Publiziert am: 11.08.2023

«Das Potenzial ist riesig»

SICHERHEIT – Mit dem automatisierten SeilprĂŒfsystem TRUscan macht die Thurgauer Firma Fatzer Seilbahnen noch sicherer.

Obwohl Seilbahnen als eines der sichersten Verkehrsmittel der Welt gelten, gibt es dennoch immer wieder UnglĂŒcke. Um die «Sicherheit im Seil, das höchste Gut», noch weiterzuentwickeln, hat das Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Institut fĂŒr Fördertechnik und Logistik der UniversitĂ€t Stuttgart (IFT) ein neues PrĂŒfsystem entwickelt. TRUscan arbeitet nach dem bekannten magnetinduktiven Messprinzip, bei dem eine PrĂŒfspule das magnetische Streufeld eines Seils aufzeichnet und so einen Einblick in das Innenleben eines laufenden Seils ermöglicht. «DrahtbrĂŒche werden dabei auf den Millimeter genau erkannt und automatisch in einer Ereignisliste aufgefĂŒhrt. Mit dieser permanenten PrĂŒfung des Seils werden die Positionen und Anzahl der DrahtbrĂŒche erfasst und somit eine Tendenz in Bezug auf die sogenannte Ablegereife des Seils ermittelt», erklĂ€rt Martin Bechtold, CEO der Fatzer AG.

Messung per Handy oder Tablet

Die Messung des Seils kann vom Handy oder Computer ĂŒber die Fatzer-Plattform ausgelöst werden. Die Messungen finden mit normaler Geschwindigkeit wĂ€hrend des Betriebs statt und der Messbericht steht den Verantwortlichen innerhalb einer halben Stunde nach der Messung zur VerfĂŒgung. Zudem kann nach einem Gewitter oder Sturm in KĂŒrze der Zustand des Seils mit einer ausserplanmĂ€ssigen Messung vor dem tĂ€glichen Betrieb ermittelt werden.

«mit 30 000 Franken ist das System realtiv gĂŒnstig.»

Das GerĂ€t misst zudem die Laufkilometer und die Biegewechsel, sodass der BenĂŒtzungsgrad des Seils immer bekannt und dokumentiert ist. «Der TRUscan ist hauptsĂ€chlich bei urbanen Seilbahnanlagen im Einsatz. Diese befinden sich beispielsweise in Mexiko oder BogotĂĄ. TRUscan wird aber auch fĂŒr Seilbahnen in den Bergen genutzt – denn Sicherheit, ZuverlĂ€ssigkeit, Lebensdauer und Kosten sind auch hier zentral, vor allem in den Wintermonaten.

In der Schweiz ist der TRUscan aktuell bei den Seilbahnen in Verbier und Stoos im Einsatz», so Bechtold.

UnterbrĂŒche vermeiden

Die RĂŒckmeldungen sind bis jetzt sehr positiv. Dazu der CEO: «Die Kunden schĂ€tzen die Kombination der bestmöglichen Sicherheit und maximalen VerfĂŒgbarkeit ihrer Seilbahn. Sie sind stets auf dem Laufenden, was den Zustand der Seile betrifft, und können Unterbrüche im Betrieb vermeiden oder im Voraus planen.» Mit 30 000 Franken ist das System relativ gĂŒnstig. Dies ist unter anderem der Tatsache geschuldet, dass diese Art der eingebundenen Sensorik ein noch neues Konzept ist und trotz aller Erfolge immer noch eine EinfĂŒhrungsphase durchmacht. «Unser primĂ€res Ziel ist es jedoch, den Kunden zu ĂŒberzeugen und seinen Nutzen zu erhöhen. So haben wir neben dem TRUscan auch einen TRUpin fĂŒr die Überwachung von Seilbauwerken entwickelt. Die Seile von Seilbauwerken können mit dem TRUpin kontinuierlich ĂŒberwacht werden», betont Bechtold. Damit lassen sich VerĂ€nderungen in den SeilkrĂ€ften unmittelbar erkennen und Instandhaltungsmassnahmen können abhĂ€ngig von den tatsĂ€chlichen Belastungen geplant werden. «Das Potenzial ist riesig, und wir sind immer noch in der Phase der MarkteinfĂŒhrung», stellt Bechtold fest. CR

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