Publiziert am: 11.08.2023

Abheben von der Konkurrenz: So gehts

Energieeffizienz – Niedriger Energieverbrauch ist das Markenzeichen der von der Hydac AG, Mezzovico/TI, entwickelten KĂŒhlsysteme. Seit einigen Jahren optimiert das Unternehmen seinen Betrieb auch unter energetischen Gesichtspunkten. Eine Reduktion des Energieverbrauchs um einen Drittel ist realistisch – womit auch massiv weniger Kosten anfallen.

Mezzovico, auf halbem Weg zwischen Bellinzona und Lugano, scheint fast nur aus unscheinbaren Industriebauten zu bestehen. Zwei davon gehören zur Hydac SA, einer auf KĂŒhlsysteme spezialisierten Tochtergesellschaft des Mutterkonzerns mit Sitz im deutschen Sulzbach. Wer sich den schlichten GebĂ€uden nĂ€hert, ahnt nicht, dass hier, fĂŒnf Kilometer Luftlinie von der italienischen Grenze entfernt, Hightech-GerĂ€te entwickelt, getestet und gebaut werden. Sie tragen dazu bei, dass unsere Daten auf Amazon sicher gespeichert werden, gefrorener Fisch beim Transport nicht auftaut oder Lokomotiven auf offenem Gleis nicht stecken bleiben.

KĂŒhlung fĂŒr StabilitĂ€t

Die 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hydac SA befassen sich hauptsĂ€chlich mit der Forschung und Entwicklung, dem Engineering und der Montage von KĂŒhlsystemen fĂŒr Anwendungen in verschiedenen Branchen. Die Serienproduktion von KĂŒhlern und WĂ€rmetauschern findet 70 Kilometer weiter sĂŒdlich, in Norditalien, in einem Werk mit 250 Angestellten statt. «Aber es ist wichtig, einen Teil der Produktion hier in der Schweiz zu behalten, damit wir mit praktischen Tests sofort ĂŒberprĂŒfen können, ob sich die Innovation in das System integrieren lĂ€sst», betont Davide Paterlini, Betriebsleiter am Standort Mezzovico. Ein gutes Dutzend Spezialisten bauen deshalb in den acht Meter hohen Hallen zusammen, was ihre Kolleginnen und Kollegen im BĂŒrobereich ausgearbeitet haben: KĂŒhlsysteme, die zum Beispiel dafĂŒr sorgen, dass die Motoren von Rechenzentren, etwa von Online-HĂ€ndlern, nicht ĂŒberhitzen, sondern gleichmĂ€ssig laufen und so die Server am Laufen halten. Auch in Gaskraftwerken oder bei Windkraftanlagen werden Hydac-Produkte eingesetzt, um die KĂŒhlung der Systeme sicherzustellen.

Die GerĂ€te «Made in Mezzovico» sind zum Teil auch fĂŒr den mobilen Einsatz konzipiert: zum Beispiel fĂŒr den Unterbau von Lokomotiven, wo sie wichtige Teile kĂŒhlen, oder auf KĂŒhlcontainern, wo sie die fĂŒr die KĂ€lteerzeugung zustĂ€ndigen Kompressoren stabilisieren. «Neben der ZuverlĂ€ssigkeit ist die Effizienz ein wichtiges Kriterium, um sich von der Konkurrenz abzuheben», erklĂ€rt Paterlini. Denn je kleiner eine KĂ€lteanlage ist, desto einfacher lĂ€sst sie sich zum Beispiel in einer Lokomotive einbauen, und desto mehr trĂ€gt sie zur Senkung des Energieverbrauchs bei.

PEIK-Energieberatung schafft Transparenz

Messen, optimieren, verbessern: Das Streben nach Effizienz liegt Paterlini und seinem Team im Blut. Da ist es nur logisch, die Suche nach ĂŒberflĂŒssigem Energieverbrauch auch auf das eigene Umfeld auszudehnen: auf das 1971 erbaute und 2001 gekaufte BĂŒrogebĂ€ude und die dazugemietete zweite Halle. «Wir wissen viel ĂŒber KĂŒhlung, aber fĂŒr eine so umfassende Betriebsanalyse war ein Profi gefragt», sagt Paterlini. In der Nachbargemeinde Taverne wurde die Tech-Insta SA gefunden, ein Unternehmen, das im Bereich Anlagenbau tĂ€tig ist und mit seiner Engineering-Sparte auch Beratungsleistungen anbietet.

2019 begann der zustÀndige PEIK-Energieberater Silvio Giacomini mit einer Energiebilanz und listete nach einer ersten Analyse eine ganze Reihe von Optimierungsmassnahmen bei Hydac auf. «Seit 2001 wurde nichts mehr in die Energieeffizienz investiert, das Potenzial ist also riesig», fasst Giacomini seine Berechnungen zusammen.

LED spart Strom und verbessert die Ergonomie

Die Umstellung auf LED-Beleuchtung ist bereits vollzogen. Was in den BĂŒros, wo bisher Leuchtstoffröhren Standard waren, problemlos möglich war, erforderte in den Montagehallen eine genaue Planung, um die nötige Helligkeit an den ArbeitsplĂ€tzen zu gewĂ€hrleisten. Hier entschied sich Hydac fĂŒr ein ausgeklĂŒgeltes Steuerungssystem, das die Leistung entsprechend der TageslichtintensitĂ€t reduziert. TatsĂ€chlich wechseln sich bei unserem Besuch Wolken mit strahlendem Sonnenschein ab: Die Sensoren reagieren schrittweise und sorgen fĂŒr eine konstante und angenehme Helligkeit. DarĂŒber hinaus sind in den GĂ€ngen des BĂŒrobereichs jetzt Bewegungsmelder ĂŒblich. «Die Umstellung auf LED spart in diesem Bereich zwei Drittel des bisherigen Stromverbrauchs von 58 000 Kilowattstunden pro Jahr», rechnet Giacomini vor. Ausserdem mĂŒssen die LED-Leuchten seltener ausgetauscht werden – ein Vorgang, der in hohen Hallen immer risikobehaftet ist.

Kombination von Dachsanierung und Fotovoltaikanlagen

Was die Raumheizung anbelangt, so wurde das Personal sensibilisiert, die grossen HallentĂŒren im Winter nach der Benutzung schneller zu schliessen. Auch der frĂŒhere Ölbrenner soll mittelfristig durch eine WĂ€rmepumpe ersetzt werden. Doch um den WĂ€rmebedarf generell zu senken, muss zunĂ€chst das Dach saniert werden, wo in der kalten Jahreszeit eine Menge Energie entweicht. Und wĂ€hrend der Arbeiten auf dem 4000 Quadratmeter grossen Dach will Hydac auch eine Fotovoltaikanlage installieren. Die geplante Installation von 500 kWp respektive 3300 Quadratmetern soll rund 70 Prozent des Stromverbrauchs des Unternehmens erzeugen. «LĂ€uft es besonders gut, denken wir darĂŒber nach, den ĂŒberschĂŒssigen Strom zu verkaufen», sagt Paterlini mit Blick in die Zukunft.

Bedarf an Druckluft gesenkt

Die Energieberatung von PEIK hatte auch Einsparpotenziale bei der Druckluftversorgung aufgezeigt. «Wir haben den tatsÀchlichen Bedarf neu berechnet und die lÀngst abgeschriebene Anlage durch eine kleinere ersetzt, die mit einem Viertel weniger Strom auskommt, wobei der alte Kompressor vorerst als Reserve erhalten bleibt», erklÀrt Silvio Giacomini. Auf jeden Fall stellt das Unternehmen allmÀhlich auf Werkzeuge um, die mit wiederaufladbaren Batterien betrieben werden. AkkugerÀte sparen nicht nur Energie, sie sind auch ergonomischer.

Geplantes Projekt mit Contracting

WĂ€hrend sich die bisher durchgefĂŒhrten Massnahmen bereits nach wenigen Jahren amortisieren, ist die Dachsanierung eine Investition, die sich erst nach mehreren Jahren amortisiert. Die Hydac SA prĂŒft deshalb die Möglichkeit, einen Contracting-Vertrag abzuschliessen: Tech-Management, ein Unternehmen der Tech-Insta-Gruppe, ĂŒbernimmt die Finanzierung und garantiert eine jĂ€hrliche Mindesteinsparung von Energie. Der Vertrag umfasst die Dachsanierung, die Installation der Fotovoltaikanlage und die DurchfĂŒhrung weiterer Optimierungsmassnahmen sowie die Erbringung von Energiedienstleistungen. Die GebĂ€ude und Anlagen bleiben im Eigentum von Hydac.

Die Experten von Tech-Insta sind weiterhin in die Beratung und das Vertragsmanagement eingebunden. Nach der Energieberatung von PEIK und dem Vorschlag von CPE wĂŒrde die Dachsanierung mit der Installation der Fotovoltaikanlage und weiteren Optimierungen den Energieverbrauch fĂŒr die Versorgung mit Strom, WĂ€rme und Warmwasser um rund 40 Prozent gegenĂŒber 2019 senken.

Davide Paterlini ist vom bisherigen Vorgehen ĂŒberzeugt: «Nach einer Energieberatung von PEIK weiss man genau, wo wie viel Strom oder Heizöl verbraucht wird, und kann Massnahmen einleiten. FĂŒr ihn ist klar, dass er die Energiestrategie weiter vorantreiben will: «Steigende Energiepreise machen es attraktiv, jetzt in Effizienz zu investieren und in Richtung Dekarbonisierung zu gehen.»

Pieter Poldervaart fĂŒr nichtverschwenden.ch

www.nicht-verschwenden.ch/de/unternehmen

Energieeffizienz

Beratung nach Mass

Um die Schweizer Wirtschaft, Haushalte und Gemeinden darin zu unterstĂŒtzen, energiesparende Massnahmen zu identifizieren und umzusetzen, hat der Bund 2022 die Kampagne nicht-verschwenden.ch lanciert. Auf dem Portal findet sich eine ganze Palette von Beratungs- und Finanzierungsangeboten, um Firmen auch langfristig beim Energiesparen zu helfen. FĂŒr individuelle Fragen steht kostenlos die Infoline 0848444444 zur VerfĂŒgung. Die automatische Telefonzentrale nimmt Fragen auf und leitet sie an Expertinnen und Experten mit Branchenkenntnissen weiter. Diese rufen innerhalb von drei bis fĂŒnf Werktagen zurĂŒck.

AusfĂŒhrlicher und auf die persönlichen BedĂŒrfnisse von KMU zugeschnitten ist die PEIK-Energieberatung von EnergieSchweiz. Wer sich dafĂŒr entscheidet, erhĂ€lt fĂŒr seinen Betrieb ein massgeschneidertes Angebot einer der 200 PEIK-Fachpersonen. Von den Beratungskosten übernimmt der Bund maximal 2500 Franken. Ebenfalls geschenkt ist die HĂ€lfte des Aufwands für die optionale Begleitung durch die Energieberatenden in der Umsetzung von Massnahmen – bis zu zehn Arbeitstage.

www.peik.ch

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