Publiziert am: 16.06.2023

Optimierte Steuerung stärkt Kultlokal

ENERGIESPAREN – Hohe Nebenkosten machten die Betreiber des Basler Foodcourts «Klara» stutzig. Eine PEIK-Energieberatung identifizierte daraufhin das Hauptproblem bei der LĂŒftungsanlage. Gleichzeitig spĂŒrte der Energiecheck weitere Effizienzpotenziale auf.

Sechs Jahre ist es her, seit das «Klara» mit einem neuen Gastrokonzept im Kleinbasel startete. Die GeschĂ€ftsidee mit neun eigenstĂ€ndigen KĂŒchen – von mexikanisch ĂŒber tibetisch bis zu afrikanisch und asiatisch – ging auf. Die GĂ€ste schĂ€tzen die offene AtmosphĂ€re und haben die frĂŒhere gastronomische WĂŒste an der Clarastrasse in einen lebendigen Treffpunkt verwandelt, der im Erdgeschoss tĂ€glich von 11 Uhr bis Mitternacht geöffnet ist. Im Untergeschoss befindet sich eine grosse BandspĂŒlmaschine, die Teller und GlĂ€ser aller neun Restaurants und der Bar reinigt. Auch die Haustechnik, die Toiletten und PausenrĂ€ume fĂŒrs Personal sind unter dem Lokal untergebracht. Angesichts dieser baulichen Situation wurde 2017 eine leistungsfĂ€hige LĂŒftung mit WĂ€rmerĂŒckgewinnung installiert.

Das Lokal ist ein Publikumserfolg, musste aber wĂ€hrend des Pandemie-Lockdowns – wie alle anderen Gastrobetriebe – die Tore schliessen und kappte deshalb auch LĂŒftung und Heizung. «Ein Jahr nach der Wiedereröffnung wunderten wir uns ĂŒber die hohen Nebenkostenabrechnungen», erklĂ€rt Nik von Frankenberg, der bei «Klara» unter anderem fĂŒr Infrastruktur und Maintenance zustĂ€ndig ist. Das Team des Foodcourts vermutete damals, dass die unvermittelte Abschaltung die sensible Steuerung durcheinandergewirbelt hatte. Von Frankenberg entschied sich deshalb im vergangenen Sommer, dem Basler Energiedienstleister IWB eine PEIK-Energieberatung (vgl. Kasten) in Auftrag zu geben. Diese speziell fĂŒr KMU entwickelte Analyse sollte den Status quo von Energie- und Warmwasserverbrauch unter die Lupe nehmen und Optimierungsmöglichkeiten aufzeigen.

AbwÀrme verpuffte ungenutzt

Die Kontrolle der LĂŒftung sorgte dann bei allen Beteiligten fĂŒr VerblĂŒffung, denn die an sich vorbildliche WĂ€rmerĂŒckgewinnung aus der Abluft funktionierte schlicht nicht: «Grund war eine falsche Steuerung», erklĂ€rt Sandro Onorati, Energieberater bei der IWB und akkreditierter PEIK-Energieberater. In der Folge wurden in der kalten Jahreszeit nicht wie vorgesehen 72 Prozent der WĂ€rme aus der Abluft wieder genutzt. Stattdessen verpuffte diese AbwĂ€rme ungenutzt. Die frische Zuluft wurde komplett mit FernwĂ€rme auf die geforderten 19 Grad Zulufttemperatur vorgewĂ€rmt – was den Energieverbrauch gegenĂŒber der Prognose natĂŒrlich in die Höhe schnellen liess.

Kleine Anpassungen, beachtlicher Effekt

Im letzten Winter korrigierte Onorati zusammen mit der Wartungsfirma dieses Malheur und optimierte gleich noch weitere Steuerungsfunktionen. So war es zum Beispiel bis anhin vorgesehen, dass die LĂŒftungen um 10 Uhr vom Grundbetrieb auf Kochbetrieb stellten, obwohl die Gastronomen den Herd ĂŒblicherweise erst eine Stunde spĂ€ter anwerfen. Neu geht die LĂŒftung deshalb erst um 11 Uhr in Betrieb, kann aber bei Bedarf manuell eingeschaltet werden; entsprechend verkĂŒrzt sich die Betriebszeit. Onorati: «Wird der tĂ€gliche Kochbetrieb der LĂŒftung um eine Stunde reduziert, spart man bei den heutigen hohen Strompreisen ĂŒber 2000 Franken pro Jahr, ohne Komforteinbusse.» Um zehn Prozent korrigiert wurde zudem die umgesetzte Grundluftmenge, die zu hoch eingestellt war. Schliesslich ist eine zweite LĂŒftungssteuerung mit CO2-Sensor zu grosszĂŒgig programmiert und erhöht entsprechend verfrĂŒht die Luftzufuhr. Auch hier lassen sich nun dank der PEIK-Analyse in Zukunft die Betriebszeit kĂŒrzen und Strom und WĂ€rme sparen.

Warmwasserverbrauch halbiert

Angepasst hat Onorati auch die Steuerung der Heizung, die bisher gelegentlich selbst im Sommer ansprang, wenn fĂŒr ein paar Tage eine Schlechtwetterperiode vorbeizog – obwohl die AbwĂ€rme von GerĂ€ten und GĂ€sten problemlos fĂŒr angenehme Temperaturen sorgen. Dass sich auch beim Verbrauch von Wasser und insbesondere Warmwasser Energie sparen lĂ€sst, wies der Energiefachmann bei den Lavabos der Toiletten nach – hier blockierten die Betreiber bei Hebelmischern den Warmwasserbereich. Wo noch Armaturen ohne Mischer verbaut sind, entfernte von Frankenberg kurzerhand den Warmwasserregler. Entsprechend gibts nur noch kaltes Wasser fĂŒrs HĂ€ndewaschen, was aber zu keinerlei Reklamationen der GĂ€ste fĂŒhrte.

Jene Entnahmepunkte, an denen weiterhin Warmwasser benötigt wird, etwa bei den Personalduschen, wurden systematisch auf SpareinsĂ€tze geprĂŒft und, wo nötig, nachgerĂŒstet. Solche SpareinsĂ€tze mischen den Wasserstrom mit Luft und senken den Warmwasserverbrauch erfahrungsgemĂ€ss um 50 Prozent.

Licht: LED – und abschalten

Punkto Beleuchtung hatte das Klara schon mehrheitlich auf LED umgestellt; im Untergeschoss sind Bewegungsmelder installiert. Dennoch spĂŒrte Onorati auch in diesem Bereich Sparpotenzial auf. So wird die Aussenbeleuchtung nur noch in den Randzeiten eingeschaltet, im Sommer erst ab 22 Uhr.

Das Thema könnte in Zukunft noch konsequenter verfolgt werden: «Die grosse Glasfront legt nahe, eine Tageslichtsteuerung zu installieren», schlĂ€gt Onorati vor. Damit wĂŒrde bei hellem Sonnenschein die Innenbeleuchtung automatisch gedimmt oder ganz ausgeschaltet. Ein letzter Effizienztipp, den der PEIK-Energieberater den Klara-Betreibern mitgegeben hatte, betraf den Eingang: Die automatische SchiebetĂŒr wurde fĂŒr die kalte Jahreszeit mit einem Vorhang ergĂ€nzt, der die WĂ€rme im Lokal behalten soll.

150 Megawattstunden pro Jahr

«Klara» bezahlte fĂŒr die PEIK-Energieberatung 2500 Franken, nochmals so viel ĂŒbernahm EnergieSchweiz. Weitere 2400 Franken fallen fĂŒr die vier Arbeitstage Umsetzungsbegleitung durch die IWB an, die noch bis im Herbst lĂ€uft – auch hier zahlt das Bundesprogramm die HĂ€lfte des Aufwands, bis maximal 13000 Franken oder 10 Arbeitstage.

«In Hardware haben wir – abgesehen von einigen LED-Leuchten und dem Vorhang – praktisch nichts investiert», bilanziert Nik von Frankenberg. Denn in erster Linie ging es um die ÜberprĂŒfung der Steuerung und darum, die beschlossenen Massnahmen im Team zu kommunizieren. Neben den Optimierungen selbst habe die PEIK-Beratung auch dazu beigetragen, dass die Betreiber die Haustechnik besser kennenlernten und in Zukunft schneller reagieren könnten, wenn etwas nachjustiert werden mĂŒsse.

Gelohnt hat sich das Coaching auch finanziell. Von den bisher jĂ€hrlich 380 Megawattstunden (MWh) Energie entfallen knapp 300 auf die LĂŒftung – gemĂ€ss den bisherigen Messungen dĂŒrfte sich dieser Verbrauch nun halbieren. Und bei der Heizung ist dank der korrekten Steuerung eine weitere Einsparung von 10 MWh pro Jahr zu erwarten. Somit ist der finanzielle Aufwand bereits im ersten Jahr wieder eingespielt. Nik von Frankenberg: «Es macht Sinn, eine solche Beratung in einigen Jahren zu wiederholen. Denn es ist wie beim Zahnarzt: Wenn man es zu lange hinauszögert, wird der Schaden immer grösser.»

Pieter Poldervaart fĂŒr

www.nicht-verschwenden.ch

NICHT-VERSCHWENDEN.CH

Beratung nach Mass

Um die Schweizer Wirtschaft, Haushalte und Gemeinden darin zu unterstĂŒtzen, energiesparende Massnahmen zu identifizieren und umzusetzen, hat der Bund die Kampagne nicht-verschwenden.ch lanciert. Das Portal listet Tipps fĂŒr eine rasche Umsetzung auf. DarĂŒber hinaus findet sich dort eine ganze Palette von Beratungs- und Finanzierungsangeboten, um Firmen auch langfristig beim Energiesparen zu helfen. FĂŒr individuelle Fragen steht kostenlos die Infoline 0848 444 444 zur VerfĂŒgung. Die automatische Telefonzentrale nimmt Fragen auf und leitet sie an Expertinnen und Experten mit Branchenkenntnissen weiter. Diese rufen innerhalb von drei bis fĂŒnf Werktagen zurĂŒck. Die telefonische Erstberatung ist kostenlos.

AusfĂŒhrlicher und auf die persönlichen BedĂŒrfnisse zugeschnitten ist die PEIK-Energieberatung von EnergieSchweiz. Wer sich dafĂŒr entscheidet, erhĂ€lt fĂŒr seinen Betrieb ein massgeschneidertes Angebot einer der 200 PEIK-Fachpersonen. Von den Beratungskosten übernimmt der Bund maximal 2500 Franken. Ebenfalls geschenkt ist die HĂ€lfte des Aufwands für die optionale Umsetzungsbegleitung durch den PEIK-Energieberater respektive die PEIK-Energieberaterin – bis zu zehn Arbeitstage.

www.nicht-verschwenden.ch

antrag vor dem start

Subventionen fĂŒr effiziente GerĂ€te

Werden bei der Beratung GerĂ€te identifiziert, die aus Energiesicht ersetzt werden sollten, offerieren Förderprogramme in vielen GerĂ€tekategorien ZuschĂŒsse von bis zu 30 Prozent. Neuerdings gibt es beispielsweise auch Programme fĂŒr effiziente HĂ€ndetrockner oder fĂŒr GebĂ€udeentfeuchter. Die Kampagnen haben unterschiedliche Laufzeiten. Wichtig: Der Antrag muss vor dem Start der Umsetzung bei der entsprechenden Stelle eintreffen.

www.prokilowatt.ch/de

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