwei iPads zum Surfen und sich Informieren zur Verfügung gestellt.»

Vorbote für Digitalisierungspläne der AKB

Auch mit dem grossen Flatscreen im Geschäft nutzt die Bank Synergien mit dem Kaffeeladen. Wer sich über Börsenkurse, die Geschichte der AKB, ihre Unternehmensphilosophie oder ihr Angebot informieren möchte, kann dies mit modernsten Technologien tun. «Dieses aussergewöhnliche Projekt ist so quasi ein Vorbote für unsere Digitalisierungspläne», so Diebold. Und sie doppelt nach: «Wir gehen damit neue Wege. Das ist nötig, um immer innovativ zu bleiben. Wir sprechen mit dieser Zusammenarbeit unsere Kunden in einer anderen, lockeren Umgebung an. So entstehen emotionale Bindungen mit ihnen, die vor dem Bankschalter nicht möglich wären.»

Wie die vergangenen zwei Monate zeigten, wird dieses Angebot von der Kundschaft sehr geschätzt und der Home Barista Shop ist zu einem beliebten Treffpunkt für Geschäftsleute, Bankkunden und auch private Kaffeeliebhaber geworden. CR

LINK
www.akb.ch